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Das Kind des Schicksals von John Dickinson

Reihe: Medieval, Bd. 3

Rezension von Christel Scheja

 

John Dickinson, der Sohn eines bekannten britischen Kinderbuchautoren, ist nun selbst in die Fußstapfen seines Vaters getreten und hat neben Werken im historischen Bereich und einem SF-Roman nun auch seine Fantasy-Trilogie fertig gestellt. Der letzte Band erscheint unter dem deutschen Titel „Das Kind des Schicksals“ und schließt den Kreis, der mit „Die Schlange am Rande der Welt“ begann.

 

Prinz Ambrose ist zu einem stattlichen jungen Mann herangewachsen und dazu bereit, sein Geburtsrecht anzunehmen. Mit seiner Mutter Phaedra an der Seite und einige wenigen Getreuen kehrt er trotz aller Warnungen und Prophezeiungen in die Burg seiner Ahnen zurück und stellt sich der schweren Aufgabe, dem von Krieg zerfressenen Land endlich Frieden zu bringen. Dafür aber muss er sich alleine in die Wildnis begeben um die Lösung eines Rätsels zu finden, die über Wohl und Wehe seines Volkes entscheiden wird.

Derweil findet Thomas Padry, der Kanzler des kriegslüsternen Königs Gueronis in den Ruinen einer Burg ein verzweifeltes Mädchen von adliger Geburt. Er nimmt sich der schönen und stolzen Atti an, die in ihrem Schmerz nur ein Ziel hat, sich ebenfalls Prinz Ambrose anzuschließen, um die Möglichkeit zur Rache an dem zu haben, der ihre Heimat zerstörte und ihre ganze Familie umbrachte. Da der Kanzler sich in sie verliebt hat, bricht er mit seinem eigenen König, um ihr zu folgen.

Attis Kammerzofe wird das gleichaltrige Mädchen Melissa, das aus einer einfachen Familie aus den Bergen stammt und oft genug das sagt und tut, was sie denkt, denn sie hat es nie gelernt, ihre Gedanken und Gefühle zu verbergen oder gar Intrigen zu spinnen.

So nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Denn auch wenn es zunächst als Segen erscheint, dass Ambrose Atti umwirbt und zur Frau nimmt, so ist dies doch sein größter Fehler. Denn auch der weiseste Mann und der stärkste Kämpfer hat keine Chance gegen die Intrigen und den Verrat der Frauen.

 

Wie in den beiden ersten Bänden stehen hier keine blutigen Schlachten und actionreichen Kämpfe im Mittelpunkt der Geschichte, sondern die Menschen an sich. In vielen Handlungsebenen springt der Autor von Charaktergruppe zu Charaktergruppe, führt diese gelegentlich zusammen, trennt diese aber auch wieder. Zu den Interaktionen der Figuren gehören vor allem Intrigen, die bald ein gefährliches Netz bilden und sich teilweise gegenseitig beeinflussen.

Durch die vielen Sprünge ist es daher nicht immer leicht, der Handlung zu folgen, die ihre Spannung aus den stillen Entwicklungen bezieht. Action wird weitestgehend ausgeklammert – selbst die Schlachtfelder werden nur am Rande gestreift und der krieg eher erwähnt als in allen Einzelheiten geschildert.

Aus diesem Grund muss man sehr viel Geduld mitbringen, um die Geschichte wirklich genießen zu können, denn sie entfaltet ihren Zauber erst nach einer ganzen Weile und vor allem, wenn dann auch noch die Charaktere aus den vorhergehenden Bänden auftauchen. Wer sich ein wenig besser mit dem Artus-Mythos auskennt, wird auch da gewisse Parallelen feststellen können, die der Autor aber wunderbar verborgen hat.

Dennoch bleibt das Lesevergnügen nicht ganz ungetrübt, denn gerade zum Ende hin wird der Autor immer kryptischer und geheimnisvoller, führt die Geschichte weder zu einem spektakulären oder gar klaren Ende. Der Leser muss feststellen, dass vieles offen bleibt und manches seiner eigenen Interpretation überlassen. Immerhin gibt es einige phantastische Momente, auch wenn die Welt ansonsten auf ihrem frühmittelalterlichen Niveau bleibt und damit die Bezüge zu Artus nur noch mehr vertieft.

 

Wie seine Vorgängerbände ist auch „Das Kind des Schicksals“ eine magisch-phantastische Geschichte vor mittelalterlichem Hintergrund, die ihren Zauber nur für die Leser entfaltet, die etwas für historisches Ambiente übrig haben, detaillierte Charakterzeichnungen oder Alltagsbeschreibungen mögen und nicht zuletzt genügend Geduld für die manchmal sehr sperrige und insgesamt sehr ruhige Handlung oder das offene Ende mitbringen.

 

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Das Kind des Schicksals

Reihe: Medieval, Bd. 3

Autor: John Dickinson

Bastei Lübbe, erschienen Juli 2011

broschiert, 496 Seiten

Übersetzung aus dem Englischen von Angela Koonen

Titelbild von Wladimir Bondar

ISBN-10: 3404200101

ISBN-13: 978-3404200108

Erhältlich bei: Amazon

Kindle-Edition

ASIN: B005C2XLZM

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.08.2011, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13