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Das Buch der Elfen und Feen von Ditte und Giovanni Bandini

Rezension von Peter Singewald

 

Es gibt viele Bücher, die sich unter den verschiedensten Ansätzen mit übernatürlichen Wesen beschäftigen. Es gibt Lexika über den Aberglauben insgesamt oder auch nur über einzelne Wesen wie Drachen, Feen, Mythen u.v.m. Ernstzunehmende wissenschaftliche Texte beschäftigen sich mit der historischen, psychologischen oder auch legendären Herkunft der Fabelwesen. Meist weniger ernstzunehmende versuchen die Feen in der heutigen Welt nachzuweisen. Und daneben gibt es eine Unzahl an Sammelbänden mit Geschichten über oder mit Fabelwesen.

„Das Buch der Elfen und Feen“ nun weiß leider nicht genau, zu welcher Kategorie es sich zählen soll. Wohl etwas mehr als die Hälfte des Buches besteht aus Elfen/ Feen-Geschichten, kleinen Gedichten oder Zusammenfassungen einzelner Geschichten. Das wäre an sich noch nichts schlechtes, da die Geschichten das eigentliche Quellenmaterial sind, auf dem jede Untersuchung über Feen und Elfen aufbauen muss, wenn nicht die Freude an den Geschichten etwas überhand nehmen würde, so dass viel unkommentiert bleibt bzw. die Länge des „Zitats“ im Unverhältnis zu den daraus gezogenen Schlüssen stehen würde.

Dabei ist der Ansatz des Buches durchaus ehrenwert, geht es doch darum, den vielen, besonders im Internet herumgeisternden Feengeschichten eine Grundlage im historischen Feenglauben zu liefern.

Daher macht es Sinn, kurz über die Kategorisierung von Feen bzw. Elfen und Elben zu sprechen, Beispiele, Glaube und Historien anzuführen und sich in alle Richtungen mit dem Thema zu befassen. Leider ist das „in alle Richtungen“ das zweite große Problem des Buchs. Denn es werden nicht nur europäische Elfen/ Feen besprochen, sondern auch Djinni, griechische Naturgeister und auch Geister des Himalaja. Ihre Verwandtschaft mit den europäischen Feen/ Elfen ist gewiss gegeben, dabei wird allerdings vielleicht ein wenig übersehen, dass man das Buch dann eher unter den Oberbegriff „Naturgeister“ hätte stellen müsse, als Feen und Elfen zu bemühen, denn letztere sind doch wohl eher eine Unterkategorie der ersten. Und so wird das Buch in Kapitel eingeteilt, die mal nach Eigenarten, mal nach einer bestimmten Fee/ Elfe und auch mal nach bestimmten Auffassungen von Feen in bestimmten Epochen gegliedert sind. Dabei werden die Gemeinsamkeiten von verschiedenen „Feengruppen“ herausgestellt, ihre Unterschiede jedoch geflissentlich übergangen, so dass man leicht den Eindruck gewinnt, Djinni hätten eine ähnlich geartete Gesellschaft, wie die irischen Sidhe. Auf die gleiche Weise werden die Unterschiede zwischen den Volksglauben verschiedener Epochen zwar angesprochen aber am Ende doch ignoriert. So kann man Frau Holle gewiss als Naturgeist und mit etwas großmütiger Interpretation als Fee betrachten, aber man sollte dabei vielleicht auch berücksichtigen, dass gerade solche starken, oft weit verbreiteten Geister früher einmal mehr waren (bis hin zu lokalen Gottheiten).

Andererseits werden Feen und Elfen zusammengefasst, „Zwerge“ jedoch für ein weiteres Buch aufgehoben, wobei nicht klar wird, wann ein Naturgeist eine Fee oder ein Zwerg ist (an Größe, Wohnort oder Lebenseinstellung scheint es zumindest nicht zu liegen). Der einzige Grund für diese Trennung scheint darin zu liegen, dass das Buch auch die Rollenspieler und Tolkienfans ansprechen will, die von jeher die beiden Gruppen unterscheiden.

 

Das dritte Problem des Buches ist schließlich die Sprache. Da es sich nicht um ein wissenschaftliches Buch handelt kann man natürlich auch nicht den Maßstab einer wissenschaftlichen Publikation ansetzen. Aber es besteht trotzdem noch ein Unterschied zwischen lockerer Sprache und dem, wie man sich in Foren unterhält. Und Sätze wie:

 

„Hm! Man tut, denken wir, besser daran, sich auf solche und andere Deutungen nicht einzulassen und einfach festzustellen, dass die Nixen weltweit mit diesen Attributen versehen wurden und werden […] – und Punkt!“

 

sind nicht locker, sondern einfach unangemessen für ein Buch, das ernst genommen werden will.

 

Positiv ist anzumerken, dass Ditte und Giovanni Bandini sich wirklich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt haben, wie man an den angeführten Quellen und auch am Text selbst merken kann. Was sie schreiben, hat Hand und Fuß, wenn man am Ende auch nicht weiß, was nun Hand, und was Fuß ist. Denn was soll man von einem Buch halten, das einerseits Anfangs betont, Augenzeugenberichte ohne jegliche Wertung wider geben zu wollen, später aber bei Augenzeugenberichten ihrer eigenen Bekannten deren Vertrauenswürdigkeit betont.

 

So ist „Das Buch der Elfen und Feen“ ein reiche Sammlung an Feenwissen, welche leider am eigenen Anspruch scheitert. Es ist interessant, darin zu lesen, um das Wissen jedoch herauszuholen, ist es zu verworren, unübersichtlich und gleichmachend.

 

Eure Meinung:


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Buch:

Das Buch der Elfen und Feen

Autor: Ditte und Giovanni Bandini

Broschiert - 280 Seiten - Dtv

Erscheinungsdatum: November 2003

ISBN: 3423243856

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 18.08.2005, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13