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Das Auge des Golem von Jonathan Stroud

Reihe: Bartimäus Trilogie Band 2

Rezension von Carina Schöning

 

Mit „Bartimäus – Das Auge des Golem“ liegt nun endlich auch der Mittelteil der spannenden Fantasy-Trilogie von Jonathan Stroud als preisgünstige Taschenbuch-Ausgabe vor. Der widerspenstige und sarkastische Dschinn muss auch hier wieder einmal dem jungen Zauberer Nathanael aus der Patsche helfen und sorgt dabei natürlich für jede Menge Chaos.

 

Fast drei Jahre sind nach dem Vorfall mit dem Zauberer Lovelace und den geplanten Anschlag auf den Premierminister Devereaux vergangen. Der ehemalige Zauberlehrling Nathanael hat sich zu einem angesehenen Magier gemausert und unterstützt unter dem Decknamen John Mandrake die Sicherheitsministerin Jessica Whittwell bei ihrer Arbeit. Seit einiger Zeit randaliert wieder aktiv der Widerstand in London. Die gewöhnlichen Bürger fordern mehr Rechte und eine kleine Gruppe bricht immer wieder in die Häuser ehrbarer Magier ein und stiehlt ihnen wertvolle Artefakte und Zaubergegenstände. Hinzu kommt, dass immer wieder ein seltsames Wesen die Stadt verwüstet. Der ehrgeizige Nathanael sieht nur einen Ausweg dem regierenden Premierminister Devereaux seine Fähigkeiten in diesem Chaos zu beweisen. Obwohl er damals geschworen hat niemals wieder den eigensinnigen Dschinn Bartimäus zu rufen, braucht er nun seine Hilfe dringender denn je. Natürlich ist der über seine neue Aufgabe und den naiven Meister nicht gerade erfreut. Mit einer kleinen Lüge gelingt es Nathanael dennoch ihn zur Mithilfe zu überzeugen. Zusammen reisen sie in das düstere Prag, um die Spur von den Verschwörern aufzunehmen.

 

Währenddessen verfolgt die junge Kathleen Jones, auch Kitty genannt, ihre eigenen Pläne. Seit sie bei einem Unfall entdeckt hat, dass sie gegen gewisse Magie immun ist, unterstützt sie aktiv die Widerstandgruppe des Händlers Pennyfeather. Jedes der Mitglieder hat schon am eigenen Leib erfahren, was für Rechte und Privilegien sich die angesehenen Zauberer und Magier herausnehmen. Mit kleineren Beutezügen und Einbrüchen versuchen sie stetig gegen die Oberschicht anzukämpfen. Der Angriff des Golems kommt daher scheinbar wie gerufen.

 

„Bartimäus – Das Auge des Golem“ ist wie der Vorgänger „Bartimäus – Das Amulett von Samarkand“ ein gelungener Mix aus Magie, Action und Humor. Der kurzweilige Roman ist für Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene gleichermaßen interessant, denn während erstere mit Kitty und Nathanael zwei starke und doch widersprüchliche Identifikationsfiguren bekommen, finden letztere sicherlich Gefallen an den sarkastischen und ironischen Kommentaren des eigenwilligen Dschinns.

Zwischen den Zeilen gelesen, ist der Roman auch wesentlich ernsthafter und düsterer als es auf den ersten Blick erscheint. Die Handlung spielt in einem alternativen, viktorianischen England, wo die magiebegabten Zauberer Politik und Gesellschaft beherrschen. Die „Gewöhnlichen“ werden von ihnen nach Gutdünken behandelt. Sie können willkürlich eingesperrt und misshandelt werden und sogar vor Gericht hat deren Wort weniger Wert als das ihrer Zaubererkollegen. Durch die neue Hauptfigur Kitty, die im ersten Teil nur eine Nebenfigur war, lernt man als Leser nun auch die andere Seite der Medaille kennen. Währenddessen hat der ehemalige Zauberlehrling Nathanael weiter an seinen schlechten Eigenheiten gearbeitet. Durch die Beförderung und der damit verbundenen größeren Aufmerksamkeit von seinen Vorgesetzten und Kollegen ist der ehrgeizige Jugendliche noch etwas arroganter und eingebildeter geworden. Natürlich hält sich Bartimäus daher nicht mit humorvollen, manchmal auch eher bösen Seitenhieben und Anspielungen zurück. Kapitelweise wechselt der englische Autor zwischen den drei Figuren und sorgt so zusätzlich für Abwechslung und Spannung. Die Handlung an sich ist dabei gut durchdacht und bietet einige interessante Überraschungen. Auch ohne das Vorwissen des ersten Teils ist der Roman leicht lesbar und verständlich. Kenner und Fans können sich jedoch über das Wiedersehen mit einigen alten Bekannten freuen.

 

Insgesamt ist „Bartimäus – Das Auge des Golem“ eine gelungene Fortsetzung. Der spannende Fantasyroman kann mit Action und Humor überzeugen und bietet für ältere Leser auch einen ernsthaften Unterton und sozialkritische Ansätze. Obwohl der Roman einen kleinen Tick schlechter ist als der Vorgänger, bietet er beste Unterhaltung an kalten Winterabenden.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Das Auge des Golem

Reihe: Bartimäus Trilogie Band 2

Autor: Jonathan Stroud

Original: The Bartimaeus Trilogy – The Golem´s Eye, 2004

ÜbersetzerInnen: Katharina Orgaß und Gerald Jung

Blanvalet Verlag, 2008

Taschenbuch, 670 Seiten

 

ISBN 978-3-442-37003-0

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 03.12.2008, zuletzt aktualisiert: 03.01.2020 12:37