Cthulhu: The Cosmic Abyss
Rezension von Cronn
Endlich habe ich den Weg zur unterseeischen Bergbaustation gefunden! Entlang einer Gitterkonstruktion bin ich hinabgetaucht, habe Leuchtsignale daran entdeckt, denen ich folgen konnte und stieß sodann nach einer Engstelle im Gestein auf eine gewaltige Höhle, in der Andrew Marsh seine Drillstation einbauen ließ.
Mehrere Positionslichter machen mich darauf aufmerksam, dass sich dort der Eingang zur Schleuse befinden muss.
In meinem speziellen Dive-Suit schwimme ich darauf zu, drücke den Knopf an der Tür. Die Außenluke öffnet sich, ich schwimme in die Schleuse und drücke dort auf einen weiteren Schalter und sie schließt sich, gefolgt vom strudelnden Abpumpen des Wassers. Ich bin drin!
Die Innenluke öffnet sich mit einem Zischen. Dahinter erwartet mich ein Chaos aus Schläuchen, die auf dem Boden liegen, und einer merkwürdigen Substanz an den Wänden. Hier ist etwas mächtig schiefgegangen, das ist mir nun mehr als deutlich klar. Doch was genau, das soll ich hier im Auftrag der Regierung herausfinden.
Mein Name ist Noah, und ich bin okkulter Ermittler im Jahr 2057.
Cthulhu: The Cosmic Abyss heißt das neue Spiel vom französischen Entwickler Big Bad Wolf, das vom Publisher Nacron herausgegeben wird. Ihr letztes Spiel war Vampire – The Masquerade: Swansong, wofür sie von der Kritik gelobt wurden. Nun liegt mit »Cthulhu: The Cosmic Abyss« ihr neuestes Werk vor. Doch wie gelungen ist es geworden? Das soll die nachfolgende Rezension aufzeigen. Zunächst ein paar Worte zum Inhalt und Hintergrund von »Cthulhu: The Cosmic Abyss«.
»Cthulhu: The Cosmic Abyss« wird aus der Ego-Sicht gespielt, ist aber beileibe kein Egoshooter, sondern ein Adventure mit starkem Fokus auf Erkundung und Rätsel. Dem Ermittler Noah stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Er kann beispielsweise mit einem Sonar nach Dingen suchen. Dazu muss er aber vorher Elemente der Spielwelt gescannt haben, um die grundlegenden Daten für das Sonar zu erhalten. Die kann er dann im Sonar sogar miteinander kombinieren, um genauere Suchergebnisse zu erhalten. Beispielsweise ergeben »Titan« und »Außerirdisches Gewächs« ausschließlich Suchergebnisse in der Spielwelt, die beide Eigenschaften aufweisen.
Darüber hinaus besitzt Noah eine Art »Gedankenraum«, wo er Hinweise miteinander kombinieren kann. Das erinnert vom Prinzip her an die Sherlock Holmes-Spiele von Frogware, ist aber nicht so intuitiv.
Beides sind gut gemeinte Ideen, die dem Lovecraft-Horror ein gutes Stück Tiefe und Anspruch geben. Leider sind sie sperrig designt und arten oftmals in Scan- und Sucharbeit aus, was den Spielfluss lange unterbricht und das Game bürokratischer macht, als ihm gut tut.
In seinen besten Momenten läuft man durch unheimliche und groteske Umgebungen, immer auf der Suche nach Hinweisen. In den schlimmsten Momenten läuft man genervt umher und weiß nicht, wo man was suchen soll und wie man das kombinieren soll.
Zum Glück gibt es Eve, eine KI, die direkt in das Gehirn von Noah implementiert ist. Sie gibt auf unterschiedlichen Stufen Tipps an den Ermittler weiter, falls er mal feststeckt. Dennoch bleibt das Rätseln oft anstrengend und das Ermitteln im Gedankenraum ungelenk. Das ist schade, denn »Cthulhu: The Cosmic Abyss« will anspruchsvoll sein und Lovecraft-Horror neu denken, was man ihm zugute halten sollte.
Dazu gehört auch, dass es eine Art Trauma-Anzeige gibt, die den geistigen Zustand von Noah beeinflusst, wenn er zuviel kosmisches Grauen sieht und erlebt. Auch die Möglichkeit diese Anzeige zurückzudrehen, ist vorhanden.
Unter der Haube von »Cthulhu: The Cosmic Abyss« arbeitet die Unreal-Engine in ihrer neuesten Iteration, weshalb die Grafik gestochen scharf und detailliert wirkt. Die Grafikdesigner haben hier beste Arbeit geleistet. Das Spiel ist auch von der Beleuchtung her gut gelungen und unheimlich.
Der Sound macht ebenfalls eine gute Figur, sodass die Musik und der Sound die bedrückende Stimmung unter Wasser gut einfangen.
»Cthulhu: The Cosmic Abyss« macht vieles richtig, aber auch einiges falsch. Sehr gut gelungen ist die Atmosphäre. Das Spiel ist unheimlich, aber nicht auf plumpe Art. Auch die Narration ist gelungen. Die vielen Storyschnipsel wirken nie aufgesetzt, sondern lesen sich als wären sie von „echten“ Menschen verfasst worden.
Wo sich »Cthulhu: The Cosmic Abyss« selbst ein Bein stellt, ist beim Rätsel-Aspekt. Das Analysieren, Scannen, Kombinieren funktioniert nur im Prinzip problemlos. Im Spiel selbst hängt man immer wieder fest, versteht nicht, was oder wie der Gedankenraum zu konstruieren ist und welche Kombination im Sonar nun genau die wichtige ist. Die mühselige Absucherei der Räume reißt ebenfalls aus dem Spielfluss und der Atmosphäre.
Big Bad Wolf ist zu loben dafür, dass es Lovecraft-Horror wegbringt vom billigen Trash, den er oftmals ist und ihn ernst nimmt, ihn tiefgründig machen will und somit greifbarer, menschlicher. Nur ist es schade, dass das begraben ist unter Spielspaß und Spielfluss hemmenden Designentscheidungen.
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