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Das 7. Opfer von Chris Simms

Rezension von Christel Scheja

 

Die meisten Kriminalromane beschäftigen sich mit der Aufklärung eines Verbrechens. Aus der Sicht der Ermittler werden der Hergang der Tat und die möglichen Motive, die den Mörder angetrieben haben, geschildert.

Nur selten macht sich der Autor auch die Mühe in seinem Buch gleichzeitig heraus zu finden, warum der Täter überhaupt in diese Lage getrieben wurde. „Das 7. Opfer“ von Chris Simmons ist ein solcher Fall.

 

John Spicer wird zu einem grausigen Tatort gerufen. Eine junge Frau liegt tot in ihrer Wohnung, grausam erstickt an einer Substanz, die ihre Kehle verstopft hat und in ihrer Konsistenz Kaugummi ähnelt.

Wieder einmal hat ein Serienkiller zugeschlagen, der seit einigen Wochen die Gegend unsicher macht. Bisher haben sie weder eine Spur noch irgend einen entscheidenden Hinweis auf seine Identität gefunden, so dass guter Rat teuer ist.

Deshalb hat der Kommissar eigentlich gar keine Zeit, sich um private Probleme zu kümmern, denn einer seiner Freunde, der Werbemanager Tom, scheint massive Eheprobleme zu haben und dadurch in eine nervliche Krise geraten zu sein.

Was John Spicer nicht weiß ist, das der Prozess, der den Mann verändert hat, schon viel früher anfing. Monate zuvor steht Tom vor der Entscheidung, seinen Job aufzugeben und mit dem bisher ersparten Geld auszusteigen und ein bescheidenes aber einfaches Leben zu führen, oder aber seine Karriere zu forcieren. Um seine Frau nicht zu verlieren, die nur das Geld und die dadurch bezahlbaren Vergnügungen sieht, entschließt er sich für letzteres.

Doch während eines Urlaubs auf den Seychellen verändert sich seine Psyche. Plötzlich kommt ein altes Trauma aus der Vergangenheit wieder hoch, in dem Kaugummi eine zentrale Rolle spielt. Die Entscheidung seiner Frau, das im Urlaub gezeugte Kind ohne sein Wissen abzutreiben gibt ihm und seinem Verstand den Rest. Tom beginnt Stimmen zu hören, die ihn dazu treiben, solche Sünden zu bestrafen. Zunächst an andren Frauen...

 

Als Leser weiß man damit quasi von Anfang an, wer der Täter ist und folgt fasziniert dem Abgleiten Toms in den Wahnsinn. Chris Simms ist es gelungen, den langsamen geistigen Verfall seines Antagonisten darzustellen - die schrittweisen Schübe in denen der Verstand immer mehr umnebelt wird. Dadurch wirkt der Roman allerdings mehr wie ein Drama um Liebe und Beziehungen.

Die Krimihandlung leidet ziemlich stark unter dieser Gewichtung und steht eher im Hintergrund, denn Jon Spicer tappt sehr lange im Dunkel und kommt erst zum Ende hin durch einen Zufall auf einen Hinweis, der ihm den Täter offenbart. Ähnlich einfach gestrickt wie die Handlung ist auch das Ende.

Auch die Charaktere können nicht in dem Maß überzeugen. Bis auf Tom bleiben alle Figuren recht blass und schablonenhaft, sie scheinen nur die Funktion zu erfüllen, den Wahnsinn voran zu treiben.

 

Zurück bleibt ein eher zwiespältiger Eindruck, da dich der Roman nicht so recht entscheiden will, ob er jetzt mehr Beziehungsdrama oder aber Krimi sein will. Man muss jedenfalls schon eine solche Mischung mögen um wirklich zufrieden mit dem Buch zu sein.

Eure Meinung:


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Das 7. Opfer

Autor: Chris Simms

broschiert, 430 Seiten

Knaur-Verlag, erschienen Juli 2007

ISBN 978-3-426-63340-3

Übersetzung aus dem Englischen von Silvia Visintini

Titelbild von buchcover.com

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.10.2007, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57