Das Kennedy-Rätsel von J. J. Preyer

Reihe: Larry Brent – Neue Fälle Band 1

 

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

„Reboot.“ Englisch für Neustart – und in den letzten Jahren besonders in Filmkreisen die Umschreibung für eine Neuauflage zumeist bekannter Serien, Helden und Franchises. James Bond, Batman, Freddy Krueger – sie alle bekamen ihre zweite Chance, entweder aufgrund der unsäglich schlechten und/oder finanziell äußerst unbefriedigenden Vorgänger (Bond, Batman) oder weil der Zahn der Zeit doch ein wenig zu ausgiebig am Original genagt hat (Krueger – irrtümlicherweise). Ähnliches versucht man nun auch im Blitz-Verlag: einen Kult-Helden aus den 70ern und 80ern des vorigen ins 21. Jahrhundert zu transportieren – Larry Brent.

 

Ein löbliches Vorhaben, aber ebenso gewagt. Was Erfinder Dan Shocker (alias Jürgen Grasmück) vor über 40 Jahren zum ersten Mal präsentierte, war ein Serienkonzept, welches seiner Zeit weit voraus war. Bewusst entschied sich Grasmück gegen die typischen Klischees und Sackgassen, mit denen man leider auch noch heute stellenweise im Romanheft-Genre konfrontiert wird. Die limitierten und einengenden Grenzen wurden einfach niedergerissen und neben „klassischen“ Horror-Standards gab es ferner außerdem regelmäßig Ausflüge in die Science-Fiction, Bereiche der Grenzwissenschaft und in Thrillergefilde. Und für dieses vielseitige Oeuvre erntete Grasmück letztlich auch die Früchte; stieg Larry Brent zu einem Bestseller auf, der zu einem Aushängeschild des (leider nicht mehr existierenden) Zauberkreis-Verlags wurde und Ableger in Form von Hörspielen und Taschenbüchern bekam. Es sah rosig aus für den sympathischen Geheimagenten der Psychoanalytischen Spezialeinheit mit dem Kürzel X-Ray-3. Bis …

Bis zum Mai 1986, als der damalige Chefredakteur des Pabel-Zauberkreis-Verlags, Werner Müller-Reymann, bei einem Autounfall ums Leben kam. Danach war praktisch alles anders. Ohne Fürsprecher bei Pabel, welche Zauberkreis unlängst aufgekauft hatten, wurden förmlich alle mit einer phantastischen Note versehenen Reihen zu Grabe getragen. Zauberkreis – und damit einer der für seine Zeit innovativsten Romanverlage – folgte kurze Zeit später.

 

Dennoch war damit das Kapitel Larry Brent noch nicht abgeschlossen; im Gegenteil. Die Hörspiele verkauften sich weiterhin und die Fans blieben ebenfalls – trotz fehlendem Nachschub – der Serie treu.

Auftritt Jörg Kaegelmann.

Der Mann hinter dem in Windeck ansässigen Blitz-Verlag muss zweifelsohne auch ein Fan sein. So ließ er etwa alte Brent-Titel überarbeitet und in ansprechender Aufmachung neu erscheinen und ergänzte den Grasmück’schen-Kosmos um neue Abenteuer, welche exklusiv von bekannten nationalen Autoren verfasst wurden. Ein gleichermaßen mutiges wie lobenswertes Unterfangen, doch litten gerade die neuen Einsätze des sympathischen Helden oftmals unter ärgerlichen Makeln beziehungsweise Rückfälle ins Klischeehafte.

 

Nun also der zweite Anlauf. Neben den wirklich ansprechenden Sammlerausgaben der Klassiker die Ergänzung durch brandneue Romane. Und was benötigt man für einen Auftakt nach Maß? Richtig, einen möglichst großen Knall. Eine Thematik, welche den Helden in neuem Glanz erstrahlen lässt und somit auch für potenzielle Neueinsteiger interessant ist. Im Falle des Larry Brent-Reboots entschied sich der österreichische Autor, Josef J. (J. J.) Preyer für gleich zwei fundamentale Ereignisse der jüngsten US-Geschichte: die Ermordung John F. Kennedys am 22. November 1963 sowie die Tragödie des 11. September 2001. Letztes Datum markiert auch den Beginn des Romans. Denn an jenem schicksalhaften Dienstag befindet sich Larry Brent auf dem Weg zum World Trade Center, um möglicherweise brisantes Material über das Kennedy-Attentat in Empfang zu nehmen. Doch der New Yorker Verkehr macht ihm einen Strich durch die Rechnung – und rettet ihm zugleich das Leben. Hilf- und fassungslos muss Larry mit eigenen Augen mit ansehen, wie sich der American-Airlines-Flug 11 in den Nordturm bohrt; ebendort, wo Larrys Kontaktperson auf ihn gewartet hatte.

Unmittelbar nach den Anschlägen auf das WTC und das Pentagon befinden sich sämtliche amerikanischen Behörden in höchster Alarmbereitschaft. Auch die PSA. Deren mysteriöser Leiter, X-Ray-1 alias David Gallum, setzt Larry Brent und die attraktive Schwedin Morna Ulbrandson auf den Fall an. Allerdings stehen die Ermittlungen des Duos unter keinem guten Stern; werden potenzielle Informanten brutal ermordet. Dennoch geben die beiden Agenten nicht auf. Wenn auch nur sehr langsam, beginnt sich schließlich doch ein Motiv abzuzeichnen, dessen Ursprünge noch weiter in der Vergangenheit liegen, genauer gesagt in der (angeblichen) ersten Mondlandung am 20. Juli 1969 beziehungsweise in dem erfolgreichen Attentat auf den damaligen US-Präsidenten Kennedy. Doch das Ende der konspirativen Fahnenstange ist damit noch längst nicht erreicht; im Gegenteil. Eine scheinbar übermächtige Organisation scheint im Hintergrund der Strippenzieher zu sein und setzt alles in Bewegung, damit jene Geheimnisse und Zusammenhänge auch weiterhin unter Verschluss bleiben. Dafür nehmen sie auch gerne die Ermordung von Larry und Morna und selbst die Vernichtung der PSA in Kauf …

 

Mit seinem Einstand bei Larry Brent greift Autor Preyer auf ein ebenso brisantes wie erfolgreiches Zugpferd. Nicht erst seit Dan Browns mittelmäßigen Fast Food-Abenteuern haben Verschwörungen wieder Hochkonjunktur, von den zahllosen Fiktionen und Sachbüchern zum Thema 9/11 ganz zu schweigen. Es wäre also keine Überraschung, würde selbst ein versierter Genre-Veteran wie Preyer hiermit Schiffbruch erleiden. Doch er tut es nicht. Stattdessen verknüpft der Autor drei Verschwörungslieblinge zu einem stimmigen Ganzen, ergänzt sie mit einer sorgfältig dosierten Prise Phantastik und rundet diese Mischung mit gut fundierten Kenntnissen und, angedeutet, einer eigenen Meinung über die Geschehnisse ab.

Doch so löblich und beachtenswert Preyers Ansätze auch sein mögen, so liegt ausgerechnet dort auch die kleine Crux des Romans verborgen. Denn seine Verschwörungstheorien mögen zwar faszinierend, ja schockierend sein, werden aber leider streckenweise viel zu ausführlich abgehandelt. Sicher, man staunt über die Fakten, doch irgendwann ist auch das fundierteste Wissen (und Preyer hat in dieser Hinsicht seine Hausaufgaben gemacht) einfach zuviel des Guten und die Ungeduld steigt. Im Gegensatz hätten Teile des Romans wiederum etwas mehr Platz eingeräumt werden können. Besonders das, doch ziemlich knappe, Intermezzo von Larry Brent am Ground Zero wird dabei doch sehr rasch heruntergeleiert. Doch wie bereits erwähnt sind derlei Schönheitsfehler nur marginal. Das Positive überwiegt bei Weitem. So verpasst Preyer dem ansonsten sehr flüssig zu lesenden Buch beziehungsweise dem Titelhelden eine längst überfällige Kurskorrektur, ohne dabei jedoch die Wurzeln vollständig aus dem Auge zu lassen. Der Larry Brent des 21. Jahrhunderts ist weiterhin die gleiche Person, die man lieben- und schätzengelernt hat, jedoch kein geradezu übermenschlich agierender Superheld wie oftmals in den seligen 70ern und 80ern. Vielmehr eine Person mit Stärken und Schwächen. Gleiches trifft auch auf das Umfeld zu. So wurden diverse, nicht mehr zeitgemäße Techniken innerhalb der PSA auf den neuesten Stand gebracht – nicht nur in Ansätzen, sondern etwa in der Form zweier EDV-Experten, von denen eine, Sharon Monastir, auch prompt dem Charme von X-Ray 3 erliegt. Larry Brent der Frauenheld – ein Unterpunkt, der beibehalten wurde. Tja, manche Dinge ändern sich (zum Glück) wohl nie …

 

Fazit:

Willkommen im 21. Jahrhundert, Mister Brent! Trotz kleiner Kinderkrankheiten hat J. J. Preyer mit Die Kennedy-Verschwörung einen tollen Auftakt zum Larry Brent-Reboot geschaffen und der Kult-Reihe die längst überfällige Frischzellenkur verpasst. Man darf also gespannt sein, was noch folgen wird!

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Buch:

Das Kennedy-Rätsel

Reihe: Larry Brent – Neue Fälle Band 1

Autor: J. J. Preyer

gebunden, 208 Seiten

Blitz-Verlag, Oktober 2009

 

ISBN-10: 3898402762

ISBN-13: 978-3898402767

 

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:

Die Serie:

Serienguide zu Larry Brent


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zuletzt aktualisiert: 21.03.2019 12:28 | Users Online
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