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Das Haus am Waldrand von Barbara Büchner

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Weihnachten … das Fest der Besinnung und familiären Zusammenführung. Die siebzehnjährige Leonie sieht das ein wenig differenzierter: Warum muss ausgerechnet sie – und nur sie – an jenen Ort verfrachtet werden, der zwar als ihr Geburtsort deklariert ist, den sie aber seit geschlagenen zwölf Jahren nicht mehr betreten hat? Wenn ihre Mutter ein Problem mit ihrem Vater, der gleichzeitig Bürgermeister des besagten Ortes ist, hat – warum fährt dann SIE nicht über die Feiertage dorthin? Denn ein »Entkommen« aus dem Trubel Kölns kommt für Leonie keineswegs einer gelungenen Abwechslung gleich; und erst recht nicht, wenn das Ziel ein kleines Kaff im Siegerland ist.

Andererseits gibt es bestimmte Wünsche, die man einfach nicht abstreiten kann. Besonders dann nicht, wenn sie von der eigenen Mutter ausgesprochen wurden. Selbst einem störrischen Teenager wie Leonie gehen da die Argumente aus; nicht aber die Unlust an dem Unterfangen »Familienzusammenführung«.

Am verwaisten Bimmelbahnhof bekommen ihre schlimmsten Vermutungen Zündstoff. Denn a) präsentieren sich der Bahnsteig und das dazugehörige Gebäude als Relikte aus den 1950er Jahren und b) scheint es weit und breit keine Menschenseele zu geben. Letzter Verdacht erhärtet sich zudem, nachdem sie die verwaisten Kulissen des Stadtkerns zu Gesicht bekommt, welche eher an eine Geisterstadt erinnern denn an einen von menschlichen Wesen besiedelten Ort. Nein, mit ländlicher Idylle hat dies nur sehr wenig am Hut.

Doch scheint dies ein typisches Beiprodukt der Weihnachtszeit zu sein; sorgen die Feiertage angeblich dafür, dass viele Einwohner und Ladenbesitzer „dicht machen“ und Freunde wie Verwandte aufsuchen.

So leicht lässt sich Leonie allerdings nicht abspeisen. Für sie steht fest, dass hier etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Doch ganz gleich, wenn sie danach auch befragt, stets trifft sie auf eine Mauer des resoluten Schweigens. Vom hiesigen Pfarrer hin zu ihrem Großvater, dem Bürgermeister.

Wenn der Berg also nicht zum Propheten kommen möchte … geht Leonie dem Mysterium eben selbst auf die Spur – und wird fündig. Offenbar trägt eine lokale Legende die Schuld daran, dass die Bewohner stets zur Weihnachtszeit ihre Koffer packen und von dannen ziehen. Denn angeblich sucht nicht der Weihnachtsstern, sondern ein Fluch die kleine Gemeinde in der Zeit rund um den 24.12 heim. Die Folgen sind heftige Gewitterstürme, Krankheit und sogar der Tod. X-beliebige Bürger sucht die vermeintliche Verwünschung jedoch nicht heim. Wenn, dann trifft es stets ein Mitglied der acht Gründerfamilien des Ortes. Doch welch ungesühntes Verbrechen aus der nebligen Vergangenheit hat sie zu Trägern eines Fluches werden lassen? Welches finstere Geheimnis verbirgt sich unter der friedlichen Oberfläche der Kleinstadt? Und was hat es mit dem Haus am Waldrand auf sich; der sogenannten Ketzervilla? Entgegen ihrer Zweifel und vermutlicher Visionen nimmt sich Leonie vor, dem Geheimnis auf die Schliche zu kommen – und begibt sich dabei selbst in immer größere Gefahr …

 

Dass die Protagonistin von Barbara Büchners neuestem Elaborat ein siebzehnjähriges Mädchen ist, verwundert kaum: immerhin ist Wiener Vielschreiberin besonders für ihre, zum Teil mit Preisen bedachten, Jugendromane bekannt. Insofern verwundert es auch nicht, dass sich Das Haus am Waldrand vornehmlich an besagte Zielgruppe orientiert, wenngleich ein expliziter Hinweis darauf fehlen mag. Und es muss ja nicht gleich ein Schlechtes sein, wenn man mal zur Abwechslung ein solches Werk zur Hand nimmt. Man war schließlich selbst ein Teenager!

Was umgehend auffällt, ist die routinierte, einwandfreie Prosa der Autorin: sehr flüssig und stets auf den Punkt. Andererseits dürfte einem erfahrenen Leser die x-te Variante von der jungen Heldin und dem dunklen Geheimnis eines kleinen Ortes mit zunehmender Seitenzahl immer stärker langweilen; guter Schreibstil hin oder. Es wirkt halt alles leider viel zu vorhersehbar und ohne Ecken und Kanten. Leider! Denn gerade eine so versierte Autorin wie Frau Büchner hätte doch sicherlich ohne Mühe mehr aus einer so altbekannten und, man muss es leider sagen, reichlich ausgelutschten Thematik rausholen können; etwas, dass junge Leser wie »alte Hasen« bei der Stange gehalten hätte. So allerdings wird nur die erste Zielgruppe bedient, vornehmlich wohl der weibliche Teil der U-18-Fraktion, die sich nach Twilight und Konsorten nach etwas Vergleichbarem umsehen. Alle anderen werden das Buch zwar sicherlich nicht zornerfüllt in die Ecke schmeißen, Leonies Spurensuche in ihrer Heimatstadt aber spätestens mit dem Beenden der letzten Seite größtenteils vergessen haben.

 

Fazit:

Jugendliche LeserInnen dürfte »Das Haus am Waldrand« mehr ansprechen als Erwachsene – sofern sie nicht auf der Suche nach einem kleinen Happen für Zwischendurch sind. Denn vielmehr ist Barbara Büchners neuester Roman denn auch nicht geworden. Potenzial verschenkt. Leider.

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Buch:

Das Haus am Waldrand

Autorin: Barbara Büchner

gebunden, 192 Seiten

Blitz-Verlag, Mai 2010

 

ISBN-10: 3898402800

ISBN-13: 978-3898402804

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.02.2011, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59