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Das Land hinter den Nebeln von Anna Kendall

Rezension von Christel Scheja

 

In „Der Pfad der Seelen“ machte Anna Kendall den Leser mit ihrem Helden Roger Kilbourne und seiner Welt voller Geister und dunkler Magie bekannt. Von einem ungeliebten Waisenjungen zum Hofnarr der Königinnen aufgestiegen, wurde er in gefährliche Intrigen und einen Krieg verwickelt. In der Folge muss er erkennen, dass er mit seiner Gabe nicht einzigartig ist, sondern nur Teil eines gewaltigen Netzes von Menschen, die wie er in der Lage sind, in das Land der Toten zu reisen oder sie für sich nutzbar zu machen.

 

Nachdem er in der entscheidenden Schlacht ein Heer der Toten gegen die wilden Stämme geführt und deren Häuptling ans Messer geliefert hat, ist Roger abgetaucht. Zusammen mit seiner Freundin Maggie und dem Jungen Jee führt er ein kleines Gasthaus in der Nähe eines einsamen Dorfes.

Doch er bleibt wachsam. Schon bald machen Gerüchte von Wilden die Runde, die das Land durchstreifen, weil sie jemanden suchen – Roger und seine Freunde fliehen, als er erkennt, wer hinter ihm her ist.

Aber das ist nur der Anfang einer Irrfahrt, die ihn immer wieder in das Reich der Toten und durch die Länder der Menschen an die Orte führt, die er am wenigsten kennen lernen will. Der Sohn des Mannes, dessen Tod er auf dem Gewissen hat, will zunächst nur Rache, dann aber auch noch etwas anderes von Roger.

Doch der merkt immer deutlicher, dass seine Familie tiefe in die Ereignisse verstrickt ist, als ihm lieb ist, denn nach und nach erfährt er mehr über den Tod seiner Mutter, lernt seinen Vater kennen und seine Halbschwester, die für die Feinde zum Instrument ihres Zorns geworden zu sein scheint ...

 

Diente der erste Band noch dazu, Roger und seine Welt einzuführen, die ausnahmsweise nicht im Mittelalter angesiedelt ist sondern eher in einer Art 17./18. Jahrhundert, beginnt Anna Kendall nun, den magischen Hintergrund auszubauen.

Man erfährt mehr über die Fähigkeiten von Roger, dem magischen Erbe seiner Familie und den einzelnen Gruppen, die um die Macht in den Ländern der Lebenden und der Toten ringen. Zum einen gibt es ruchlose Männer, die die Magie selbstsüchtig einsetzen und denen egal ist, was sie den Seelen damit antun, zum anderen sind die Gruppen, die die abtrünnigen „Hisaf“ aufhalten wollen, einander ziemlich uneins.

Es gibt auch ein Wiedersehen mit Mutter Chilton, Lady Margaret und der jungen Prinzessin, die nach dem Tod ihrer Mutter nun eigentlich nominelle Herrscherin ist.

All das ist in eine abwechslungsreiche Handlung eingebettet, bei der man nie voraussagen kann, in welche Richtung die Geschichte jetzt laufen wird. Konflikte lockern die sehr gedankenlastigen Kapitel auf und sorgen auch für Momente, über die sich Actionfans freuen können.

Die Charaktere bleiben bis auf Roger ziemlich blass. Vermutlich liegt es an der strengen Ich-Erzählung, dass man eigentlich nur seine Befindlichkeiten und Sicht der Welt mitbekommt. Roger ist dermaßen mit sich beschäftigt, dass er kaum etwas vom Wesen der anderen mitbekommt. Das mag man bedauern, lässt es viele doch wie bloße Stichwortgeber wirken, selbst die Personen, mit denen er länger zu tun hat.

Alles in allem bleibt der Spannungsbogen moderat. Es gibt mehrere kleine Höhepunkte, aber keinen der wirklich überzeugen kann. Gerade zum Ende hin werden die Überraschungen Mangelware Immerhin sind zuvor genug Geheimnisse offengelegt, dass Held und Leser einen Grund haben, diesen in der Fortsetzung auf den Grund zu gehen.

 

Alles in allem hat sich „Das Land hinter den Nebeln“ gegenüber „Der Pfad der Seelen“ zwar etwas steigern können, aber die Autorin schafft es immer noch nicht die Geschichte straff und spannend zu erzählen, so dass viele ihrer Ideen eher untergehen, als wirklich herausgearbeitet werden. Dennoch ragt das Buch etwas aus der Masse heraus, da es sich inhaltlich wohltuend von vielen Bestsellern abhebt, weil es nicht auf plakative Klischees und überzogene Melodramatik setzt sondern eher wohltuend nüchterne und realistische Entwicklungen.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Das Land hinter den Nebeln

Autorin: Anna Kendall

Blanvalet, erschienen November 2012

broschiert, 446 Seiten

Übersetzung aus dem Englischen von Simone Heller

Titelbild von Isabelle Hirtz

ISBN-10: 3442267935

ISBN-13: 978-3442267934

Erhältlich bei: Amazon

Kindle-Edition

ASIN: B008L47VCC

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 19.02.2013, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13