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Das abartige Artefakt von Christian von Aster

Reihe: Die große Erzferkelprophezeiung, Band 2

Rezension von Christel Scheja

 

Christian von Aster ist in der Szene durch seine eigenwilligen phantastischen Geschichten bekannt geworden, die die Klischees und Handlungsmuster des Genres nicht wirklich ernst genommen. Genau dieser Zug findet sich jetzt auch wieder in seiner Trilogie um „Die große Erzferkelprophezeihung“ wieder, in der er das Volk der Zwerge – seit dem Herrn der Ringe und den Romanen von Markus Heitz wohl die beliebteste Rasse neben den Elfen – ordentlich auf die Schippe nimmt.

Seine kleinen bärtigen Gesellen sind nicht nur trinkfest, kampfeslustig und ein wenig derb in ihren Manieren sondern noch ein wenig mehr.

 

In „Zwerg und Überzwerg“ kommt die große Erzferkelprophezeiung erst einmal zur Sprache. Ein Zwerg, der einen Bruder aus Versehen erschlägt setzt dabei eine Kette von Ereignissen in Gang, die dem Volk in seiner Gesamtheit vielleicht keinen Schaden zufügt, aber das Leben einiger sehr wichtigen Zwerge von Grund auf verändert.

Auch wenn man am Ende wieder zur Normalität zurückkehrt und glaubt, dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen zu haben, so ist doch nichts mehr so, wie es einmal war.

Der Große Verwalter hat Angst bekommen und beschließt seine Macht zu sichern. Da er nichts und niemandem mehr traut, gründet er einen Geheimdienst, um die Zwergenheit zu überwachen und sich aufrührerische Gedanken zutragen zu lassen, damit diese im Keim erstickt werden können. Und als er diesem nicht mehr traut, kommt eine zweite Organisation ins Spiel die nun ihrerseits den Geheimdienst überwacht und so fort. Zudem hat er heraus gefunden, dass die Götter, die sich nach den letzten Ereignissen zurückgezogen haben, offensichtlich wieder zu ihm sprechen – durch den Bierschaum, den eigens herangeschaffte Zwerge zu deuten haben.

Während der Große Verwalter immer mehr in seinem Verfolgungswahn versinkt, beginnt der ehemalige Hohepriester zu verzweifeln. Er kann und will nicht glauben, das er so alleine gelassen wurde und sucht nach der Zerstörung des alten Orakels einen neuen Weg, um mit dem Großen Schmied zu kommunizieren.

Als dies endlich nach vielen Gefahren gelingt und er die Stimme des obersten Gottes wieder vernimmt, macht sich jedoch Entsetzen in ihm breit. Denn die Botschaft ist mehr als erschütternd, treiben doch der Untrunkene und der Zwerg mit den Goldenen Zähnen, die in der Erzferkelprophezeiung erwähnt werden, noch immer unerkannt ihr Unwesen und die Weissagung ist noch in vollem Gang.

Das Unheil verzögern kann vielleicht nur ein Meisterdieb, der als einziger dazu fähig sein dürfte ein bestimmtes Artefakt zu beschaffen. Aber dieser sitzt in den tiefsten Kerkern des ehernen Imperiums und muss erst noch befreit werden, was sich als gar nicht so einfach erweist...

 

Wie auch schon im ersten Band nimmt sich Christian von Aster auch in „Das abartige Artefakt“ sehr viel Raum, um kleine aber witzige Details auszuarbeiten und dabei die typischen Zwergenklischees mit einem frechen Augenzwinkern auf den Kopf zu stellen.

Die Jungs – Zwergenfrauen sind ja ausgestorben, wie der Leser bereits weiß) sind nicht nur gesellig und gemütlich, sondern können auch ganz schön paranoid werden, wie sich an der Figur des Großen Verwalters zeigt, der aus den Ereignissen nichts gelernt hat sondern statt Reformen lieber auf Kontrolle und Überwachung der Aufsicht über seine Mitzwerge setzt. Deshalb haben es die eigentlichen Helden der Geschichte um so schwerer ihre Mission zu erfüllen, den Angst und Drohungen regieren die Welt im Berg nun.

Dazu verrennt sich der Herrscher auch noch in wahnwitzige Phantasien, wie man es durchaus von dem ein oder anderen Diktator kennt.

Die Handlung ist etwas komplexer geworden, da nun die wichtigsten Figuren eingeführt und die Gegebenheiten erklärt sind. Um so mehr kann sich der Autor jetzt auf die Verknüpfungen konzentrieren, was er auch ausgiebig tut.

Dementsprechend entwickelt sich die Geschichte anders als erwartet. Die meisten humorvollen Einlagen funktionieren und sind nicht nur billige Gags, denn der Autor legt sehr viel Wert auf Atmosphäre und Stimmigkeit. Jede Beschreibung passt, viele Bezeichnungen sind klug gewählt und lassen auch zwei Deutungen zu. Zudem geht er trotz aller Gemeinheiten sehr liebevoll mit seinen kleinen bärtigen Helden um.

 

Auch „Das abartige Artefakt“ kann als Parodie auf die klassischen Zwergenromane wieder auf ganzer Linie überzeugen, denn die schrägen Einfälle bieten ein wenig Abwechslung zu dem Klischees, die man schon kennt und machen den Roman zu einem unterhaltsamen Lesevergnügen.

 

Eure Meinung:

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Das abartige Artefakt

Reihe: Die große Erzferkelprophezeiung, Band 2

Autor: Christian von Aster

Taschenbuch mit Klappbroschur - 384 Seiten

Lyx, erschienen Oktober 2008

Titelbild von Ben McSweeney & Jorge Rodrigo

ISBN-10: 380258158X

ISBN-13: 978-3802581588

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.11.2008, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 08:34