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Das Amulett der Schlange von Kathleen Bryan

Reihe: Das magische Land, Band 2

Rezension von Christian Handel

 

Dass das Leben manchmal anderes mit einem vor hat als man selbst, hat die junge Herzogstochter Averil in „Der Orden der Rose“ am eigenen Leib erfahren müssen. Anstatt eine Priesterin der Insel zu werden, wie sie sich das erhofft hatte, musste sie ein schweres Erbe antreten: Nicht genug, dass sie nach dem Tod ihres Vaters Herzogin von Quitain geworden ist, die Kinderlosigkeit ihres Onkels macht sie gleichzeitig zur Thronerbin eines ganzen Königreichs. Als wäre dies nicht für eine junge Frau, die das Leben und die Ränkespiele bei Hof nicht seit Kindesbeinen an erlernt hat, beängstigend genug, ist es ausgerechnet eben jener Onkel, der ihr Feind ist. Denn der König ist den Verlockungen einer uralten, verbotenen Magie anheimgefallen. Um jeden Preis versucht er, die gefährliche Schlange zu erwecken, die vor Jahren von den Mächten des Guten gebannt wurde. Allein unter Fremden am königlichen Hof, weit entfernt von ihrem einzigen Freund und ihrer heimlichen wahren Liebe Gereint muss Averil nicht nur einen Weg finden, die Pläne ihres Onkels zu vereiteln, sondern auch noch innerhalb kürzester Zeit einen Ehemann finden, wie sie es dem König zur Rettung ihres Fürstentums versprochen hat.

 

Die amerikanische Schriftstellerin Kathleen Bryan – hinter der niemand anderes steckt als die renommierte Autorin Judith Tarr, die hier unter Pseudonym arbeitet – erzählt in „Das Amulett der Schlange“ zwar eine in den relevanten Punkten in sich abgeschlossene Geschichte innerhalb ihrer Trilogie un den Kampf der Anhänger der Großen Schlange und das Erwachsenwerden der Herzogin Averil und des Knappen Gereint. Leser jedoch, die den Vorgängerband („Der Orden der Rose“) nicht kennen, dürften sich mit der Lektüre etwas schwer tun. Zum einen liegt das daran, dass das Konzept der Magie in den Büchern zwar nicht uninteressant, aber auch recht kompliziert ist – zumal es mehr als eine Form der Zauberei gibt. Die wichtigsten Dinge streift Bryan zwar knapp im Verlauf der Handlung, erläutert sie jedoch nicht grundlegend, so dass sich der eine oder andere detailverliebte Leser etwas ratlos fühlen dürfte. Zum anderen erweisen sich Averil und Gereint zwar ein weiteres Mal als Sympathieträger, wer die beiden aus dem ersten Teil jedoch nicht kennt, dem gelingt es nur mühevoll, eine emotionale Beziehung zu ihnen aufzubauen, weil die innere Entwicklung, die die beiden durchmachen, in diesem Band nicht wirklich weltbewegend ist.

Das erweist sich schließlich als große Schwäche des Romans: Die Charaktere erscheinen zu distanziert und halten jene Leser, die bereits viele Fantasy-Romane verschlungen haben, nicht bei der Stange. Bryan hat viele gute Ideen, ihre Handlung ist nicht spannungsarm – und dennoch will sie nicht so recht in ihren Bann ziehen. Vielleicht passiert auf den nicht mal 300 Seiten einfach zu viel, ohne in die Tiefe zu gehen und ohne dass man den Bezug zu den Figuren findet. Averil lernt neue Freundinnen kennen, wird verführt, entdeckt Geheimnisse, flieht, lernt weitere Leute kennen, erfährt dunkle, verborgene Wahrheiten hinter uralten Mysterien – und trotzdem fesselt die Handlung erfahrene Leser nicht. Viele Plotelemente, wie etwa die wahre Gesinnung des Neffen der Königin von Prydain, werden angerissen, aber nicht ausgespielt oder gar gelöst. Das vermittelt ein leicht unbefriedigendes Gefühl.

 

Schade ist das vor allem, weil die Geschichte – wenn sie auch aus diversen Standard-Fantasy-Versatzstücken zusammengeschustert wurde – durchaus ihren Reiz haben könnte und Bryan/Tarr auch einen schönen Schreibstil hat. Mit dem Mysterium um Melusine oder Averils Gewissenskonflikt – die Welt, deren Erschaffung sie mit allen Mitteln zu verhindern sucht, ist eine Welt, in der sie viel eher glücklich werden könnte als in der, für deren Erhaltung sie kämpft – beweißt die Autorin, dass sie durchaus nicht an Schwarz-Weiß-Malereien interessiert ist und packende Ideen hatte. Ihre Reiche sowie das komplexe Magie-System sprechen dafür, dass sie sich beim Worldbuilding viel Mühe gegeben hat. Schlussendlich reicht das jedoch bei diesem zweiten Band nicht aus, die Veröffentlichung des noch kommenden dritten Teils der Trilogie mit Ungeduld zu erwarten. Junge Leser, die das Fantasygenre noch nicht ausgiebig erkundigt haben, dürften allerdings durchaus Freude an diesem romantischen Fantasy-Roman finden.

 

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Das Amulett der Schlange

Reihe: Das magische Land, Band 2

Autor: Kathleen Bryan

Übersetzung: Inge Wehrmann

Originaltitel: The Golden Rose

Verlag: Goldmann Fantasy, 9/2008

Aufmachung: Taschenbuch, 285 Seiten

ISBN: 9-783-442-46588-0

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.10.2008, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13