Brütal Legend (PS3)
 
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Brütal Legend

Rezension von Björn Backes

 

Diese Kritik gehört eigentlich nicht an diese Stelle. Denn „Brütal Legend“ ist alles, aber sicherlich nicht ein normales Videogame. Die Geschichte, die Umsetzung, die Klischees, das gesamte Drumherum, der Kitsch – naja, es ist eben alles ziemlich abgedreht, was Publisher EA dieser Tage auf den Markt bringt. Doch die Sache lohnt sich, insbesondere wenn man eine Vorliebe für klassischen Heavy Metal hat. Wie bitte? Heavy Metal? Ja, richtig gehört: Dieser Action-Trip ist eine Hommage an die frühen Achtziger, als harte Gitarren das Musikbusiness revolutionierten und Trends setzten, die für die Normalbevölkerung kaum mehr verständlich waren. Tom Schafer, seines Zeichens Initiator dieser ganzen Sache, gehört ebenfalls zu jener Spezies, die den Metal verehren und für ihn töten würden – ebenso wie sein Pendant Jack Black, der nicht nur die Hauptrolle als Eddie Riggs übernommen hat, sondern ebenfalls schon mehrfach ein klares Zeichen für seine musikalischen Vorlieben gesetzt hat. Also, Heavy Metal ist the Law in „Brütal Legend“. Und da der musikalische Edelstahl stets für verrückte Klischees steht, bekommt man in dieser klamaukverwöhnten Action-Story eine ganze Menge Unkonventionelles und Beklopptes geboten und dazu eine Erzählung, die vieles in den Schatten stellt, was der Videospielmarkt in all den Jahren erleben durfte.

 

 

Inhalt:

Vom Tellerwäscher zum Millionär? Uninteressant! Der Karriereweg vom Roadie zum Rockstar scheint einem Herren wie Eddie Riggs da schon lukrativer, zumal er als erfahrener Backstage-Koordinator schon alles miterlebt hat und die Bühnen kennt wie kein zweiter. Als es bei einem Konzert einer ziemlich arroganten Emo-Truppe jdoch zum Eklat kommt, wird Riggs in eine Fantasy-Welt gejagt, in der Typen in Spandex-Klamotten die Herrschaft an sich reißen wollen, während die letzten verbliebenen Vertreter der klassischen Werte für den Erhalt ihrer Kultur kämpfen. Doch mit Riggs bricht die Revolution an: Der verrückte Musikliebhaber schwingt sich mit Gitarrenriffs und seiner Axt durch die Landschaft, heizt mit einem Feuerstuhl zwischen Bergen, Flüssen und den Heimatgefilden seiner neuen Kumpane, treibt eine Schar total bekloppter Headbanger als seine Armee voran und bekämpft an allen erdenklichen Orten die in rosa gekleideten, toupierten Hair-Rocker, die das Gleichgewicht durcheinander zu bringen drohen. Seltsam? Allerdings!

Damit die Sache noch bescheuerter wird – und das im positiven Sinne – dürfen natürlich auch einige Gaststars nicht fehlen. Judas Priest-Frontmann Rob Halford taucht ebenso auf, wie der hier sinnbildlich als Höllenfürst eingeführte Ozzy Osbourne, in dessem teuflischen Shop man seine Gefährt kontinuierlich tunen und mit Waffen aufrüsten kann. Aber auch Lemmy Kilmister, Frontnarbe der legendären Motörhead, hat einen Gastpart bekommen und bittet Riggs, eine Bassseite zu besorgen, damit er dessen Freundin mit einem Solo von einem Messerstich erlösen kann. Die Geschichte, und da muss man sich auch nur wiederholen, ist gefüllt mit Klischees und einem sonderbaren, letzten Endes aber hervorragenden Humor, den man zwar erst ganz begreifen wird, wenn man tief in der Szene verwurzelt ist und ein wenig Backgroundwissen, dann aber auch in allen Zügen genießen kann.

Die Action ist derweil das eigentliche Highlight. Mit der Gitarre beschwört man seine Armee und erspielt mit verschiedenen Akkorden Events und Special Moves, die man in individuellen Spielszenen einsetzen kann. Größere Entferneungen legt man mit dem Bike oder dem Tourbus zurück, beim Bühnenaufbau schützt man die Merchandiseständen vor den dämonischen Kräften der Spandex-Army, und auch in der Luft ist man aktiv, wenn Eddie plötzlich zwei riesige Schwingen wachsen, mit dessen Hilfe er eine Festung zu stürzen droht. Nun, alles mag sich verzwickt und sinnentleert anhören, zumal der rote Faden in der Handlung nicht immer erkennbar ist. Die Aufträge ergeben aber schließlich einen sehr guten Plot, in dem man zwar nie wirklich gefordert wird, der aber immer wieder nette Elemente beinhaltet, mit deren Unterstützung die Spiellaune beim Maximum bleibt. Spätestens wenn man die steinzeitähnlichen Headbanger im Steinbruch erlebt und später beobachtet, wie sie mit der Pommesgabel in der Luft ihre Gegner attackieren, ist „Brütal Legend“ mehr als nur ein Lächeln wert – nicht zuletzt weil das Spielgeschehen insgesamt auch sehr vielfältig aufbereitet ist. Doch mehr Details preiszugeben, wäre nun nicht angebracht, denn was Eddie Riggs aka Jack Black und seine außergewöhnlichen Sidekicks erleben, sollte der Spannung halber nicht verraten werden. Nur soviel: Es rockt unheimlich!

 

 

Technik/Grafik:

Grafisch betrachtet ist „Brütal Legend“ eigentlich nur guter Standard, aufgrund der Detailverliebtheit aber dennoch aller Ehren wert. Bei der Aufbereitung der metallischen Klischees hat man auf allerhand vermeintliche Nebensächlichkeiten geachtet und einen sehr großen Wert auf die Atmosphäre gelegt, die letzten Endes auch wirklich prächtig und unbedingt authentisch ist. Da die Bewegungsabläufe zudem stimmig sind und speziell die Filmsequenzen richtig, richtig stark in die Story eingebunden werden, muss man zum Schluss sogar ein echtes Lob aussprechen.

Technisch gibt es ebenfalls keine Bedenken, wobei die simple Handhabung hervorzuheben ist, aber auch die sehr übersichtlichen Menüs und das angenehme Tempo. Einzig und alleine der Spielumfang ist ein berechtigter Kritikpunkt, denn ohne sich anzustrengen kann man „Brütal Legend“ in 10 Stunden im ersten Alleingang locker bewältigen.

Einige Worte zum Sound: Hier werden ausschließlich Klassiker bedient. Moderne Metal-Sounds? Fehlanzeige! Dicke Grooves? Nein! Es regieren die Achtziger, angefangen bei Mainstream-Acts wie Mötley Crüe bis hin zu Underground-Favoriten der Sorte Sanctuary ist im 90-teiligen Soundtrack alles vertreten, was das Kuttenherz höher schlagen lässt – brillant!

 

 

Spielspaß:

Es ist sicher nicht abzustreiten, dass „Brütal Legend“ als reines Action-Abenteuer nur halb so gut funktionieren würde, falls die abgefahrene Story und die Affinität zur härteren Musik nicht existieren würden. Dies ist schließlich das Lebenselixier dieses Games, füttert den kaum zu stillenden Humor nach frischen Gags und rechtfertigt auch die stilistische Grenzenlosigkeit der Handlung. Zum verrückten Szenario gesellen sich später dann auch einige suspekte Handlungsabläufe, die das Interesse aufrechterhalten und den Spaß immer wieder ankurbeln. Die Lacher sind sicher, ganz genauso das Kopfschütteln ob der verrückten Ideen, die aber dennoch jedes Mal voll zünden, weil sie voller zweideutigem Tiefgang umgesetzt werden und somit zum Ritterschlag von Seiten der traditionell ausgerichteten Metal-Gemeinde taugen. Kurzum: Wer hier nicht lacht, geschweige denn Spaß hat, während er die eigenwillige Action genießt, dem ist wohl kaum mehr zu helfen!

 

 

Fazit:

Eigentlich weiß man schon in der Anfangssequenz mit Mr. Black, dass hier etwas richtig Großes auf einen zusteuert, doch wenn man sich schließlich mitten in der Materie wieder findet und begeistert seine Headbanger delegiert, weiß man, dass Schafer und Co. hier einen Klassiker konzipiert haben, der in Sachen Humor und Sound derzeit das Maß aller Dinge im virtuellen Bereich ist!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024042205010950fe4b95
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MEDIUM:

Brütal Legend

System: Playstation 3

Publisher: Electronic Arts

USK-Einstufung: Keine Jugendfreigabe gem. 14. JuSchG

ASIN: B002FB71EU

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 11.01.2010, zuletzt aktualisiert: 14.04.2024 08:35, 9852