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Candide oder Der Optimismus von Voltaire

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Mit viel Witz und Ironie entlarvt der französische Philosoph Voltaire (1694 – 1778) in diesem Klassiker der Aufklärung jedes Paradies auf Erden als Illusion. Ein phantastisches Lehrstück über die Grausamkeiten der Welt und die einfachen Wege zum Glück.

In Voltaires scharfsinniger Satire werden Utopien, Heilslehren und jedes Paradies auf Erden als Illusionen entlarvt. Das Buch wurde nach Erscheinen 1759 in Genf öffentlich verbrannt und vom Vatikan auf den Index gesetzt.

 

Mit einem Nachwort von Harald Weinrich.

 

Rezension:

Warum sollte man ein 250 Jahre altes Buch eines französischen Philosophen lesen?

In erster Linie, weil Voltaire mit Candide ein in höchstem Maße unterhaltsames Büchlein verfasste, dessen Stil zu Recht als eingängig und verständlich beschrieben wurde.

Voltaire lag viel daran, dass seine satirischen und bösen Geschichten um die beste aller Welten von jedem verstanden wird, was dazu führt, dass auch wir heute keine Probleme damit haben zu erkennen, wo er Kritik übt, wo er bissig menschliche Eigenheiten kommentiert oder sich ausgiebig des unwahrscheinlichen Zufalls bedient. Die von ihm karikierten seichten Abenteuerromane gibt es heute immer noch, ebenso die verbreitete Ansicht, in einer Welt zu leben, die nun mal so und eigentlich ganz in Ordnung ist.

Natürlich zieht Voltaire über die Umstände seiner Zeit her, über Kirche, Kriegsgewalt und in erster Linie natürlich über den leibnitzschen Optimismus, dessen Grundtenor es ist, die Welt als perfekt gestaltet darzustellen.

Candide erhält diese Weisheit von seinem Lehrer Pangloss und ist während all seiner Abenteuer beständig auf der Suche nach Bestätigung dieser Lehre, ohne je auch nur den kleinsten Beweis dafür zu finden, dass die Welt gut eingerichtet ist. All das Leid, dass ihm begegnet und das wenigste davon widerfährt ihm dabei direkt, steht eigentlich im krassen Widerspruch zur perfekten Ordnung, doch in der Natur des Optimismus liegt es, auch das Schlechte schön zu denken.

Wer sich mit Voltaire gemeinsam über derartige Verrenkungen amüsieren kann, wird den feinen Witz genießen, der in den Abenteuern und Figuren steckt, trotz der massiven Gewalt. Natürlich darf man keine ernstgemeinte Abenteuerlektüre erwarten. Wer würde es schon als glaubwürdig akzeptieren, dass nach einem Sturm, Kentern, Anlanden ein Erdbeben folgt? Dass sich sechs vertriebene Herrscher in einem Gasthaus zufällig am Mittagstisch treffen? Dergleichen Merkwürdigkeiten gibt es viele und wer sich in den aktuellen Medien umschaut, wird verstehen, dass man sich auch heute noch darüber mit breiter Ausführlichkeit lustig machen kann und sollte.

Insofern funktioniert Voltaires philosophischer Roman auch im 21. Jahrhundert ganz vorzüglich.

 

Die dtv-Ausgabe ist zwar minimalistisch, sieht aber mit ihrem Prägedruckcover edel aus. Lediglich eine Type für das große ß könnte sich der Verlag langsam leisten.

Das Nachwort von Harald Weinreich ist informativ und erklärt den Werkhintergrund anhand biographischer Details, die bestimmte Passagen des Romans näher erhellen, etwa Voltaires Auslassungen zum Wert toter Schauspieler. Auch den philosophischen Grundstock zum Verständnis der voltaireschen Kritik liefert der Autor.

Zusammen mit dem günstigen Preis präsentiert der Verlag damit einige sehr gute Argumente für den Erwerb dieses Klassikers.

 

Fazit:

Voltaires rasante Abenteuerposse zur Kritik des Optimismus ist auch heute noch ein großer Spaß und in seiner einzigartigen Mischung aus bitterböser Satire und feinem Witz weder veraltet noch altmodisch. Der Blick in das Jahrhundert Voltaires offenbart, wie wenig sich am menschlichen Treiben und Fehlen seitdem verbessert hat.

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Buch:

Candide oder Der Optimismus von Voltaire

Original: Candide ou l'optimisme, 1758

Autor: Voltaire

Übersetzerin: Ilse Lehmann

Nachwort: Harald Weinreich

dtv, November 2005

Taschenbuch, 176 Seiten

 

ISBN-10: 3423342528

ISBN-13: 978-3423342520

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.05.2009, zuletzt aktualisiert: 08.12.2019 12:44