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Blutrotkäppchen

Reihe: Manga-Madness, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

David Füleki hat schon an anderer Stelle bewiesen, dass ihm weder Klassiker der Kinderliteratur noch Märchen heilig sind, wie seine ebenfalls bei Tokyopop erschienenen „Struwwelpeter“-Adaptionen beweisen. Nun darf auch sein anarchischer Held „Entoman“ die Welt von „Grimms Märchen“ unsicher machen.

 

Inzwischen lebt er zusammen mit Dev und Kuh in einer Wohngemeinschaft. Während die beiden anderen studieren, lässt er es sich gut gehen und vertreibt sich die Zeit mit Videospielen.

Eines Tages bitten ihn seine Mitbewohner, ein Notfallpaket zu Großmutter Wolf zu bringen, die im nahegelegenen aber dichten Wald lebt. Umwillig macht sich Entoman auf den Weg, um das möglichst schnell hinter sich zu bringen. Doch schon der Weg zu der einsamen Hütte ist mit Problemen gepflastert. Das schöne Rotkäppchen bittet ihn um Hilfe, was er nicht wirklich ablehnen kann, denn sie ist von sehr reizvoller Gestalt und scheint durchaus bereit, im Gefallen zu erweisen.

Der Jäger macht ihm Vorhaltungen, als er einige Steinsäulen zerstört und zeigt ihm eine Hütte voll von Gebeinen ermordeter Mädchen. Und nicht zuletzt erwartet ihn in der Hütte der armen Großmutter Wolf der blanke Horror in Gestalt eines mit unzähligen Zähnen bewaffneten Monsters.

 

Von der eigentlichen Kindergeschichte sind in „Blutrotkäppchen“ nur noch ein paar Elemente zu finden, aber die werden gründlich auf den Kopf gestellt. David Fülekis anarchischer Held bewegt sich durch eine ähnlich düster und skurril gestaltete Welt.

Nichts ist wie es scheint, und hinter einem süßen Gesicht steckt mehr Monster als hinter dem Wolf, der vielleicht einmal eine Bestie war, nun aber nicht mehr ist. Und auch der Jäger, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Terminator hat, hat sein Päckchen zu tragen.

Mit brachialem Humor erlaubt sich der Künstler, Klischees auf den Kopf zu stellen und mit der Lebensphilosophie von jungen Männern zu kombinieren.

Wer also eine niedliche und romantische Geschichte erwartet, der wird eher enttäuscht. Statt guten Gefühlen und Liebe gibt es ordentlich Gemetzel im Stil von Videogames, blanken Horror in physischer und psychischer Form, skurrile Gestalten, bei denen nicht wichtig ist, warum sie so wurden, sondern nur, dass sie schräg sind und nicht zuletzt markige Sprüche aus dem Mund des Helden.

Der Manga ist als vordergründiger Spaß mit so bösen wie zynischen Gags konzipiert, die gerne auch schon einmal die bürgerliche Moral mit Füßen treten.

 

Das macht „Blutrotkäppchen“ eher zu einem fetzigen Underground-Comic als zu einer niedlichen und kindgerechten Märchenadaption. Die Altersempfehlung von 15 + sollte man also durchaus ernst nehmen.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Blutrotkäppchen

Manga-Madness, Band 1

Autor und Künstler: David Füleki

Tokyopop, erschienen Februar 2012

Taschenbuch mit 4 Farbseiten und Klappposter, 136 Seiten

ISBN-10: 384200351X

ISBN-13: 978-3842003514

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 28.03.2012, zuletzt aktualisiert: 15.09.2018 12:40