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Darkness - Wettlauf mit der Zeit von Douglas Preston u. Lincoln Child

Rezension von Björn Backes

Lange Zeit haben Douglas Preston und Lincoln Child am ungleichen Gefecht der beiden Pendergast-Brüder Aloysius und Diogenes festgehalten und die Story über die letztlich veröffentlichte Trilogie (“Burn Case“, “Dark Secret“, “Maniac“) ziemlich weit ausgereizt. Mit dem Tod des finsteren Diogenes in der bis dato letzten Gemeinschaftsarbeit der beiden Autoren wurden nun aber endlich auch wieder die Weichen für einen unabhängigen Roman um den eigentlichen Protagonisten Aloysius geschaffen, der in seiner Funktion als intellektueller FBI-Agent vor eine neue, sehr heftige Aufgabe gestellt wird. Überproportioniertes literarisches Action Kino also? Ja, gewissermaßen schon. Doch was erwartet man von Child und Preston schon anders?

 

 

Inhalt:

Nach dem siegreichen, dennoch traurig geendeten Kampf gegen seinen Bruder und Erzfeind Diogenes, zieht es Aloysius in die Berglandschaft Tibets, wo er beabsichtigt, sich in einem Kloster der Meditation und der Suche nach dem eigenen Ich zu widmen. Doch in Gsahrig Chongg wird Pendergast allzu schnell wieder mit seiner beruflichen Bestimmung konfrontiert. Der ansässige Lama Thubten bittet ihn um Unterstützung, als das sagenumwobene Agozyen aus dem Kloster geraubt wird. Das kulturell so wichtige Relikt soll der Sage nach imstande sein, den Untergang der Welt zu initiieren, weshalb Pendergast trotz erster Vorbehalte keine andere Wahl bleibt als sich der Mission anzuschließen.

Aloysius’ Spur führt schnell nach London, wo der vermeintliche Dieb, der britische Bergsteiger Jordan Ambrose, sich aufhalten soll. Als Pendergast jedoch dort seine Leichte aufspürt, wird ihm erst bewusst, wie groß die gesamte Sache ist. Der unabhängige FBI-Mitarbeiter erfährt, dass sich das Agozyen auf dem neuen Kreuzfahrtschiff Britannic befinden soll, dessen Jungfernfahrt unmittelbar bevorsteht. Mit letzter Mühe ergattern Pendergast und seine Gefährtin Constance Green noch zwei Tickets für die Überfahrt nach New York, sehen sich aber direkt dem nächsten Unglück ausgesetzt. Die Schiffsbesatzung bläst zur Meuterei, und während der gewiefte Ermittler immer noch die Hoffnung hegt, das Artefakt an Bord des Schiffes sicherzustellen, droht vor dem Untergang der Welt der Untergang in den Fluten…

 

 

Rezension:

Mittlerweile macht es fast den Anschein, als sollte das Autorenduo Preston/Child mit dem Fortlauf der Pendergast-Serie mal eine kleine Pause einlegen. Und dies sollte nicht etwa geschehen, weil es den beiden Schreibern nicht mehr gelingt, spannungsvolle Thriller zu entwickeln und gerade für Pendergast-Neulinge wirklich feinen Mystery-Stoff zu konzipieren, sondern weil Ideengeber Preston sich in vielen Phasen seines aktuellen Romans wiederholt und prägnante Plot-Breaks in groben Zügen rezitiert. Auf der Haben-Seite stehen zwar auch in „Darkness“ unheimlich viele stark recherchierte Details (so zum Beispiel der Aufenthalt im tibetischen Kloster und die damit einhergehenden kulturellen Eigenheiten), doch beim Aufbau der Erzählung und der Verquickung der mystischen Fakten geht das Team mitunter schematisch vor und ordnet sich auch dieses Mal wieder einem strikten Leitfaden unter, der hin und wieder auch wieder etwas mehr Freiheit hätte vertragen können. Eine kreative Auszeit könnte also doch ganz reizvoll sein.

 

Dem entgegen ist das, was Preston/Child hier auftischen, grundsätzlich fabelhaft, mit einer immens starken Dynamik ausgezeichnet und mit zahlreichen inhaltlichen Höhepunkten versehen, die den Spannungslevel konstant hoch halten. Das Katz- und Maus-Spiel ist perfekt inszeniert, in eine unglaublich dichte Dramaturgie gepackt, insgesamt aber auch sehr angenehm eingerahmt worden, ohne direkt wieder ein Bombast-Spektakel mit aufgeblähten Schauplätzen aufzubauen. Hinzu kommt, dass das bis dato immer mal wieder auftauchende Stammpersonal der Pendergast-Schriftstücke größtenteils verbannt wurde und wenigstens hier auf einen Neustart gesetzt wurde, der nach der jüngsten Trilogie auch sicher nötig war, in der Grundkonzeption aber trotzdem nur an bestimmten Eckpunkten realisiert wurde. Doch der Grundriss bleibt ein bewährter, hier und dort zwar sehr individuell ausgeschmückt, an manchen Stellen aber leider auch mit einigen vorhersehbaren Anteilen gespickt. Genau dieser Aspekt macht die Sache trotz eines weitestgehend makellosen Skripts dann auch ein bisschen bedenklich.

 

Wer Pendergast jedoch mag und ihn auch durch die etwas schwereren letzten drei Bücher begleitet hat, wird mit „Darkness“ sicherlich eine Menge Spaß haben und sich auch über die wiederholten Abrisse bestimmte Strukturen nicht weiter aufregen. Sollte nach den berechtigt kritisierten letzten Werken jedoch erste Vorbehalte bestehen, werden sich diese auch nun nicht widerlegen lassen. Summa summarum ist das Ganze nämlich ein starker Thriller, der sich auf fest Verankertem stützt, aber die Innovationen gründlich scheut!

 

 

Fazit:

Im „Wettlauf mit der Zeit“ hätten sich Preston und Child selbige besser noch genommen, um mehr eigenständige Elemente in die Story zu bringen . Stattdessen basiert „Darkness“ auf einer Vielzahl bekannter Handlungsabläufe, die zwar insgesamt sehr gut und detailgerecht ausgemalt werden, aber nicht wirklich herausragen, um die guten Ansätze auch entsprechend brillant zu verkaufen. Doch wie schon mehrfach betont: Die Geschichte ist spannend und für Fans der Autoren eine gute Wahl!

 

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MEDIUM:

Darkness - Wettlauf mit der Zeit

Autor: Douglas Preston / Lincoln Child

Broschiert: 496 Seiten

Verlag: Droemer/Knaur (1. Dezember 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3426500310

ISBN-13: 978-3426500316

Originaltitel: The Wheel of Darkness

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.01.2010, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27