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Camouflage von Joe Haldeman

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Ein Science Fiction Roman von Joe Haldeman - Ausgezeichnet mit dem Nebula Award

Schon seit einer Million Jahre wandeln im Verborgenen zwei außerirdische Wesen auf unserer Erde. Diese Kreaturen wissen nichts voneinander, haben aber etwas gemeinsam: eine letzte Erinnerung an ein rätselhaftes, versunkenes Relikt und eine Verbundenheit zu Wasser. Das eine Wesen, der Wechselbalg, hat durch Anpassung überlebt, indem es die Gestalt von verschiedenen Organismen angenommen hat. Das andere, das Chamäleon, hat einzig und allein dadurch überlebt, dass es alles und jeden in seinem Weg vernichtet hat.

Als der Meeresbiologe Russell Sutton das Relikt schließlich entdeckt und an die Meeresoberfläche holt, ruft es nach den beiden Kreaturen und fordert sie auf, nach Hause zu kommen. Von dem Relikt nach unzähligen Generationen endlich zusammengeführt, entscheidet das Chamäleon, dass auf dieser Welt nur Platz für einen von ihnen ist.

 

Rezension:

Der zweite Roman, den der Mantikore Verlag in seiner Joe Haldeman Reihe herausbrachte, trägt den Titel Camouflage und gibt damit schon den Inhalt vor. Auch wenn der Klappentext bereits viel von der Handlung verrät, leider nicht einmal korrekt, steht das Konzept der Tarnung durch ein Verändern des Äußeren im Zentrum des Romans.

Ein gestaltwandelndes Wesen landete vor Urzeiten auf der Erde. Sein Raumschiff bleibt in den Tiefen des Pazifik zurück, während es in verschiedenen Formen durch die Meere streift, stets instinktiv bemüht, an der Spitze der Nahrungskette zu stehen, ohne tatsächlich Essen zu müssen. Erst spät – in den Dreißiger Jahren – entdeckt der Wechselbalg die Menschen. In der Form eines Teenagers lernt es nach und nach, was ein Mensch ist und wie es sich als solcher verhalten muss. Trotz überlegener Fähigkeiten und hoher Intelligenz läuft der Lernprozess nicht geradlinig und fehlerfrei ab. So wird aus einem Schäferstündchen eine Vergewaltigung und der scheinbar stark gestörte Junge landet im Irrenhaus. Dort sammelt es Erfahrungen schlimmster Art, aufgrund seines Metabolismus leidet es jedoch nicht, sondern studiert die Menschen und ihr Sozialverhalten, simuliert Gesundung, beginnt zu studieren, zieht in den Krieg …

 

Parallel zum Lebenslauf des Wechselbalgs verfolgen wir die Bergung des Raumschiffs 80 Jahre später. Zunächst rein privat betrieben, wird die Untersuchung des rätselhaften Objekts immer politischer.

 

Und dann gibt es da noch das Chamäleon. Ebenfalls ein fremdes Wesen mit der Fähigkeit, sein Äußeres zu verändern. Jedoch im Gegensatz zum Wechselbalg, weilt es schon sehr lange unter den Menschen. Seine Geschichte ist geprägt von Sadismus, Gewalt und Macht, stets auf der Suche, nach einem Wesen, das ihm gleicht. Doch für das Chamäleon gilt der alte Highlander-Grundsatz: Es kann nur Einen geben …

Das Wort Wechselbalg dürfte vielen SF-Fans ein deutliches Bild vor Augen führen. So lautete die negative Bezeichnung in der deutschen Synchronisation für Odo, dem Sicherheitschef auf der Raumstation Deep Space Nine aus der gleichnamigen Star Trek Serie.

In gewisser Hinsicht sind die Ähnlichkeiten tatsächlich vorhanden. Ausgehend von der weitgehenden Amnesie bis hin zum langsamen Erlernen von Emotionen und menschlicher Ethik. Aber auch Haldemann selbst verwendete sie bereits in Am Ende des Krieges – sie nannte sich dort Omni.

Einsamkeit ist ebenso ein Thema des Buches, wie auch die Auseinandersetzung mit den Abgründen menschlichen Handelns. Und so steht im Mittelpunkt der Bataan-Todesmarsch, ein Kriegsverbrechen der Japaner im Zweiten Weltkrieg. Der Wechselbalg ist unter den gefangenen Amerikanern, die ohne Essen und Trinken in Gewaltmärschen zum Sammellager laufen müssen. Haldeman erzählt diese Episode ausnehmend sachlich, stets dicht an der außerirdischen Psyche, die das Geschehen eher aus Interesse analysiert und erst nach und nach ethische Kompetenzen entwickelt. Dieser Kontrast mag Haldeman wichtig gewesen sein, da das eher eindimensional dargestellte Chamäleon keinerlei Entwicklung durchläuft. Im Prinzip erscheint das Chamäleon sogar komplett redundant zu sein. Zwar spielt es eine gewisse Rolle im Finale, aber letztlich hätte Haldeman auch problemlos auf diese langweilige Figur mit der rein schematischen Motivation verzichten können, ohne Wesentliches weglassen zu müssen.

 

Der Roman liest sich schnell weg, was auch damit zu tun hat, dass Haldeman etliche Thriller-Effekte in die Handlung einbaute, wodurch jede Menge Spannung erzeugt wurde. Im Wesentlichen betrifft es die Aktionen des Wechselbalgs seine Identitäten zu wechseln.

Vielleicht nicht jeden Geschmack dürfte die Liebesgeschichte treffen. Sie ist nicht gerade romantisch geschrieben, sondern ebenfalls sehr nüchtern, aber sie bringt eine weitere Seite der Menschlichkeit ins Spiel und gibt dem Roman eine deutliche positive Gefühlslage.

Ob diese überdeutliche Vermenschlichung des eigentlich völlig fremdartigen Aliens glaubwürdig ist, hängt wahrscheinlich sehr viel vom eigenen Lesegeschmack ab.

 

So bleibt nach dem Lesen die Empfindung, solide und ungemein spannende SF gelesen zu haben – nicht unbedingt, ein Meisterwerk, wie der Nebula Award suggeriert, aber zumindest doch ganz feine Unterhaltung.

 

Fazit:

»Camouflage« bietet einen aufregenden Wissenschaftsthriller um Aliens, Menschlichkeit und die Frage, was wir aufzugeben bereit sind, wenn die große Liebe auftaucht.

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Eure Meinung:

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Buch:

Camouflage

Original: Camouflage, 2004

Autor: Joe Haldeman

Übersetzer: Alexander Kühnert

Taschenbuch: 352 Seiten

Mantikore,19. Dezember 2012

Cover: Maximilian Jasionowski

 

ISBN-10: 3939212253

ISBN-13: 978-3939212256

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 03.05.2013, zuletzt aktualisiert: 28.02.2017 13:03