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Das Geheimnis der Abtei

Rezension von Matthias Oden

 

Die Abtei der Templer ist eine willkommene Zwischenstation für müde Pilger auf der Wallfahrt nach Santiago de Compostela. Mönche aus drei verschiedenen Orden suchen hier eine Unterkunft für die Nacht und einen Platz zum Ausruhen von der anstrengenden Pilgerfahrt. Doch die meditative Stille, die sonst nur von den Gesängen der Ordensbrüder unterbrochen wird, wird je gestört durch den Mord an Bruder Abelmo! Die Mönche im Kloster können daher nicht eher ruhen, als bis sie den niederträchtigen Mörder gefunden und seiner gerechten Strafe zugeführt haben.

 

„Das Geheimnis der Abtei“ ist ein Gesellschaftsspiel für drei bis sechs Personen, das auf dem klassischen Whodunit-Motiv basiert. Ältere Spieler werden nach einem kurzem Überblick über den Spielablauf unweigerlich an „Cluedo“ und „Inkognito“ erinnert, und richtig: Als ein Mix aus diesen beiden kommt das Detektivspiel aus dem Hause Days of Wonder auch daher.

 

Verständlichkeit der Spielregeln

Die Regeln des Spiels sind nicht gerade simpel, aber sie sind auch nicht kompliziert, sondern irgendwo zwischen den beiden Extremen. Vor allem aber werden sie verständlich aufbereitet. Der Spielablauf, die einzelnen Räume der Abtei und ihre Funktionen sind übersichtlich dargestellt und erläutert. Da ein besonderes Augenmerk des Spiels auf dem Befragen der Mitspieler liegt, wird den erlaubten bzw. verbotenen Fragen ein größerer Platz eingeräumt. Dies ist für die jüngeren Spieler (das Spiel ist laut Hersteller für Kinder ab 8 Jahren geeignet) möglicherweise etwas kompliziert, aber Beispiele verdeutlichen, was gemeint ist, und spätestens im Spiel wird dann schnell klar, welche Art von Fragen nun legitim sind und welche nicht.

 

Spielziel

Wie bereits gesagt: Der Mörder von Bruder Abelmo soll enttarnt werden. Insgesamt gibt es 24 verdächtige Mönche und durch deduktives Wegstreichen all jener, die den Mord nicht begangen haben können, soll am Ende der Mörder gefunden werden. Dabei spielt jeder Spieler allerdings für sich alleine und sollte tunlichst aufpassen, dass er seine Notizen vor seinen Konkurrenten verborgen hält. Schließlich will er ja als bester Detektiv glänzen.

Allerdings ist nicht automatisch derjenige Sieger, der am Schluss den Mörder enttarnt. Denn bereits im Spiel können sogenannte Enthüllungen gemacht werden, etwa: „Der Mörder ist Mönch mit Bart“, „Der Mörder ist ein Novize“, „ein Benediktiner“ oder ein „dünner Mönch“. Jede richtige dieser Enthüllungen bringt Siegpunkte – wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel.

 

Spielvorbereitung

Das Spiel ist recht schnell vorbereitet: Der Pan wird entfaltet, die verschiedenen Kartenstapel gemischt und auf die entsprechenden Plätze gelegt. Jeder Spieler bekommt eine „Liste der Verdächtigen“ (insgesamt 50 farbige Blätter werden mitgeliefert), auf der er während des Spiel die abstreichen kann, die nicht der Mörder sein können – fertig.

Die Ausstattung von „Das Geheimnis der Abtei“ kann sich sehen lassen: Die Spielfiguren sind detaillierte kleine Mönche, der Spielplan unterstreicht mit seiner liebevollen Illustrierung die Atmosphäre eines mittelalterlichen Klosters, gleiches lässt sich von den Spielkarten sagen. Sogar eine kleine Glocke ist im Spiel enthalten, mit der zu den Messen geläutet wird.

 

Spielablauf

Alle Spieler beginnen das Spiel in der Kirche der Abtei, mit einer durch die Anzahl der Spieler festgelegten Anzahl von Verdächtigenkarten. Von dort aus können sie die Räume des Klosters durchstreifen auf der Suche nach Antworten, pro Zug können sie sich bis zu zwei Räume bewegen. Beendet man seinen Zug in einem Raum, in dem bereits ein anderer Mönch steht, muss dieser befragt werden. Der kann sich entweder auf sein Schweigegelübde berufen und die Antwort ablehnen, oder wahrheitsgemäß auf die Frage antworten. Als Ausgleich für diese Kooperation darf er nun seinerseits dem anderen Spieler eine Frage stellen, die dieser beantworten muss – ein Schweigegelübde darf er nicht in Anspruch nehmen. Einige der Räume des Klosters haben Sonderfunktionen, so kann man etwa in der Krypta eine Karte erhalten, mit der man zwei Züge hintereinander ziehend darf, im Sprechzimmer kann man weitere Verdächtigenkarten ziehen, in den Zellen der Mönche dem entsprechenden Spieler eine Verdächtigenkarte abnehmen und im Kapitelsaal schließlich Enthüllungen und Anschuldigungen machen.

Nach jeder vierten Runde wird zur Messe geläutet und alle Mönche müssen wieder zurück in die Kirche, wo sie eine bestimmte Anzahl von Verdächtigenkarten an ihren linken Nachbarn weitergeben müssen. Eine Ereigniskarte wird gezogen und bringt eine mögliche Wende in Spiel: Sei es, dass ein weiterer Mönch tot aufgefunden wird oder weitere Mönche aus dem Kreis der Verdächtigen ausscheiden. Dann startet ein neuer Durchgang.

 

Spielspaß

„Das Geheimnis der Abtei“ ist kurzweilig, keine Frage. Es macht Spaß, die einzelnen Verdächtigen abzustreichen, bis sich das Netz um den Mörder immer enger zieht. Schön auch, dass durch das Weitergeben der Karten, die Ereignisse bei den Messen und die Möglichkeit, anderen Spielern Karten wegzunehmen, immer wieder zusätzliche Bewegung ins Spiel kommt, so dass es glücklicherweise nicht zu einem simplen Frage-Antwort-Spiel verkommt. Und gegen Ende des Spiels wird es dann zusehends knapp, wenn alle in Richtung Kapitelsaal hetzen, weil sie ihre Anschuldigungen vorbringen wollen.

Alles in allen wäre das Spiel also rundum gelungen, wenn es da nicht ein paar kleine Schnitzer im Gameplay geben würde: Die einzelnen Charakteristika der Mönche (dünn/dick, Kapuze/keine Kapuze, Bart/kein Bart) spielen für die Erkundigungen keine große Rolle. Viel schneller kann man über die Ordenszugehörigkeit (Templer, Benediktiner, Franziskaner) und über ihren Rang (Abt, Bruder, Novize) Mönche ausschließen. Fragen nach bärtigen oder dicken Mönchen sind dementsprechend selten, weil sie kaum Ausschlussmöglichkeiten eröffnen. Hier ist also ein zentraler Punkt der Ermittlungen deutlich den anderen unterlegen, das Spiel besitzt demnach Features, die kaum gebraucht werden – da hätte man nachbessern müssen. In diesem Punkt ist es beispielsweise „Inkognito“, das auf meisterhafte Weise die einzelnen Figureneigenschaften ins deduktive Rätselraten einbindet, klar unterlegen.

Auch erscheint die Zugmöglichkeit von maximal zwei Räumen in einer Hinsicht zu kurz: Man hat kaum Chancen, andere Mönche in der eigenen Zelle beim Schnüffeln zu erwischen – wodurch man sie zur Buße zwingen könnte (der Spieler muss eine Runde aussetzen). Hier ist die Balancierung aus bewusst begrenzten Wahlmöglichkeiten beim Zug einerseits und der taktischen Planung des Zuges andererseits nicht ganz optimal.

Trotzdem besitzt „Das Geheimnis der Abtei“ einen hohen Wiederspielwert: Kein Spiel ist schließlich wie das andere. Jedes Mal müssen aufs Neue Verdächtige ausgeschlossen werden, und es macht einfach mal verdammt Spaß, den Mitspielern genau die Karten zuzuschanzen, deren Inhalte sie durch gerade getätigte Fragen sich ohnehin schon erschließen konnten. Schick auch die Möglichkeit, durch bewusst falsche Enthüllungen zwar die Minuspunkte in Kauf zu nehmen, aber dadurch die Mitspieler in ihren Schlussfolgerungen gehörig zu verwirren und zu verunsichern.

 

Altersgruppe

Das Spiel ist laut Hersteller bereits für Kinder ab 8 Jahren. Möglicherweise ist das etwas zu optimistisch. Das streng logische Ausstreichen der Möglichkeiten – besonders durch die Infos, die man durch Verhöre bekommt, an denen man nicht selbst beteiligt ist – ist eventuell etwas zu anstrengend und zu fordernd für Kinder dieses Alters.

 

Anzahl von Mitspielern

Je nach der Anzahl der Spieler verändert sich zwar die Menge an Verdächtigenkarten, mit denen man startet, das Gameplay bleibt jedoch größtenteils gleich. Allerdings ist eine höhere Spielerzahl prinzipiell zu empfehlen: So werden nicht immer die gleichen befragt.

 

Fazit

„Das Geheimnis der Abtei“ ist ein gut gelungenes Detektivspiel, besitzt aber Schwächen in der Spielmechanik. Spieler, die gerne rätseln, können zugreifen, sollten aber keine Komplexität eines „Inkognito“ erwarten.

 

(anklicken zum vergrößern)
Bilder Copyright ©2002-2006 Days of Wonder

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Das Geheimnis der Abtei

Days of Wonder

3-6 Spieler

Alter. 8+

Dauer: 60-90 Minuten

ASIN: B00068NDWI

Erhältlich bei: Amazon

 

 

 

 


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Erstellt: 26.07.2007, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50