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Box of Spirits, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Bedingt durch ihre Religion und Gesellschaft haben die Japaner eine ganz andere Beziehung zu Geistern als die Menschen des Westens. Das schimmert auch heute noch in der populären Kultur durch, wie man immer wieder eindrucksvoll in Mangas und Animes miterleben kann. Allerdings gehen nur wenige so realistisch mit dem Thema um wie „Box of Spirits“.

 

Yoriko ist eine Außenseiterin in der Schule, was vor allem daran liegt, dass sie mit ihrer Mutter alleine in einem heruntergekommenen Haus lebt und beide nicht viel Geld zur Verfügung haben. Allein Kanako kümmert sich um sie, hat immer ein freundliches Wort und ist da, wenn Yoriko sie braucht. Aus diesem Grund macht das Mädchen auch Dinge mit, die ihr fremd sind – ist Kanako doch eine Träumerin die nur halb in der realen Welt zu leben scheint.

Als die beiden einen schönen Vollmondabend für einen nächtlichen Ausflug nutzen wollen, stürzt Kanako auf die Zuggleise und wird schwer verletzt. Yoriko steht zunächst unter Schock und versteht die Welt nicht mehr.

Auch Kiba, Kommissar der Tokioter Polizei, der zufällig im Zug nach Hause fahren wollte, wird von dem Fall nicht mehr losgelassen, so sehr er sich auch darum bemüht, ihn nicht zu vergessen. Etwas stimmt an der ganzen Sache ganz und gar nicht. Dass örtliche Behörden Mauern und das verunglückte Mädchen jemanden den er kennt, sehr ähnlich sieht, macht ihm ebenfalls zu schaffen.

Schließlich beginnt er sich zu fragen, ob das Unglück wirklich nur ein Selbstmordversuch des jungen Mädchens war oder vielleicht mehr dahinter steckt – genau so wie Yoriko, die das alles ebenfalls nicht vergessen kann und will.

 

„Box of Spirits“ ist ein Manga, der am Anfang bewusst offen lässt, wie sehr das übernatürliche mitspielen wird. Zunächst erscheint noch alles sehr normal und real. Die beiden Mädchen werden ausführlich vorgestellt, dass einzige, was an Kanako auffällig ist, scheint ihre Verträumtheit zu sein. Selbst ihr Sturz vor die Bahn wirkt wie ein Selbstmordversuch oder ein dummer Unfall – erst danach beginnen die Vorgänge geheimnisvoll zu werden und nicht nur den Kriminalinspektor stutzig zu machen, der den Fall zu seinem persönlichen Problem erhebt, obwohl dies gar nicht sein Dienstgebiet ist.

Auch Yoriko sieht die Welt nun mit anderen Augen, hat das Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, sogar bei ihrer Mutter. Und das liegt nicht nur daran, dass sie davon abgehalten wird, Kanako zu besuchen, den anderen Teil ihrer Seele – nein es sind auch Wahrheiten, die ihr durch einen unverhofften Besuch enthüllt werden.

Am Ende ist nichts mehr so klar, wie es am Anfang war und die Fragen sind größer als je zuvor. Das aber macht die Spannung an der Geschichte aus, denn die Künstler sorgen so bewusst dafür, dass man unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

Auch zeichnerisch ist nichts an der Geschichte auszusetzen. Sie bietet feine ausgeprägte Zeichnungen, viele unterschiedliche Charaktere und Details, die es zu entdecken gibt und für Atmosphäre sorgen.

 

Damit kann „Box of Spirits“ durch einen spannenden und geheimnisvollen Auftakt punkten, der vor allem durch seine interessanten Charakterzeichnungen und die wohl durchdachte Handlung punkten kann, bei der das Übernatürliche nur sehr schleichend und daher um so beeindruckender Einzug hält.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Box of Spirits (Band 1)

Autor: Natsuhiko Kyogoku

Künstler: Aki Shimizu

Mouryo no Hako, Vol. 1, Japan, 2007

Aus dem Japanischen von Yuko Keller

Taschenbuch mit 8 Farbseiten, 228 Seiten

Tokyopop, Hamburg, erschienen September 2013

ISBN-10: 384200897X

ISBN-13: 978-3842008977

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 25.09.2013, zuletzt aktualisiert: 15.09.2018 12:40