Centurion – Fight or Die (DVD)
 
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Centurion – Fight or Die (DVD)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Zweimal Survivalhorror, unmittelbar gefolgt von dystopher Science Fiction und nun … ein Historienthriller? Klingt irgendwie komisch, macht aber auch irgendwie Sinn. Denn selbst wenn man Regisseur Neil Marshall durchaus in die berüchtigte Genre-Schublade stecken kann, so versucht der sympathische Brite aus Newcastle upon Tyne alles, um sich eben jenen Klassifikationen zu entziehen, gleichzeitig aber seinen treu gewogenen Fans nicht vor den Kopf zu stoßen. Kein leichtes Unterfangen; zugegeben. Aber im Falle von Marshalls neuestem Werk Centurion in gleich doppelter Weise konsequent. Denn somit kann der Regisseur möglichen Kritikern durchaus beweisen, dass sich seine cinematographische Weltanschauung nicht bloß auf die extremeren Spielarten der Phantastik beschränken – und zugleich einem Zwang nachgehen, welcher ihm praktisch in die Wiege gelegt worden war. Denn als Sohn von Newcastle upon Tyne war es praktisch unmöglich, dem dort ansässigen Hadrianswall, einem römischen Befestigungssystem, zu entgehen – und der dazugehörigen Geschichte. Doch einen abendfüllenden Spielfilm über eine, zugegebenermaßen, beeindruckende Erhebung? Eher nicht. Stattdessen wagte Marshall einen Blick über die Mauer hinweg und entdeckte Hochinteressantes. Etwa das Rätsel um die Legio IX Hispana – die berühmte Neunte Legion des Römischen Reichs und deren, bis heute ungeklärten Verbleib.

Man schreibt das Jahr 117 A.D. Die römischen Eroberungsfeldzüge haben mittlerweile auch Britannien erreicht. Jedoch gestaltet sich ebendort jenes Unterfangen schwieriger, als angenommen. Besonders die mit aller Härte vorgehenden Pikten leisten unerbittlichen Widerstand gegen den Feind. Immer mehr römische Posten fallen den Kriegern zum Opfer – und damit auch wertvolle menschliche Ressourcen. Nur dank sehr viel Glück wird der Centurion Quintus Dias (Michael Fassbender) von den Pikten verschont. Doch nachdem diese von der Beharrlichkeit des Soldaten, wertvolle Informationen auszuplaudern, genug haben, wird der junge Römer zu Freiwild erklärt und die Jagd auf ihn eröffnet. Doch Quintus hat Glück im Unglück, als die Neunte Legion unter General Titus Flavius Virilus (Dominic West) auf seine Misere Aufmerksam wird und ihn retten kann. Dankbar und ob seiner Bestimmung als Krieger schließt sich Quintus den fast 9.000 Männern an, die samt und sonders auf die Ratschläge einer Frau hören. Doch die stumme Brigantin Etain (Olga Kurylenko) ist alles andere als ein gewöhnliches Frauenzimmer. Ihre kriegerischen Fähigkeiten können es mühelos mit denen der Römer aufnehmen und ihr Talent als Fährtenleserin ist unerreicht – und für die Legion von unschätzbarem Wert. Doch plant Etain keinesfalls, die Männer unbemerkt ins piktische Zentrum zu führen. Vielmehr geleitet die junge Frau die Römer in eine Falle, aus der es kein Entrinnen gibt.

Lediglich Quintus und eine Handvoll Soldaten überstehen die brutale Schlacht. Per Zufall erfahren sie von einem weiteren, von den Pikten verschleppten Überlebenden: Virilus!

Umgehend macht sich die kleine Truppe an die Verfolgung – und erreicht schließlich das Lager des Feindes. Dennoch gelingt es ihnen nicht, ihren einstigen Befehlshaber zu befreien. Stattdessen wird ein kleiner Junge Opfer des nächtlichen Überfalls. Der erzürnte Vater Gorlacon (Ulrich Thomsen) und zugleich Anführer der Pikten schwört daraufhin Rache – und macht sich mit seinen Männern an die Verfolgung. Unvermittelt finden sich Quintus und seine Gefährten in der Rolle des Verfolgten wieder – nahezu unbewaffnet, zu Fuß und sich konstant gegen die Kälte und Widrigkeiten der Wildnis wehrend. Am Ende ihrer Kräfte angekommen, erreichen sie schließlich das Heim der als Hexe verschrieenen Arianne (Imogen Poots), einer verstoßenen Piktin, die den Männern Unterschlupf gewährt. Doch Gorlacon und Etain sind ihnen bereits dicht auf den Fersen …

 

Wer auf Hochglanzbilder im Stile eines Gladiators setzt, der sollte um Centurion einen weiten Bogen machen. Hier dominiert ein nüchtern-schmutziges Grau-Blau, perfekt contrapunktiert durch das farbenprächtige Leben der urwüchsigen Wälder und Ebenen Schottlands; wunderbar eingefangen von langen und zuweilen sehr eindringlichen Kamerafahrten. Doch der Schein trügt. Marshalls Film ist rau, schmutzig und über weite Strecken verdammt blutig; vielleicht sogar noch blutiger als dessen auch nicht gerade zimperlichen Vorgänger. Für schwache Mägen dürfte „Centurion“ daher auf jeden Fall der falsche Streifen für einen entspannten Videoabend sein. Bereits nach wenigen Minuten wird hier kastriert, gemeuchelt und geköpft, dass selbst die Gorehounds schlucken müssen. Wie die Pikten macht Marshall keine Gefangene und wenn er Pro- und Antagonisten nicht gegeneinander auflaufen lässt, präsentiert er unter anderem mittelalterliche Foltermethoden, Knochenbrüche oder reichlich derbe Essgewohnheiten. Anders als bei Ridley Scott werden die Feldzüge der Römer nicht beschönigt oder gar romantisiert, sondern in all ihren hässlichen und grausamen Facetten ausgeleuchtet. Allerdings zelebriert Marshall keine stumpfsinnige Gewaltorgie ohne Sinn und Verstand. Vielmehr ist „Centurion“ ein geradliniger und zu keiner Sekunde langweiliger Film. Die Actionszenen sind flott choreographiert und werden – anders als etwa beim Vorgänger Doomsday – nicht durch viel zu schnelle Schritte verwässert. Zudem weiß Marshall genau, wann es angebracht ist, dass Tempo anzuziehen und wann nicht. Doch entstehen in besagten gemäßigten Passagen keinerlei Leerläufe. Stattdessen werden sie genutzt, um das Innenleben der Protagonisten eingehender zu beleuchten – insbesondere das von Quintus Dias, der sich zunächst als treuer Krieger präsentiert, im zunehmenden Verlauf des Filmes jedoch immer mehr an Rom und dessen Eroberungsplänen zweifelt. Der in Heidelberg geborene Michael Fassbender spielt diese Rolle wunderbar, ohne es dabei mit seiner Darbietung zu übertreiben. Stets behält er die Balance zwischen wild entschlossenem Krieger und Anführer und einem von Zweifeln heimgesuchten Mann. Eine ebenso dezente und gleichermaßen überzeugende Darstellung – und somit ein weiterer Beweis für Fassbenders Versatilität. Keine Frage: von ihm darf man in Zukunft noch einiges erwarten!

 

Nicht minder überzeugend, wenngleich das vollkommene Gegenstück zu Quintus stellt die vom einstigen Bond-Girl Olga Kurylenko portraitierte Kriegerin Etain dar. Hasserfüllt, gnadenlos und stets auf ihr Ziel fixiert verpasst die Ukrainerin ihrem Alter Ego eine wahrlich furchterregende – und nachvollziehbare – Erscheinung. Ohne dabei ein Wort zu sprechen, wohlgemerkt! Jedoch muss man auch dem Rest des Ensembles ein Kompliment machen. Hier fällt niemand durch Passivität oder Overacting aus dem Rahmen, sondern spielt exakt und auf den Punkt. Wobei der knappe, aber denkwürdige Auftritt der Nachwuchsschauspielerin Imogen Poots besonders erwähnenswert sein dürfte. Als verstoßene Arianne steht sie in „Centurion“ für die menschliche und versöhnliche Seite; ein Part, der ohne Weiteres zu einem kitschig-schwülstigen Ärgernis hätte verkommen können, jedoch von der gerade mal 21jährigen Britin fabelhaft gemeistert wird.

 

Fazit:

Wenn überhaupt, stand bei „Centurion“ eher Mel Gibsons Epos Braveheart Pate, denn Ridley Scotts „Gladiator.“ Unverhohlen erweckt Neil Marshall eine Epoche zu Leben, die von unglaublicher Gewalt und Rohheit geprägt war. Doch ist dies lediglich eine Facette eines rundum überzeugenden Films, der den geneigten Zuschauer dank großartiger Einstellungen, einer stringenten Story und nicht zuletzt der guten Schauspielerriege vollends zu überzeugen weiß.

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DVD:

Centurion – Fight or Die

Original: Centurion

GB 2010

Regie: Neil Marshall

Format: Dolby, DTS, PAL, Widescreen

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1) Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1

Umfang: 1 DVD

FSK: 18

Paramount, 30. September 2010

Spieldauer: 94 Minuten

 

ASIN: B003XM9AD0

 

Erhältlich bei Amazon

DarstellerInnen:

  • Michael Fassbender

  • Dominic West

  • Olga Kurylenko

  • Axelle Carolyn

  • Ulrich Thomsen

  • Imogen Poots

  • Paul Freeman


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Erstellt: 24.10.2010, zuletzt aktualisiert: 23.07.2022 08:28