Coraline von Neil Gaiman

Hörbuch

Rezension von Christel Scheja

 

Neil Gaiman ist vielen Genrefans durch seine mehrfach preisgekrönte Comic-Serie „Sandman“ bekannt. Schon damals bewies er, dass er sich mühelos durch die Welten der Phantastik und Mythen bewegen kann und dabei Altbekanntes mit innovativen neuen Ideen und Variationen anderer Elemente verbinden.

Seit einigen Jahren schreibt er auch vermehrt Romanen, von denen einer – „Der Sternenwanderer“ - bereits verfilmt wurde, ein anderer – „Coraline“ – nun auch in die Kinos kommt. Vermutlich ist deshalb auch gerade eben das Hörbuch zum Buch aus dem Arena-Verlag erschienen. Gelesen wird das Buch von der bekannten Schauspielerin und Sprecherin Anna Thalbach. Der Vortrag der Novelle ist ungekürzt.

 

Coraline zieht mit ihren Eltern in eine neue Wohnung um. Das Haus jedoch hat schon viele Jahre gesehen und strahlt die Aura vieler Jahrhunderte aus. Das Mädchen gewöhnt sich zwar schnell ein und freundet sich sogar mit einigen der anderen Hausbewohner an, da sie deren kauzige Eigenarten mag, doch so wirklich glücklich ist sie nicht.

Ihre Eltern verhalten sie sich nicht so, wie sie es sich erhofft. Ihr Vater ist immer nur am arbeiten und beschäftigt sich mit ihr nie länger als ein paar Augenblicke, ihre Mutter hingegen versucht sie ständig zu bevormunden und gönnt ihr irgendwie nicht einmal kleine Freuden wie neongrüne Handschuhe.

Da die Schule noch nicht angefangen hat und sie auch noch keine Spielgefährten hat, beginnt sich das Mädchen für eine geheimnisvolle Tür in der „Guten Stube“ zu interessieren. Zwar verbirgt sich hinter ihr nur eine Backsteinwand, als die Mutter einmal mit ihr nachzieht, aber das Mädchen fühlt sich trotzdem von ihr angezogen. Und tatsächlich verbirgt sich mehr hinter ihr. Als sie eines Nachts nicht schlafen kann und den Schatten folgt, die sie im Dämmerlicht sieht, öffnet die Tür einen Zugang zu einer Parallelwelt.

Und diese scheint ein wahres Paradies zu sein, denn die „andere“ Mutter verwöhnt sie und liest ihr alles von den Augen ab, und auch der „andere“ Vater beschäftigt sich mehr als sonst mit ihr. Was macht es da schon, dass die beiden Augen wie Knöpfe haben?

Coraline schreckt dennoch recht schnell aus dem Traum auf und beginnt das vermeintliche Paradies mit neuen Augen zu sehen, als ihre Sinne Alarm schlagen und leise Stimmen an ihr Ohr wispern, dass sie der Freundlichkeit nicht trauen soll, Und so beginnt für sie ein gefährliches Spiel um Leben und Tod.

 

„Coraline“ ist nicht unbedingt ein Märchen für Kinder, denn was zunächst wie ein Kinderbuch wirkt, weitet sich sehr schnell in eine gemeine Gruselgeschichte aus, da das Mädchen mit ihren Ahnungen recht behalten soll.

Geschickt beschreibt Neil Gaiman, wie sie Schritt für Schritt hinter die Geheimnisse der Zauberin kommt, die sie in ihren Bann geschlagen hat, und die Phantasiegebilde immer mehr verblassen. Dabei unterstützen sie die Geister der Kinder, die bereits gestorben sind und ein sprechender Kater. Aber Coraline begegnet noch anderen skurrilen Gestalten. Ältere Zuhörer werden sich sehr schnell an „Alice im Wunderland/Spiegelland“ und auch den „Zauberer von Oz“ erinnert fühlen. Auch dort geraten die Heldinnen in ein magisches Land und müssen sich mit Witz und Verstand aus ihrer misslichen Lage kommen , aber auch Vertrauen zu denen entwickeln, die ihnen helfen sollen. Coraline ist wie sie ein wenig altklug und nicht auf den Mund gefallen.

Vor allem die Atmosphäre der Geschichte weiß zu gefallen, vor allem wenn sie auch noch so gekonnt und lebendig von Anna Thalbach vorgetragen. Sie nutzt die Gelegenheit um ein wenig märchenhafte Verspieltheit einzubringen, erzeugt aber auch die eine schaurige Stimmung, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Die Geschichte ist letztendlich sehr einfach gehalten und für ältere Leser leicht zu durchschauen, aber das macht es auch um so leichter die Lesung zu verfolgen. Jüngere Kinder sollte man aber nicht unbedingt damit alleine lassen, da einige Szenen doch recht unheimlich und fast schon grausam zu nennen sind.

 

Alles in allem erweist sich „Coraline“ als kleiner aber feiner Hörgenuss für Jung und Alt, vor allem wenn man von unheimlichen Märchen mit skurrilen Gestalten nicht genug bekommen kann.

 

Eure Meinung:


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Hörbuch:

Coraline

Autor: Neil Gaiman

Übersetzerin: Cornelia Cruz Arnold

Sprecherin: Anna Thalbach

Umfang: 3 CDs

Laufzeit: ca. 212 Minuten

Silberfisch/Hörbuch Hamburg, Juli 2008

Empfohlenes Alter 10-12 Jahre

 

ISBN-10: 3867426643

ISBN-13: 978-3867426640

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 02.06.2019 11:30 | Users Online
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