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Das Herz der Hölle von Jean-Christophe Grange

Rezension von Björn Backes

 

Story:

Der Werdegang von Mathieu und Luc ist von ständigen Parallelen und unzähligen Gemeinsamkeiten geprägt. Die beiden Freunde haben zusammen das Internat besucht, dort den Katholizismus verinnerlicht und kurzzeitig sogar beschlossen, sich über ein Priesterseminar in den Dienst der Kirche zu stellen. Schließlich sind sie aber doch zhu der Erkenntnis gekommen, die sie das Böse in der Anstellung eines Polizisten effizienter bekämpfen können.

Ihr gemeinsamer Idealismus scheint jedoch zerstört, als Luc versucht, sich in einem Fluss zu ertränken. Ein erfolgreicher Rettungsversuch führt Mathieus langjährigen Freund jedoch in ein schier endloses Koma, welches Mathieu wiederum dazu bewegt, die Hintergründe für Lucs unverständliches Handeln zu erforschen. Dabei erfährt er, dass Luc in einem grausamen Mordfall im schweizerischen Grenzgebiet ermittelte und damit beschäftigt war, einem rituellen Mord an einer jungen Frau nachzugehen, die dafür bestraft wurde, dass sie ihre angeblich dem Satan geweihte Tochter umgebracht hatte. Schnell gerät Mathieu in den Bannkreis einer Sekte und muss fortan auch um sein eigenes Leben fürchten. Als er von zwei ähnlichen Ritualmorden erfährt und dabei tatsächlich die Spur einer Täterin aufnehmen kann, scheint ein wenig Licht ins Dunkel zu kommen. Irgendwo besteht eine Verbindung zwischen den grausamen Todesfällen. Als sich übersinnliche Geschehnisse und reale Lügengeschichten jedoch immer mehr vermischen, ist sich Mathieu selbst nicht mehr sicher, was und wem er glauben kann. Hat Satan wirklich seine Finger im Spiel? Oder ist auch Mathieu im Laufe der Ermittlungen zur Zielscheibe eines fürchterlichen mysteriösen Komplotts geworden?

 

 

Rezension:

Mit „Das Herz der Hölle“ weckt der französische Bestsellerautor Jean-Christophe Grange mit einem Schlag die Herzen der täglich wachsenden Mystery-Gemeinde, die inzwischen auch erkannt haben sollte, dass die Romankunst immer noch über dem steht, was die hiesige Serienlandschaft tagtäglich auf den Bildschirm bringt. Insbesondere der französische Markt zeigt sich hier seit einiger Zeit als Vorzeigestandort mit einem Grange in Bestform an der Spitze!

Der hierzulande bereits 2007 erstveröffentlichte Roman um eine Geheimnis umwobene Sekte, eigenartige Nahtoderfahrungen, brutale Mordserien und wahrhaftig dutzende brillante Charakterzeichnungen hat seitdem nicht nur Erwähnung in einigen essentiellen Listen gefunden, sondern auch die Mainstream-Presse nachhaltig begeistert. Mit der Wiederveröffentlichung im Großverlag erhält Grange bzw. „Das Herz der Hölle“ schließlich noch einmal die Ehre, die das Buch auf alle Fälle verdient.

 

Zur Geschichte: Der Autor nimmt sich gerade in den ersten Kapiteln unheimlich viel Zeit, um die führenden Charaktere angemessen vorzustellen. Im Mittelpunkt stehen natürlich zunächst Luc und Mathieu bzw. deren gemeinsamer Lebenswandel, beginnend mit der Kindheit und im aktuellen Drama kulminierend. Zwar lesen sich die ersten Passagen etwas träge, jedoch ist dies vorrangig damit begründet, dass eine ganze Schwemme an Infos erforderlich ist, um später auch Zugang zur Story und all ihren Hintergründe zu bekommen. Das geringe Durchhaltevermögen, das hier gefragt ist, wird aber ganz schnell belohnt.

Mit de Start der Ermittlungen setzt dann auch die Spannungskurve zu einem steilen Manöver an: Mathieu deckt in vielen kleinen Schritten allerhand Entsetzliches auf und führt den Leser zu immer neuen Grausamkeiten, die hin und wieder sogar für eine bedrückte Gänsehaut sorgen. Gerade die ausgeschmückten Details um den fiesen Mordfall an der schweizerischen Grenze sind als literarischer Grenzfall prima in die Story eingebunden, ohne dabei den Fokus gezielt auf ihren optischen Effekt zu legen.. Inzwischen präsentiert Grange den ganzen okkultistischen Katalog, führt sagenumwobene Verschwörungen in die Story ein, schürt Glaubensfragen und lässt auch übergeordnet das Thema Reinkarnation aufblitzen. Die Wirkung ist, im positiven Sinne, fatal: Ständig nimmt die Handlung neue Fährten auf, immer wieder kommt es zu raschen Gedankensprüngen, die das verhältnismäßig hohe Tempo weiter antreiben, dazu entwickelt das Spiel mit der finsteren Atmosphäre ganz nebenbei zu einer der größten Stärken des Buches, und bevor man sich versieht, hat man mehr als 800 Seiten eines Wälzers verschlungen, der nie zu sehr ausschweift, trotz der bombastischen Inszenierung auf dem Teppich bleibt und stilistisch ein absolutes Goldstück ist.

Daher bleibt am Ende auch nur zu sagen: Lange Sätze, kurzer Sinn – mit „Das Herz der Hölle“ hat Jean-Christophe Grange auch ohne die offensichtliche Provokation, die beispielsweise die Dan Brown-Romane innehaben, einen verschwörerischen Gewaltakt gemeistert, die besagtem Großmeister der religiös angehauchten Mystery zumindest in Sachen Unterhaltungswert in nichts nachstehen.

 

 

Fazit:

„Das Herz der Hölle“ ist ein enorm dicker Happen, bei dem nicht jeder Bissen leicht konsumierbar ist, der aber zum Abschluss so gut mundet, dass der Name des Autors als erlesener Nachgeschmack noch lange Zeit am Gaumen klebt. Dieses Buch ist wirklich richtig starke Kost!

 

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MEDIUM:

Das Herz der Hölle

Autor: Jean-Christophe Grange

Broschiert: 784 Seiten

Verlag: Lübbe; Auflage: 1., Aufl. (16. Juni 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3404162846

ISBN-13: 978-3404162840

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.10.2009, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18