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Coyote Ragtime Show, Vol.1

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Auf dem Planeten Coulon steht die totale Zerstörung von Graceland durch den Einsatz von Photonenbomben gegen Aufständische bevor. Das ruft einige Aktivitäten auf den Plan: Der Coyote Mister, die Polizistin Burns und die Gangsterin Marciano sorgen für viel Wirbel.

 

Dieses ist die erste von vier DVDs der Anime-Serie Coyote Ragtime Show. Sie enthält die Episoden 1 bis 3. Episode 1 Ausbruch: Angelica Burns, eine Ermittlerin der Integrationsbehörde, lässt sich von Chelsea, einer Beamtin der lokalen Polizei, durch die Wüste zum Gefängnis Sandvil fahren. Dort soll ein berüchtigter Verbrecher unter falschen Namen einsitzen, den sie seit Langem sucht – es handelt sich um den Coyoten Mister. Doch während sie noch damit beschäftigt ist, dem rechthaberischen Gefängnisdirektor die Lage zu erläutern geht eine Bombendrohung ein. Alles nur Bluff, meint der Direktor, doch er soll sich irren, denn nicht nur die Ermittlerin Burns will Mister in die Hände bekommen. Episode 2 Das Mädchen aus der Piratenküche: Mister kehrt mit seinen Gehilfen Bishop und Katana zurück – gerade rechtzeitig, denn in seiner Kneipe geht es zwischen den Piraten drunter und drüber. Nach dem Ende vom Hartleibigen Bruce und dem Verschwinden seiner Leutnants – zu denen Mister gehörte – war die Piratengemeinde führungslos. Noch während Mister Bruces Tochter Franka darzulegen versucht, dass er sich nicht bei ihr einzuschmeicheln wollte um an den Schatz zu kommen, schlägt die Killertruppe von Madame Marciano brutal zu. Episode 3 Der Mann, den man die rechte Hand nannte: Kugelgarben zischen am flüchtigen Mister vorbei: Das Killer-Schwadron von Madame Marciano ist ihm und seiner Truppe hart auf den Fersen. Was machen? In der Nähe lebt Prediger Gordon, der einst als Swamp Gordon die rechte Hand des Hartleibigen Bruce war. Einerseits hat er noch eine Rechnung mit Marciano offen und außerdem wird er gebraucht um an den Schatz zu kommen – andererseits hat er auch noch eine Rechnung mit Bishop offen und Mister konnte er nie ausstehen; wie wird er sich entscheiden?

 

In den Episoden wird zunächst einmal die Ausgangsituation und vor allem die Figurenkonstellation vorgestellt und dazu gibt es schon mal allerhand Action. Episode 1 lässt den Zuschauer erst einmal im Dunkeln tappen: Eine scharfe Polizistin mit einem Armvoll Waffen sucht einen Gefangenen. Es gibt ein kleines Zuständigkeiten-Geplänkel und dann geht’s los. Hier werden in erster Linie Angelica Burns und Chelsea und das Todesschwadron von Madame Marciano vorgestellt, eine kleinen Blick kann man aber auch schon auf Mister werfen. Die Episoden 2 und 3 hängen eng miteinander zusammen; tatsächlich endet die zweite mit einem Cliffhanger, an dem die dritte nahtlos anschließt. In diesen beiden Episoden werden vor allem die Coyoten vorgestellt und zusammengeführt, denn am Anfang gibt es noch einige Animositäten (die als Gefrotzel sicherlich bestehen bleiben). Unterbrochen wird dieses von lang anhaltenden Gefechten mit den Marciano-Killerinnen. Außerdem erfährt man, worum es in den folgenden Episoden gehen wird: um den Piratenschatz des Hartleibigen Bruce.

Als Spannungsquellen fungieren dann auch die vielen Kämpfe, Verfolgungsjagden und die skurrilen Figuren; außerdem gibt es noch ein wenig Humor (wie etwa die slapstickhafte Spass-Gewalt, wenn Angelica Burns einem nervigen Gefangenen die Zähne einschlägt). Bisher ist die Serie also ein Action-Film, der sich aus den Motiven der Piraten- und Gangstergeschichten bedient und diese in einem SF-Gewand kleidet.

 

Bei den Figuren handelt es sich bisher um flache Exzentriker, deren Entwicklung nur wenig Raum zugestanden wird. Die vielen auftretenden Figuren lassen sich grob in drei Fraktionen einteilen. 1. Die Coyoten. Hierbei handelt es sich um die Reste der Piraten-Bande des Hartleibigen Bruce. Der erste Mann ist Mister, ein grauhaariger Riese mit donnernder Stimme und brüllendem Lachen. Er ist nicht leicht einzuschätzen und scheint vor allem an finanziellem Gewinn interessiert zu sein, hat aber eine Schwäche für Schwache, denen er helfen will – er scheint eine Art moderner Robin Hood zu sein. Besonders die Tochter Bruces hat er in sein Herz geschlossen, versucht dieses aber hinter rauem Gehabe zu verstecken. Franka ist ein kleiner Rotschopf, der schon allerhand gesehen hat. Sie will niemandem zur Last fallen, was den Umgang mit ihr etwas schwierig macht. Bishop und Katana zänkeln ständig herum und sind auch sonst gegensätzliche Typen: Bishop, blond, ordentlich, korrekt mit Anzug, ist höflich und gebildet, Katana schwarzes Zauselhaar, leger und unkonventionell, ist geschickt im Umgang mit Fahrzeugen. Swamp Gordon war Misters Konkurrent; die Abneigung hält an. Nach Bruces Tod war der Schwarze Prediger geworden. 2. Die Criminal Guild. Dies ist eine Art Mafia, die vor Ort große Macht besitzt, allerlei illegale Geschäfte kontrolliert und Polizei etc. korrumpiert. Zentrale Figur wird die finstere Schönheit Madame Marciano. Eiskalt setzt sie auch die miesesten und brutalsten Mittel ein um ihre Ziele zu erreichen. In erster Linie stützt sie sich dabei auf ihre Töchter, die Zwölf Schrecklichen Schwestern. Dieses sind nach den Monaten benannte Killer-Roboter, die wie Schulmädchen aussehen – entweder wie harmlose Kinder oder wie kesse Bienen. Wenn sie nicht gerade mit ihren Mordswerkzeugen den Brutaltrupp geben, plappern sie über Kleider und Make-Up. 3. Die Polizei, genauer gesagt: die Integrationsbehörde. Das ist vor allem die schöne und akkurate Angelica Burns. Sie neigt zur Maßlosigkeit – ständig isst sie (zumeist doppelte Portionen) und befördert ein ansehnliches Waffenarsenal mit sich herum (dessen mächtige Wummen auf einen gewissen Penisneid schließen lassen) – und ist außerdem ungeduldig und aufbrausend. Ihre Motive liegen noch im Unklaren. Als Sidekick steht ihr die naive Chelsea zur Verfügung. Das niedliche ganguro-Girlie hat nicht nur große Brüste, sie setzt ihre Reize auch gewieft ein – "intelligente Titten", wie ihre Vorgesetzte befindet. Neben den genannten treten noch etliche weitere Nebenfiguren auf.

 

Die Serie spielt in der Zukunft, weitgehend auf dem Planeten Coulon. Der Schauplatz vermischt zahllose Elemente: Da gibt es unglaublich Effiziente Roboter, die äußerlich nicht von Menschen zu unterscheiden sind, dann aber mit ein H&K MP5 schießen (generell sehen die Schusswaffen wie reale, gegenwärtig verwendete Waffen aus). Es gibt anscheinend überlichtschnelle Raumschiffe (die allerdings bisher kaum eine Rolle spielen) und grob verklinkerte Piratenkaschemmen. Überhaupt gibt es viele visuelle Anspielungen: Die Wüste um das Gefängnis von Sandvil, die Uniformen der Wärter etc. erinnern an Dune, die Grunts der Criminal Guild erinnern an die Hauptstadtpolizei aus Jin-Roh und die Umgebung von Gordons Kirche an ein pastorales Frankreich a la Die drei Musketiere. Den Höhepunkt der Stil-Mixe gibt es beim ersten Auftritt Gordons selbst: Schwarze Soulsänger singen in einer alten europäisch anmutenden Kirche japanischen Pop.

Die Figuren sind in einem recht realistischen Stil gehalten, nur bei den Mädchen (Chelsea, Franka, die jüngeren der Zwölf Schwestern) wird auf das Kindchenschema zurückgegriffen; sonst werden keine der Anime-spezifischen Stilmittel verwendet. Die Darstellung der Gewalt schwankt zwischen spaßig und drastisch. Die Bilder sind klar und durchaus detailliert, meiner Ansicht nach aber etwas reizarm. Durch die vielen Pastelltöne erinnern sie an Aquarelle. Zuweilen (z. B. beim Raumschiff der Coyoten) wird CGI-Technik verwendet, was eventuell die Stimmigkeit stören kann. Die vielen anfänglichen Standbilder können ebenfalls irritierend wirken.

 

Als Bonusmaterial wartet die DVD nur mit einem auf dem Heimcomputer installierbaren Wallpaper auf. Doch was an Extras fehlt, weist der Silberling an Übersetzungen auf: Deutsch, Schwedisch und Polnisch gibt es als Untertitel und die Tonspur auf Deutsch (und selbstverständlich auch Japanisch). Die Trailer weiterer Animes von Anime Virtuals bilden den Abschluss.

 

Fazit:

Von der Polizistin Angelica Burns und dem Todesschwadron der Criminal Guild gehetzt, muss der Pirat Mister eine Truppe zusammenraufen um das Erbe des Hartleibigen Bruce antreten zu können. Coyote Ragtime Show ist ein schneller, leichter Actionstreifen, der sich vieler Motive der Piraten- und Gangsterfilme bedient und diese vor einem SF-Schauplatz in Szene setzt. Handwerklich ist der Anime durchaus gelungen, aber Action kann einen Plot nicht ersetzen; die Spannungskurve sollte schneller ansteigen.

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Coyote Ragtime Show. Vol. 1

Regisseur(e): Takuya Nonaka, Matsuri Ouse

Format: Dolby, HiFi Sound, PAL

Sprache: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Studio: AV Visionen GmbH

DVD-Erscheinungstermin: 23. Juli 2007

Spieldauer: 73 Minuten

ASIN: B000NVLHSK

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 19.12.2007, zuletzt aktualisiert: 19.11.2018 18:04