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Daphne Byrne – Besessen

Reihe: Joe Hill präsentiert

 

Rezension von Christel Scheja

 

Joe Hill, der Sohn von Stephen King hat sich mittlerweile schon einen eigenen Namen als Autor von Horror-Romanen und Comics gemacht, so dass er jetzt auch ein gerne gesehener Herausgeber ist. So wird er Pate für junge Talente, die ihre ersten eigenen Werke präsentieren dürfen, so wie das Team um Laura Marks, das mit Daphne Byrne – Besessen einen spannenden Einstand liefert.

 

New York ist auch im Jahre 1886 schon ein hartes überaus Pflaster, bei dem der Tod des Ehemannes den sozialen Abstieg der Familie bedeuten kann. Während ihre Mutter vor der Wirklichkeit die Augen verschließt und sich an ein Medium wendet, um in spiritistischen Sitzungen mit dem Verstorbenen Kontakt aufzunehmen, spürt Daphne die Realität in vollem Maße, lassen sie die Mädchen in der Schule doch spüren, was sie von ihr halten. Außerdem ist da ein unheimlicher Junge, der sie seit einiger Zeit immer unverhohlener verfolgt, den aber nur sie sehen kann. Je mehr sie die Wahrsagerin enttarnen will, die ihre Mutter verführt, desto mehr gerät sie selbst in den Bann der Dunkelheit.

 

Wie so oft spiegeln Horrorgeschichten, die in dieser Epoche spielen gleichzeitig auch ein wenig die dunklen Seiten der damaligen Gesellschaft wieder. Dementsprechend sind die Farben auch bewusst ausgewählt, düster und schwer lasten sie auf dem Mädchen, dass durch die Trauer um den Vater offen für dunkle Einflüsterungen geworden ist.

Tatsächlich dringt das Böse schleichend in die Geschichte ein, wird aber schnell stärker. Die Künstlerinnen machen keinen Hehl daraus, dass das Mädchen, nun da es auch noch auf der Schwelle zur Frau steht, immer mehr in den Bann der Dunkelheit gerät, die Geister leicht Zugang zu ihr bekommen und sich selbst zu Taten hinreißen lässt, die man so nicht von ihr erwartet.

Während es zunächst nur Andeutungen und albtraumhafte Visionen sind, die vor allem für die Leser präsent sind, so wird es nach und nach immer mehr zur Gewissheit, das Daphne der Finsternis verfällt und das vielleicht nicht einmal freiwillig. Durch ihr Verhalten jedenfalls bringt sie sich immer mehr ins Abseits, so dass ihr am Ende nicht einmal mehr viel bleibt, wenn sie nicht aufpasst.

Wie so oft in der Reihe passt alles atmosphärisch zusammen, es mag zwar drastisch wirken, aber nichts ist daneben und die Spannung wächst von Seite zur Seite. Der Horror kommt richtig schön zur Geltung und spielt gekonnt mit dem Szenario, denn auch Zeit- und Lokalkolorit gehören mit dazu. Zart besaitete Gemüter sollten sich vielleicht schon überlegen, den Comic zu lesen, denn vieles ist auf den zweiten Blick härter und zynischer als gedacht.

 

Fazit:

Wer düsteren Horror mit dem Ambiente des ausgehenden 19. Jahrhunderts mag, sollte ruhig zu »Daphne Byrne – Besessen« aus der Reihe »Joe Hill präsentiert« greifen, denn die Geschichte bietet gleich auf mehreren Ebenen deftigen und vielschichtigen Grusel, der noch eine Weile nachwirkt.

 

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Comic:

Daphne Byrne - Besessen

Reihe: Joe Hill präsentiert

Original: Joe Hill presents: Daphne Byrne # 1-6, 2020

Autorin: Laura Marks

Zeichnerin und Tusche: Kelley Jones

Farbe: Michelle Madsen

Übersetzung: Gerlinde Althoff

Panini Verlag, 04/2021

Vollfarbiges Softcover, 164 Seiten

 

ISBN-10: 3741622478

ISBN-13: 978-3741622472

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 23.04.2021, zuletzt aktualisiert: 09.10.2022 15:00