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Das Glück Saramees von Christoph Weidler (Hrsg.)

Reihe: Saramee

Rezension von Christian Handel

 

Man nennt Saramee auch die Stadt der Vertriebenen; eine Hafenstadt, in die sich jene flüchten, die in den Gassen zwischen Armen- und Reichenvierteln ihr Glück finden wollen; ein Ort, an dem man seine Vergangenheit vertuschen und vielleicht sogar vergessen kann. In Rahmen fast eines Dutzend Romane und bereits einer anderen Kurzgeschichtensammlung haben Herausgeber Christoph Weidler und die Autoren der im Atlantis-Verlag erscheinenden Reihe das düster-phantastische Saramee ihren Lesern näher gebracht. Zukünftig sollen Geschichten aus der Stadt vornehmlich in Form von Anthologien erscheinen. Da ist es wohl nicht verwunderlich, dass vieles an Saramee den Leser an Freistatt, die Stadt der Diebe, erinnert, das bekannte 80er Jahre-Shared World-Projekt einiger amerikanischer Autoren unter der Federführung von Robert Asprin.

 

„Das Glück Saramees“ enthält vierzehn Kurzgeschichten von mal mehr, mal weniger bekannten Genreautoren. Die bekanntesten Namen diesmal sind Katja Brandis und Alfred Bekker. Sie und ihre Kollegen erzählen von Seefahrern, deren Landurlaub in Saramee ganz anders ausgeht als geplant; von Dieben, die zu Opfern werden; von Spionen, deren Aufträge unerwartete Wendungen nehmen und von Ärzten, die mal finstere, mal lichte Pläne schmieden.

 

In den verschiedenen Geschichten erfährt man leider wenig über die politischen Hintergründe der Stadt; darüber, wie sie geführt und regiert wird. So wirken alle Kurzgeschichten für sich isoliert. Verbindungspunkte gibt es allenfalls, wenn der eine oder andere Protagonist ein in einer anderen Erzählung erwähntes Wirtshaus aufsucht. Aber selbst über diese Gaststätte erfährt man zu wenig, als dass man sich hier ein tatsächliches Bild von ihr machen könnte. Das ist vor allem deshalb schade, weil man als Leser eingangs in einem von Herausgeber Christoph Weidler verfassten Vorwort erfährt, dass die Lage in der Stadt aufgrund einer Seeblockade gespannt ist. Hier hätte man sich ein paar mehr rote Fäden gewünscht, die sich durch die Handlung der einzelnen Kurzgeschichten ziehen.

 

Andererseits erlaubt das Konzept, den gemeinsamen Hintergrund der Geschichten auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, den einzelnen Autoren natürlich wesentlich größere Freiheiten. Diese nutzen diese mal mehr, mal weniger gut. Katja Brandis erzählt in „Mit Brief und Siegel“ die Geschichte einer einfachen Schreiberin, hinter der mehr steckt, als man zunächst vermutet, und Christan Endres überrascht mit einer Hommage an den Superhelden Batman, betrachtet durch die Linse der Fantasy.

Wie es bei Storybänden üblich ist, können nicht alle Geschichten gleich überzeugen. Glanzlichter der Anthologie sind Guido Krains „Goldrausch“, „Träume, Blüten und Liköre“ von Martin Clauß und Tobias Radloffs „Das 226. Elixier“, wenn auch letzteres in einem Stil geschrieben ist, der sich nicht ganz in das Gesamtbild der Kurzgeschichtensammlung einfügt. Aufgepeppt werden die einzelnen Geschichten übrigens noch von Illustrationen aus der Feder von Chris Schlicht und durch ein wirklich gelungenes Layout.

 

„Das Glück Saramees“ ist sicher keine Anthologie für jedermann. Fantasyleser aber, die Robert Asprins „Geschichten aus der Diebeswelt“ noch in bester Erinnerung haben, sollten diesem deutschen Pendant unbedingt eine Chance einräumen. Sie könnten das eine oder andere Schmuckstück entdecken und im Idealfall generell Gefallen an diesem ambitionierten Projekt finden.

 

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Anthologie:

Das Glück Saramees

Reihe: Saramee

Herausgeber: Christoph Weidler

Autoren: Stephan R. Bellem, Katja Brandis, Tom Cohel, Andrea Tillmanns, Michael Schmidt, Guido Krain, Chris Schlicht, Tobias Radloff, Markus K. Korb, Arthur Gordon Wolf, Christian Endres, Martin Clauß, Linda Budinger, Alfred & Hendrick M. Bekker

Verlag: Atlantis, Oktober 2009

ISBN: 978-3941258-17-4

Aufmachung: Taschenbuch, 174 Seiten

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.03.2010, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13