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Das erste Horn von Richard Schwartz

Reihe: Das Geheimnis von Askir, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Inzwischen hat auch der Piper-Verlag nach der Übernahme der Fantasy-Reihe von Heyne seine Linie gefunden. Zwar setzt man immer noch auf die erfolgreichen Autoren und Konzepte, aber auch der Trend, sein Programm mit einem starken Anteil an deutschen Autoren zu gestalten wird fortgesetzt. Debütierte im Frühjahr Heike Solveig Göttner mit ihrer Saga um die Insel der Stürme, so ist diesmal Richard Schwartz an der Reihe, der die Leser an „Das Geheimnis von Askir“ heranführen wird...

 

In einem Gasthof im hohen Norden treffen sie aufeinander. Havald, ein alter Krieger, der seine Ruhe sucht, sie aber durch einen Fluch nicht finden kann, und Leandra, die stolze und gerechtigkeitsliebende Halbelfe mit der machtvollen Seelenklinge Steinherz.

Zusammen mit den anderen Gästen zu denen eine Dunkelelfe, eine Gruppe wilder Briganten und ein zwielichtiger Baron mit seinem Gefolge gehören, werden sie durch ein Unwetter eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten.

Havald befürchtet schon, dass es durch die quälende Langeweile auf unbestimmte Zeit zu Streit und gewaltsamen Übergriffen kommen könnte, da er den Briganten nicht besonders traut, die keinen Hehl aus ihrer Gesetzlosigkeit machen – doch da geschieht ein Mord, der Gäste und Wirtsleute gleichermaßen erschüttert. Wer hat den jungen Stallknecht umgebracht. Ein Mensch, ein wildes Tier ... oder eine magische Bestie?

Auf der Suche nach Spuren entdecken der alte Krieger und die Halbelfe unter dem Gasthof weitere Räume und überraschende Vermächtnisse aus der fernen Vergangenheit. Doch das klärt keine Fragen sondern wirft nur weitere auf. Kann es sein, dass der Mord nur ein Ablenkungsmanöver für eine viel größere Sache war, die mit den magischen Kraftlinen zusammen hängen, die sich an diesem Ort kreuzen?

Um herauszufinden, was hinter allem steckt und den wahren Übeltäter zu finden gehen Havald und Leandra nicht nur eine Allianz mit dem Wirt und seiner Familie ein, sondern auch einen Pakt mit der Dunkelelfe Zokora und dem Brigantenanführer Janos ein. Gemeinsam erfahren die Verbündeten, was es mit dem „Ersten Horn“ auf sich hat und welche Geheimnisse das legendäre Reich Askir an diesem Ort hinterlassen hat.

 

Um sich von den klassisch-mittelalterlichen Fantasy-Geschichten etwas abzugrenzen wählt Richard Schwartz bewusst eine eher nordische Atmosphäre und beschränkt die Handlungsorte seines Buches bewusst auf den Gasthof, die darunter liegenden Gewölbe und die nahe Umgebung.

Ähnlich wie in einem Kammerspiel bekommen die Charaktere Raum, sich zu entfalten, zu entwickeln und nach und nach ihre Geheimnisse preis zu geben: Gegner, die sich zunächst nicht über den Weg trauen werden zu Kampfgefährten und Freunden, während andere im Verlauf der Handlung ihr wahres Gesicht zeigen und sich gegen die Helden wenden. Ganz so „beklemmend“ wie der Klappentext dem Leser weismachen will, ist das Buch aber nicht. Es ist dank des zynischen Ich-Erzählers etwas düster, erinnert aber wirklich mehr an einen Krimi, in den sich nach und nach immer mehr magische Elemente einschleichen und die wahren Hintergründe enthüllen.

Hin und wieder schlägt bei der Schilderung der Vorgehensweise der Helden oder der Charakterisierung der Nebenfiguren der geübte Rollenspieler durch, das bleibt jedoch auf einem angenehmen Niveau und der Autor verfällt nicht in die üblichen Klischees. Einzig zum Ende des Romans hin wird der Autor etwas nachlässig, die sorgfältig aufgebaute Spannung wird durch eine überhastete Auflösung der Probleme angeschlagen.

 

Dennoch hebt sich „Das erste Horn“ wohltuend von vielen Werken anderer junger deutscher Autoren ab. Es kratzt nicht nur an der Oberfläche der Charaktere und Ereignisse und bietet vordergründige Action und Abenteuer, man merkt sehr genau, dass Richard Schwartz seine Informationen gut über das Buch verstreut hat, und durch die vielen feinen, kleinen Hinweise auch die Aufmerksamkeit erfahrenerer Leser gewinnt und neugierig auf die weiteren Bände des Zyklus macht.

Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

panzi
Samstag, 03. November 2007 02:07 Uhr
Das Erste Horn ist wirklich eine sehr angenehme Abwechslung. Wem von einfallslosen Massenproduktionen (wie sie z.B. aus der Feder von Markus Heitz stammen) genug hat, ist dieses Buch zu empfehlen. Spannend, ungewöhnlich und gut ausgearbeitete interessante Charaktere. Er bringt die Geschichte zu einen Abschluss, lasst aber noch Spielraum für eine Fortsetzung. Es ist ein abgeschlossenes Buch und hört nicht mitten in der Handlung auf (im Gegensatz zu Bücher von anderen Autoren). Die Charaktere sind nicht perfekt (in Sinne von 100% edel/gut, perfekte Kämpfer etc.) aber man mag sie, vielleicht gerade deswegen. Wenn jemand der/die edle HeldIn ist dann Leandra. Aber auch sie hat eine Vergangenheit. Man könnte auch sagen die Geschichte ist angenehm. Um die enge Gruppe der Hauptcharaktere muss man sich kaum sorgen machen, dennoch bleibt es spannend.

Ich kann kaum erwarten das 4. Buch von Richard Schwartz zu lesen, aber das wird wohl noch einige Zeit dauern, bis er es fertig geschrieben hat.

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Das erste Horn

Reihe: Das Geheimnis von Askir Bd. 1

Autor: Richard Schwartz

Broschiert - 397 Seiten

Piper, erschienen September 2006

ISBN: 3-492-26606-1

Titelbild von Markus Gann

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.09.2006, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13