Sharon Bolton ist eine bekannte britische Thrillerautorin, die auch schon so manchen Preis eingeheimst hat und von ihrer Schauspielausbildung profitiert. Neben zwei recht erfolgreichen Reihen hat sie auch jede Menge Einzelbände geschrieben. Ihr neuster Streich ist Das Böse nebenan.
Anna Brown wünscht nicht weniger als einen Neuanfang, um die traumatischen Ereignisse zu vergessen, die ihr nur ein Jahr früher durch das Wirken ihres Stiefsohnes zugefügt wurden. Deshalb zieht sie auch in das beschauliche Städtchen St. Abel‘s Church. Doch wie so oft ist der Schein trügerisch.
Nicht nur, das eine seltsame Sekte ihr Unwesen treibt, in der letzten Zeit sind auch mehrere junge Mädchen spurlos verschwunden. Und nun bittet sie ausgerechnet eine junge Frau im gleichen Alter wie die anderen, ihr zu helfen. Anna beginnt genauer hinzusehen und stellt schnell fest, dass unter der Oberfläche viel mehr schlummert als gedacht und viele etwas zu verbergen haben.
Eines muss man Sharon Bolton lassen, sie weiß ihre Leser hinters Licht zu führen. Das fängt schon damit an, dass die Geschichte nicht aus der Sicht von Anna selbst erzählt wird, sondern aus der eines sehr eigenbrödlerischen Nachbarn, über den man erst einmal nichts weiß – nicht einmal ob es ein Er oder eine Sie ist.
Dann gibt es auch noch Einschübe, die ein Jahr früher spielen und erst einmal nicht viel mit allem zu tun zu haben scheinen, denn erst nach und nach knüpft sie die entsprechenden Verbindungen. Das ganze könnte cozy wirken, ist es aber nicht, denn der Ich-Erzähler hat eine sehr eigene und erstaunlich gruslige Sicht auf die Dinge.
Es mag zunächst nicht viel passieren, aber die Stimmung bleibt erstaunlich hoch, denn es gibt immer wieder fiese kleine Wendungen, die die Ereignisse in einem anderen Licht erscheinen lassen und neue Täter in den Raum werfen. Tatsächlich sind die zentralen Figuren mit allerlei Geheimnissen versehen.
Und auch das bitterböse Ende passt zum Buch, rundet die makaberer Stimmung ab, die im letzten Drittel entstanden ist. Der Leser bleibt zufrieden zurück, denn die Handlung fühlt sich ausgesprochen rund an. Moralisch mag das ganze vielleicht nicht gerade sein, aber auf der anderen Seite hat man die Figuren gut genug kennen gelernt, um sie schätzen zu können.