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Cthulhu Libria Neo 10 herausgegeben von Jörg Kleudgen

Reihe: Lovecrafts Schriften des Grauens Band 15

 

Rezension von Matthias Hofmann

 

Ich habe eine Schwäche für Sekundärliteratur aus den Genres Science Fiction, Fantasy und Fantastik und für Comics. Dies schließt auch eine Schwäche für Sekundärmagazine aus diesen Bereich mit ein. Anno 2020 gibt es ja nicht mehr viel auf dem Markt, schon gar nicht gedruckt.

 

Deshalb ist mein Interesse groß, wenn sich auf diesem Gebiet etwas Neues tut. So wie Ende des Jahres beim BLITZ-Verlag, der normalerweise Serien und Romane veröffentlicht, in dessen Programm sich ein Sekundärtitel geschlichen hat. Es handelt sich hierbei um Band 15 der Reihe Lovecrafts Schriften des Grauens, in der bislang »unheimliche« Romane oder Kurzgeschichtensammlungen von meist deutschen Autoren erschienen sind (erschienen ohne ISBN, Reihennummer 2115).

 

Bei diesem Taschenbuch handelt es sich um die neuste Inkarnation des Magazins Cthulhu Libria Neo. Bislang sind neun Nummern bei den Kleinverlagen Goblin-Press und Edition CL erschienen, herausgegeben von Jörg Kleudgen und Eric Hantsch, deren Umfang die 100 Seiten nicht überschritten hat. Die neue Inkarnation bei BLITZ kommt als kompaktes Taschenbuch daher und bringt eine Mischung aus Sekundär- und Primärbeiträgen, die zusätzlich illustriert sind.

 

Herausgeber Jörg Kleudgen gilt in der Phantastik-Szene als Macher, der seit vielen Jahren auch selbst Geschichten und Romane schreibt und darüber hinaus in einer Gothic-Rock-Band namens The House of Usher als Sänger aktiv ist. Wie der Name seiner Musikband, spiegelt auch das Magazin »Cthulhu Libria Neo« seine Vorliebe für klassische Fantastik im Stile von Edgar A. Poe oder H. P. Lovecraft wider.

 

Was gleich beim Aufschlagen des Buchs auffällt, ist die Abwesenheit eines Inhaltsverzeichnisses. Für ein Sekundärwerk jeglicher Art ist das ein absolutes No-Go, was in diesem Fall auch nicht als Anfängerfehler deklariert werden kann. Das Fehlen eines Inhaltsverzeichnisses macht es sehr schwer, einen bestimmten Beitrag zu finden und es entwertet die Funktion des Magazins als Nachschlagewerk in erheblichem Maße.

 

Schwerpunkt und Kern des Buches ist ein Artikel von Markus K. Korb mit dem Titel Zur Poe-Rezeption in der deutschen phantastischen Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Titel findet sich auf dem Titelbild, allerdings mit einem Tippfehler (»Jahrhundets«). Korbs Text, der fast 120 Seiten beansprucht, ist vor rund 20 (!) Jahren »als Studienarbeit« entstanden. Und das merkt man auch. Nicht, dass er besonders akademisch wäre, aber er besteht phasenweise aus einer Unmenge an Originalzitaten (allesamt durchgehend mit Großbuchstaben geschrieben), die das Lesen zu einer holprigen Angelegenheit macht. Den Aufsatz hätte man nach der Ausgrabung dieses »besonderen Schatzes« (O-Ton Kleudgen im Vorwort) lieber etwas überarbeitet und lesbarer gemacht.

 

Die »deutsche phantastische Literatur«, die Korb untersucht hat, besteht aus den Werken von gerade einmal drei Autoren: Hanns Heinz Ewers, Karl Hans Strobl und Alexander Moritz Frey. Das ist natürlich nicht sehr viel, und besonders bei Frey, einer der Unbekanntesten unter den unbekannt gebliebenen deutschen Schriftstellern, wirkt die Herleitung der Einflüsse Poes auch am konstruiertesten.

 

Desweiteren gibt es diverse Artikel und Buchrezensionen. Die Artikel drehen sich meist irgendwie um Poe. Am interessantesten ist der Beitrag von Nils Gampert und Axel Weiß über H.P. Lovecraft: Homes and Shrines of Poe. Hier wird auf den Spuren Lovecrafts die Lebensgeschichte des Altmeisters anhand seiner Wohnorte und Gedenkstätten nacherzählt. Zwar hat das Lovecraft, der ein großer Poe-Fan war, schon gemacht, aber es schadet nichts, wenn auch die Adepten von heute das Ganze für interessierte Leser erneut aufrollen.

 

Bei den Rezensionen am Endes des Bandes, deren Auswahl ziemlich arbiträr anmutet, wäre schön gewesen, hätten die Stammdaten auch zumindest das Erscheinungsjahr der rezensierten Bücher enthalten, sodass man sehen kann, wann diese erschienen ist.

 

Die Kurzgeschichten wirken dadurch, dass sie unmotiviert eingestreut werden, ohne zumindest eine Kurzbiografie der Autoren und eine Angabe über das Datum der Entstehung, eher wie Füllmaterial. Inhaltlich sind sie leider allesamt generisch. Der Eindruck, den sie machen, ist durchschnittlich. Eine Geschichte (… morgen tot! von E. L. Brecht und Jörg Kleudgen) ist dann auch noch eine Art Leseprobe (oder »exklusive Vorgeschichte«) für einen längeren Roman, der im BLITZ-Verlag erschienen ist. Bei zwei von Dreien hat der Herausgeber selbst mitgeschrieben. Da hätte ich mir mehr Mut bei der Auswahl gewünscht. So wirkt es, als hätte man da noch Texte aus der Schublade geholt, die schon einige Zeit dort schlummerten.

 

Unterm Strich bleibt der vage Eindruck einer »Übergangsnummer«, die mit Beiträgen älteren Datums gefüllt wurde. Allerdings ist »Cthulhu Libria Neo« in Taschenbuchform ein interessantes Konzept, welches Lust auf mehr macht. Es bleibt zu hoffen, dass der BLITZ-Verlag Durchhaltevermögen zeigt. Die nächste Nummer wird zeigen wohin der Weg geht.

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Eure Meinung:

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Magazin:

Cthulhu Libria Neo 10

Reihe: Lovecrafts Schriften des Grauens Band 15

Herausgeber: Jörg Kleudgen

Taschenbuch, 284 Seiten

BLITZ-Verlag, 2. November 2020

Titelillustration: Jörg Kleudgen

 

Sammlerausgabe erhältlich bei: Blitz-Verlag

 

Kindle-ASIN: B08KGW6Z6X

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Aus dem Inhalt:

  • Markus K. Korb: Zur Poe-Rezeption in der deutschen phantastischen Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts
  • Nils Gampert und Axel Weiß: H.P. Lovecraft: Homes and Shrines of Poe
  • E.L. Brecht und Jörg Kleudgen: … morgen tot!

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.11.2020, zuletzt aktualisiert: 13.01.2022 20:44