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Das Buch der verlorenen Dinge von John Connolly

Rezension von Carina Schöning

 

„Das Buch der verlorenen Dinge“ ist der erste Fantasy Roman des irischen Autoren John Connolly, der in Deutschland vor allem durch seine spannenden Thriller um den New Yorker Detektiv Charles „Bird“ Parker bekannt geworden ist.

 

Der zwölfjährige David verkriecht sich nach dem absehbaren Tod seiner krebskranken Mutter immer mehr in seine geliebten Bücher. Auch für seinen Vater war der Verlust schwer, doch im Sterbehospiz lernte er die fürsorgliche Rose kennen und später auch lieben. Für David ist sie jedoch nur die böse Stiefmutter und auch seinen kleinen Halbbruder Georgie kann er nicht wirklich leiden.

London steht kurz vor der Bombardierung der Deutschen und Davids Familie beschließt aufs Land zu fliehen. Dort hat Rose ein eigenes Haus mit viel Platz und großen Garten geerbt. David bekommt sogar sein eigenes Zimmer, wo auch noch einige alte Bücher von Roses Verwandten stehen. Doch er kann sich nicht wirklich freuen und blickt immer neidischer auf seinen kleinen Halbbruder hinab. Zusätzlich leidet er seit dem Tod seiner richtigen Mutter an seltsamen Wachträumen und Ohnmachtsanfällen. Er hört die unterschiedlichen Bücher in seinem Zimmer miteinander flüstern und beobachtet wie ein komischer Mann mit Buckel in seinen Sachen rumschnüffelt.

 

Nach einem weiteren Streit mit seiner Stiefmutter schleicht er sich nachts in Schlafanzug und Pantoffeln nach draußen in den Garten. Durch ein magisches Tor landet er mitten in einen tiefen Wald. Plötzlich hört er Wolfsgeheul und ihm wird bewusst, dass er ganz alleine ist. Ein namenloser Förster rettet ihn vor den komischen Wölfen in Menschenkleider und gibt ihm Essen und Trinken. Zusammen mit dem Förster will David zu dem König dieses seltsamen Märchenlandes gehen. Angeblich hat dieser ein magisches Zauberbuch, das nur „Das Buch der verlorenen Dinge“ genannt wird und mit ihm findet David vielleicht einen Weg zurück nach Hause? Doch der gemeine Trickser hat schon seine Fährte aufgenommen und verfolgt die beiden auf ihrer Reise. Genauso wie die menschenfressenden Loups hat er ganz eigene Pläne mit dem aufgeweckten und intelligenten Jungen.

 

„Das Buch der verlorenen Dinge“ fängt anfangs als klassische Abenteuergeschichte an. Wie auch „Alice im Wunderland“ stolpert der junge David in das Märchenland seiner eigenen Fantasie und trifft auf die unterschiedlichsten Figuren. Vordergründig verhalten sie sich wie in den bekannten Märchen und Sagen, doch meistens steckt eine ganz andere Wahrheit dahinter. So präsentiert uns der irische Autor seine eigene dunkle Interpretation mit viel Humor und teilweise auch recht deftig und böse. Dabei muss sich David scheinbar unlösbare Aufgaben stellen und wird im Laufe der abwechslungsreichen Handlung langsam erwachsen.

Kommunistische Zwerge, die auf Kapitalistenschweine schimpfen und das dicke Schneewittchen durch einen gerichtlichen Beschluss versorgen müssen, Rotkäppchen, die freiwillig Sex mit dem bösen Wolf hatte oder auch Dornröschen, die ihren potenziellen Helden im Dornenschloss die Lebensenergie absaugt. Zusätzlich erzählen die einzelnen Begleiter von David wie der namenlose Förster oder der homosexuelle Ritter Roland auch noch eigene Geschichten und Anekdoten aus dem bösen Märchenland. Das Ganze ist stimmig ineinander gefügt und überrascht mit vielen Wendungen. Natürlich wird dabei die Moral nicht vergessen und zwischen den Zeilen gelesen, wirkt der Roman doch sehr reif und gut konstruiert. Gerade der bittersüße Schluss ist hervorragend gelungen.

Durch den jungen Protagonisten, Covergestaltung und auch den betont kindlichen Erzählstil wirkt der Roman anfangs wie ein gewöhnliches Jugendbuch. Aber besonders empfindliche oder junge Leser sollten die Finger von dem Roman lassen, denn der Gewaltfaktor ist hier recht hoch und abgerissene Köpfe, ausgeweidete Soldaten und allerlei bunte Verstümmelungen sind nicht jedermanns Geschmack.

 

Insgesamt ist „Das Buch der verlorenen Dinge“ nicht nur ein schöner Roman über das Erwachsenwerden und den Sinn des Lebens sondern auch über die Liebe zu Büchern. Dazu sind einige Märchen-Interpretationen wirklich witzig und originell.

 

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Buch:

Das Buch der verlorenen Dinge

Autor: John Connolly

Original: The Book of Lost Things, 2006

Übersetzer: Claudia Feldmann

List Verlag, 2008

gebunden, 331 Seiten

 

ISBN 978-347-130-0053

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.11.2008, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13