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Das Buch der Illusionen von Paul Auster

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Professor Zimmer, bekannt aus Mond über Manhattan, ist ein gebrochener Mann, seit seine Frau und seine Kinder bei einem Flugzeugabsturz starben. Nur die Arbeit an einem Buch über einen 1929 verschollenen Stummfilmkomiker namens Hector Mann erhält ihn am Leben. Dann geschieht Seltsames: Manns verloren geglaubte Filme tauchen auf. Und eines Abends steht eine attraktive Blondine mit einem Revolver vor Zimmers Haustür.

 

Rezension:

Aus der tiefen Depression nach dem Tod seiner Frau und seiner Kinder bei einem Flugzeugabsturz rettet den Literaturdozenten David Zimmer die intensive Arbeit an einem Buch über den Stummfilmkomiker und Regisseur Hector Mann. Nach nur zwölf Kurzfilmen die er in zehn Monaten 1929 drehte, verschwand Mann spurlos. Ein Unbekannter hatte gerade erst Kopien der verschollen geglaubten Filme an Archive auf der ganzen Welt gesandt. Zimmer besucht diese Filmarchive und analysiert sie für das Buch. Dabei muss er auch natürlich auch Fliegen und das gelingt ihm nur mit Hilfe starker Drogen. Drei Monate nach der Veröffentlichung des Buches erhält er einen Brief: Der verschwundene Hector Mann möchte ihn sehen. Doch Zimmer ist skeptisch und verlangt Erklärungen, die zunächst ausbleiben. Doch dann taucht Alma bei ihm auf und will ihn mit Gewalt dazu zwingen, ihr zu Mann zu begleiten …

 

Paul Austers Roman Das Buch der Illusionen befasst sich über mehrere Handlungsebenen mit der Verarbeitung eines Traumas. Natürlich zentral der Flugzeugabsturz durch den zimmer von heut auf morgen brutal aus seinem Lebensweg gerissen wird. Er verliert dabei einen Teil seiner Persönlichkeit, den er zunächst nicht wiederherstellen kann. Seine Neugier auf Hector Mann, dessen Verschwinden ebenso reizvoll ist wie seine Art des Filmemachens erwächst aus dem unbeschädigten Teil Zimmers, seine wissenschaftliche Arbeit, auch wenn er bis dahin mit film wenig zu tun hatte. Aber das verbissene Arbeiten füllt ihn so aus, dass er die klaffende Wunde ignorieren kann.

Und dann tritt Alma in sein Leben, brutal, exzessiv und bringt ihm einen Teil des Fehlenden zurück. Dass sich Almas Leben aus dem Trauma Hector Manns ergibt, ist eine wunderbare Spiegelung. Oder andersherum, David Zimmers Beschäftigung mit Mann wird zu einer Reflektion von dessen Weg aus der Krise.

Auster serviert uns die Lebensgeschichte Manns stets aus dem persönlichen Blickwinkel einer anderen Figur. Zunächst ist da die Recherchearbeit Davis Zimmers. Ganze Filmszenen erleben wir in der Beschreibung des konzentriert Arbeitenden. Auster zelebriert seinen fiktiven Stummfilmhelden. Unzählige Details aus Zimmers Buch belegen ein schillerndes Künstlerleben und eine große, ja geniale Kinolegende, die abrupt endet und vergessen wird.

Und dann erzählt Alma auf der Reise mit David Zimmer zu Mann den ganzen Rest aus ihrer liebevollen Sichtweise einer jungen Frau, die mit Mann und seiner Arbeit von Kindheit an vertraut ist. Diese versteckte Welt des geheimen Zufluchtsortes wird zu einem Paradies, dessen jüngste Blüte die Liebe von Alma und David ist.

Doch Auster legt in die schwierigen Leben seiner Figuren Katastrophe um Katastrophe, fast scheint es, als schreibt er mit aller Macht gegen ein langweiliges Happyend an.

 

Am Ende wälzt sich ein Sturm durch die Trauer des David Zimmers, der ein Überleben ermöglicht, trotz des Geschehenen. »Das Buch der Illusionen« ist auch ein Buch über Liebe und wie sie verletzt, wie sie heilt und wie sie das Verschwinden besiegt.

 

Fazit:

»Das Buch der Illusionen« von Paul Auster leistet nur oberflächlich Trauerarbeit. Unter der Oberfläche pulsiert das menschliche Drama und ein zähes, leidenschaftliches Ringen, darin nicht unterzugehen.

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Eure Meinung:

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Buch:

Das Buch der Illusionen

Original: The Book of Illusions, 2002

Autor: Paul Auster

Übersetzer: Werner Schmitz

Taschenbuch: 383 Seiten

Rowohlt, 1. Oktober 2003

Cover: Cathrin Günther

 

ISBN-10: 3499235269

ISBN-13: 978-3499235269

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B004WOX45S

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.10.2018, zuletzt aktualisiert: 27.10.2020 19:20