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Das Kabinett der Wunder von Marie Rutkoski

Reihe: Die Kronos-Geheimnisse, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Die amerikanische Autorin Marie Rutkoski stammt aus der Nähe von Chicago. Heute lebt und arbeitet sie allerdings in New York . Sie studierte Englische und Amerikanische Literaturgeschichte, verbrachte nach ihrem Abschluss aber auch ein Jahr in Moskau und Prag, Städten, die sie so besser kennen lernte. So ist es nicht verwunderlich, dass sie die Geschichte ihres Debüt-Romans in der „Goldenen Stadt“ ansiedelte. „Das Kabinett der Wunder“ scheint nur der Auftakt zu mehr Abenteuern um „Die Kronos-Geheimnisse“ zu sein.

 

Bisher war die Welt der zwölfjährigen Petra Kronos weitestgehend in Ordnung, auch wenn sie ihre Mutter bei der Geburt verloren hat. Aber ihr Vater und die treuen Diener sind ihr mehr als genug Familie. In dem kleinen Ort Okno macht ihr keiner Vorschriften und sie kann tun und lassen was sie will, vor allem als halber Junge herumlaufen.

Sie lebt in den Tag hinein und spielt mit den Geschöpfen aus Metall, die ihr Vater geschaffen hat, der ein geachtetes und wohlhabendes Mitglied der Gemeinde und Mitglied der Handwerkerzunft ist. Ihr engster Vertrauter ist die Silberspinne Astrophil.

Da er nicht nur Geschick, sondern auch magische Kräfte besitzt, hat ihn Prinz Rodolfo, der zukünftige Herr über Böhmen nach Prag rufen lassen, um von ihm eine Uhr mit besonderen Fähigkeiten bauen zu lassen.

Bis zu dem Tage, als ein Fuhrwerk nach Okno kommt und ihren Vater heimbringt, war Petra stolz auf diese Aufgabe. Doch nun wird sie schmerzhaft auf den Boden der Wirklichkeit zurück geholt. Denn der Prinz hat ihrem Vater die Arbeit ganz und gar nicht gut gelohnt. Statt ihn zu bezahlen hat er dem kunstfertigen Handwerker die Augen genommen, die einen großen Teil seiner magischen Fähigkeiten beherbergten. Während Petra ihren Vater dahin siechen sieht, fasst sie einen Entschluss.

Sie will alleine nach Prag gehen, in den königlichen Palast gelangen und die Augen ihres Vaters zurück holen. Zwar findet sie Unterstützung durch Freunde aus dem Ort und neugewonnene Bekannte unter den Roma in der Stadt selbst, aber die Aufgabe ist nicht so einfach zu lösen wie sie gedacht hat.

Petra kommt als Dienstmädchen in den Palast. Nach einem kurzen Zwischenspiel in der Küche wird sie der geheimnisvollen Iris zugewiesen, die die Farben für den Palast herstellt, aber für ihre Kunstfertigkeit dafür bezahlen muss, das ihr Körper Säure absondern, wann immer sie aufgeregt ist. Zwar versucht sie immer wieder – auch mit Unterstützung von Astrophil – tiefer in das Herz des Palastes vorzustoßen, aber das erweist sich als fast unmöglich

Erst mit der Hilfe von Dr. Dee, dem englischen Gesandten am Hofe des Prinzen, der dem Mädchen gegenüber keinen Hehl daraus macht, dass er auch als Spion arbeitet, gelingt es Petra endlich dorthin vorzustoßen, wo sie die Augen ihres Vaters vermutet – in das „Kabinett der Wunder“.

 

Wer sich ein wenig in der Geschichte auskennt, wird sehr schnell wissen, in welcher Zeit die Autorin die Geschichte angesiedelt hat, auch ohne das Nachwort zu lesen, in dem sie deutlich macht, welcher historischen Epoche sie sich bedient hat, um sie nach Gutdünken zu verfremden. Im späten 16. Jahrhundert weilte John Dee tatsächlich am Hofe Kaiser Rudolfs, der seinen Herrschaftssitz nach Böhmen verlegt hatte und sich gerne mit okkulten Dingen beschäftigte. Das ist auch Zeit und Ort, an dem die berühmten Geschichte um Rabbi Löw und seinen Golem angesiedelt ist.

Die Autorin nutzt vor allem das Ambiente der ausgehenden Renaissance, um eine magische Abenteuergeschichte zu spinnen, in der ein mutiges junges Mädchen die Hauptrolle spielt und sich trotz gewisser Einschränkungen nicht beirren lässt. Die Erlebnisse werden rasant erzählt, die Figuren liebevoll gezeichnet, auch wenn manches romantisch verklärt wird.

Phantastisch wird es durch die magischen Tiere aus Metall, die sogar mit den Menschen kommunizieren können und nicht zuletzt durch diejenigen, die besondere Kräfte besitzen und auch anwenden. Während sich Petra in ihrem Schatten bewegt, entdeckt sie auch viele ihrer eigenen Stärken und Schwächen, die sie selbst vorher nicht in dem Maße kannte.

 

Das alles macht „Das Kabinett der Wunder“ zu einem unterhaltsamen und kurzweiligen Roman, der schon für Kinder ab elf oder zwölf Jahren gut zu verstehen ist, aber auch Erwachsene fesseln kann, die sich auf dem manchmal etwas naiven Charme des Buches einlassen wollen.

 

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Das Kabinett der Wunder

Reihe: Die Kronos-Geheimnisse, Bd. 1

Autorin: Marie Rutkoski

Original: The Kronos-Chronicles – Cabinet of Wonders, USA 2008

Gebunden, 352 Seiten

cbj, erschienen im Januar 2009

Übersetzung aus dem Englischen von Gerold Anrich

Titelbildgestaltung von Hauptmann & Kompanie

ISBN-10: 3570136728

ISBN-13: 978-3570136720

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.03.2009, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53