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Das Jesusfragment von Henri Loevenbruck

Rezension von Christel Scheja

 

Nachdem Mystery-Thriller in den letzten Jahren immer mehr in das Interesse der Öffentlichkeit gerieten und durch ihre wilden Spekulationen über geheime Organisationen wie die "Illuminati", Vermächtnisse großer Männer wie der "Da Vinci -Code" zu Bestsellern wurden oder den Geheimnissen der Tempelritter als "Hüter des Grals" nachgingen, sprangen immer mehr Autoren auf den fahrenden Zug auf und gruben alle möglichen anderen Geheimnisse der Geschichte aus, um ihren Teil an dem Kuchen abzubekommen, oder versuchten Variationen der erfolgreichen Themen zu bieten. Auch "Das Jesusfragment" gehört zu diesen Romanen.

 

Eher unwillig nimmt Damien Louvel, der inzwischen als erfolgreicher Drehbuchautor in Amerika lebt, das Erbe seines tödlich verunglückten Vaters an, denn er hatte eigentlich nichts mehr mit diesem zu tun haben wollen. Mit schweren Vorbehalten hört er sich an, was der Notar zu sagen hat.

Doch kaum sichtet er den Nachlass erwacht sein Interesse, denn sein Vater hat sich vollkommen verändert, und Dinge aufgegeben, die ihm früher viel bedeuteten. Dafür ist er in die Provinz gezogen und ist in einem Kellerraum Hirngespinsten nachgegangen - etwas, was er von seinem Vater so nicht gekannt hat.

Waren es wirklich nur Spinnereien? Damien wird schnell eines besseren belehrt.

Nicht nur, dass ihn die Journalistin Sophie anspricht und seltsame Andeutungen macht, plötzlich wird der Drehbuchautor auch von seltsamen Gestalten verfolgt, die ihn massiv bedrohen. Und noch mehr: Das Haus seines Vaters geht in Flammen auf, so als wolle man verhängnisvolle Unterlagen vernichten.

Nun gibt es für Damien kein Halten mehr. Er ahnt, dass sein Vater einer Sache nachging, die so brisant ist, dass ihr mehrere geheime Organisationen, unter anderem aus dem Vatikan und der internationalen Wirtschaft nachjagen.

Bestärkt durch Sophie macht er sich daran, das Geheimnis zu ergründen, das seinem Vater den Tod gebracht hat. Welches Geheimnis birgt der "Stein von Iorden", der einst Jesus gehört haben soll, und wie passen die Essener, eine antike jüdische Sekte, in das Bild? Und welche Rolle spielen Leonardo da Vinci und Albrecht Dürer in der ganzen Verschwörung? Welche Geheimnisse haben sie in ihre Kunstwerke gebettet?

Gemeinsam mit der Journalistin und einem befreundeten Hacker nehmen sie die vorhandenen Spuren auf und entdecken Ungeheuerliches, aber auch die Verfolger ruhen nicht und schlagen wieder mit erbarmungsloser Härte zu...

 

 

"Das Jesus-Fragment" benutzt all die Versatzstücke, die heute für einen Mystery-Thriller unabdingbar scheinen: Alltagshelden, die mehr oder weniger ungewollt einer Sache nachgehen, die so brisant ist, dass die eine Seite ihrer Verfolger sie am liebsten vernichten, die andere aber besitzen möchte, um Profit daraus zu schlagen. Scheinbar sinnlose Mosaiksteine fügen sich nach und nach zu einem Bild zusammen. Der Autor benutzt alle Versatzstücke, die gerade in sind. Wieder einmal müssen die Tempelritter ebenso her halten wie die Freimaurer, werden wild geschichtliche Fakten mit wirren Theorien und einem großen Schuss Fantasie gemischt.

 

Es gibt Autoren, die das spannend und überzeugend aufbereiten können, Henri Loevenbruck gehört leider nicht dazu. Sein Ich-Erzähler ergeht sich zu lange im Selbstmitleid, die Handlung plätschert im ersten Viertel des Buches eher dahin bis sie endlich zur Sache kommt. Der Mittelteil des Buches, in dem Damien und Sophie nach und nach die Informationen sammeln ist durchaus spannend geschrieben, gegen Ende hin fällt der Roman aber merklich ab.

Der Autor verzettelt sich in Nebensächlichkeiten, führt Nebenfiguren ein, die mehr oder weniger für die Helden die Aufgabe lösen, und die Gegenspieler werden in einem verfahrenen und wenig überzeugenden Showdown ausgeschaltet, um noch ein wenig Dramatik einzubringen. Weitere Lösungen sind etwas mit den Haaren herbei geholt - wie bitte schön soll man auf einer Reproduktion (!) der Mona Lisa ein winziges Farbschema auf dem Bild erkennen können, das nicht bereits verfälscht ist?

 

Was bleibt ist ein Roman, der aus der Masse gleichartiger Produktionen nicht herausragt und durch seine Schwächen eher enttäuscht. "Das Jesus-Fragment" ist wirklich kein Buch, dass man gelesen haben muss.

 

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Titel: Das Jesusfragment

Autor: Henri Loevenbruck

Droemer/Knaur , München

Erscheinungsdatum: September 2005

ISBN: 3426628376

431 Seiten

Übersetzung aus dem Französischen von Antoinnette Gittinger

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 12.10.2005, zuletzt aktualisiert: 10.08.2020 18:25