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Conarium

Rezension von Cronn

 

Die Fahrt mit dem Lift dauert länger, als ich angenommen hatte. Lichter schieben sich an Felswänden an der vergitterten Fahrstuhlkabine vorbei. Es kracht, sobald die Seile gegen die Eisenkonstruktion schlagen. Nach endlosen Minuten ist es vorbei.

Mit einem erschütternden Schlag kommt die Kabine zum Stehen. Das Licht flackert für einen Moment, dann öffnet sich die Tür und entlässt mich in einen oktagonalen Raum.

Ein großer Baum nimmt die Mitte des Raumes ein. Ich bin sehr verwundert, dass eine Pflanze hier unten gedeihen kann – und dann auch noch in einer solchen beachtenswerten Größe.

Immerhin befinde ich mich tief unter dem Eis der Arktis.

An den Wänden befinden sich Zellen, die mich an Schlafsärge erinnern. Sie sind allesamt leer. Nur an einer Stelle führt der Weg weiter in einen nächsten Raum. Dieses Mal entdecke ich dort Kühlschränke mit chemischen Ingredienzien und zudem botanische Leuchtpilze.

Doch da! Der Umriss einer Katze ist an der Wand zu sehen.

Wo kommt die her?

Da sitzt sie! Sie miaut irgendetwas an, das ich nicht erkennen kann. Ist es nicht so, dass die Katzen Dinge wahrnehmen können, die dem menschlichen Auge verborgen sind?

Plötzlich öffnet sich in der Mitte des Zimmers eine Schale und daraus sprießen scharfe Stängel hervor, die mich in die Haut ritzen. Ich versuche zu fliehen, aber überall sind diese Stängel. Doch bevor ich in Panik verfalle, bekomme ich Kopfschmerzen, meine Sicht trübt sich ein – und ist auf einmal wieder normal.

Die Stängel sind verschwunden. Die Katze auch.

Seltsame Dinge gehen hier vor sich! Und das war erst der Anfang …

 

Conarium heißt das neueste Spiel von Zoetrope Interactive, den Entwicklern von Darkness Within: In Pursuit Of Loath Nolder und dem Nachfolger Darkness Within: Dark Lineage. Als Publisher fungiert Iceberg Interactive.

Doch was ist »Conarium« genau und wie gelungen ist das Projekt geworden? Das soll in der nachfolgenden Rezension geklärt werden.

 

Hintergrund:

Bereits mit »Darkness Within: In Pursuit Of Loath Nolder« haben die türkischen Indie-Entwickler aus Istanbul ihre Begeisterung für die Werke von Howard Philips Lovecraft gezeigt. Lovecraft war ein Autor von Weird Fiction, der mit seinen Kurzgeschichten v. a. rund um merkwürdige Wesen aus dem All für Furore gesorgt hat. Auch 80 Jahre nach seinem Tod ist eine treue Fangemeinde seiner Stories aktiv und auch ein Rollenspiel hält sein Andenken aufrecht.

Eine seiner längeren Geschichten war Die Berge des Wahnsinns und darauf basiert das PC-Spiel »Conarium«. Allerdings lässt uns das Game nicht die Handlung von »Berge des Wahnsinns« nachspielen, sondern spielt im selben Story-Universum, aber mit anderen Charakteren und Handlungsfäden.

Anfangs wachen wir als Frank Gilman inmitten einer Forschungsstation auf der Arktis auf, neben einem merkwürdigen Gerät namens »Conarium« und wissen zunächst nicht, was mit uns geschehen ist. Es stellt sich heraus, dass wir als Teilnehmer der Upuaut-Expedition unter Leitung von Dr. Faust unterwegs waren, geschickt von der Miskatonic-Universität, Fachgebiet Anthropologie, um die Grenzen des menschlichen Bewusstseins zu ergründen.

Doch die Forschungsstation scheint verlassen zu sein. Wo sind die anderen Teilnehmer? Was ist geschehen?

 

Nach und nach entdeckt man als Frank Gilman mehr der Hintergrundgeschichte auf und taucht ein in ein Mysterium rund um die Großen Alten, geheimnisvolle Wesen aus dem All.

Mehr soll nicht verraten werden.

Die Story entfaltet sich sehr langsam. Lange Zeit ist man in der Forschungsstation unterwegs, ohne zu wissen, was geschehen ist. Man sollte also einen langen Atem als Spieler haben, um nicht entnervt das Handtuch zu werfen, denn es lohnt sich. Je tiefer man in die Spielwelt eindringt, umso mehr zieht auch die Story an.

 

Gameplay:

»Conarium« ist über weite Strecken ein Walking-Simulator wie »Gone Home«. Man erkundet die Forschungsstation und atmet dabei die sehr dichte Atmosphäre des Spiels. Aber es existieren auch Puzzles, die meist durch das Einsammeln von Gegenständen und deren Einsetzen an den richtigen Orten gelöst werden können. Diese Rätsel sind meist auch nicht besonders knifflig. Einzig problematisch ist es, wenn man vor Detailreichtum den Blick für das Essentielle verliert und dadurch nicht auf die Lösung kommt, obwohl sie direkt vor der Nase ist. Ansonsten sollte man keine großen Probleme mit den Puzzles haben.

Wie schon klar wurde, hat das Spiel eine sehr dichte Atmosphäre. Das wird vor allen Dingen durch die Tatsache erreicht, dass man weitgehend isoliert durch die Gänge und Höhlen läuft, dabei nur ein Walkie-Talkie als Begleiter hat und sehr geschickt von den Entwicklern psychisch manipuliert wird.

Schnell glaubt man, hinter der nächsten Ecke bereits einen Schatten zu sehen oder ein merkwürdiges Geräusch weist darauf hin, dass jemand hinter einem läuft und die Verfolgung aufgenommen hat. Dadurch ist »Conarium« sehr nah an der paranoiden Grundhaltung vieler Lovecraft-Stories.

 

Grafik und Sound:

Unter der Haube werkelt bei »Conarium« der Unreal-4-Engine-Motor. Die drei Entwickler von Zoetrope Interactive haben die sehr gute Engine auch hervorragend genutzt. Die Grafik strotzt nur so von Details, die Texturauflösung ist sehr hoch. Die Lichtstimmung darf als superb bezeichnet werden. Insgesamt haben die Macher aus ihren anderen Vorgängerprojekten gelernt und setzen gekonnt auf Atmosphäre, um den Spieler in das Game zu ziehen.

Auch der Sound reiht sich in dieser Lobrede ein. Die Musik ist abwechslungsreich und wartet mit einer Bandbreite von Instrumenten auf, die sehr intensiv den Horror unterstreichen. Mal hört man tiefe Flöten, dann wieder Streicher oder Synthie-Klänge.

 

Fazit:

»Conarium« ist für Horror-Fans ein Muss. Wer sich für eine dichte Atmosphäre begeistern kann und zudem noch Lovecraft mag, der sollte unbedingt zugreifen. Einzig Adventure-Hardcore-Puristen sollten sich den Kauf überlegen, denn viel Hirnschmalz wird hier nicht abverlangt. Aber das ist auch nicht für dieses Game wünschenswert, denn es zieht einen förmlich hinein in eine packende Gruselgeschichte für Erwachsene.

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Eure Meinung:

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PC-Game:

Conarium

Iceberg / Zoetrope Interactive, 23. Juni 2017

Sprache: Englisch

Bildschirmtexte: Deutsch

Anleitung: Deutsch

USK: 16

 

ASIN: B071D7TYL1

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 04.07.2017, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50