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Das Leben der Elfen von Muriel Barbery

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Zwei Mädchen, die in verschiedenen Ländern aufwachsen: Maria, ein Findelkind, lebt in einem Dorf im Burgund, ist der Natur und den Tieren besonders verbunden, versteht deren Sprache. Clara, die als Waise im Haushalt eines Pfarrers in den Abruzzen aufgenommen wurde, spielt, einem Wunder gleich, bezaubernd Klavier. Sie wissen nichts voneinander – bis Elfen es bewirken, dass sie einander kennenlernen. Ihnen könnte es gelingen, die Verbindung der Menschen mit den Elfen und die Harmonie zwischen Himmel und Erde wiederherzustellen. Denn es droht Krieg und eine böse Macht rüstet sich.

 

Rezension:

Ein französisches Buch über Elfen – das verspricht zunächst eine etwas andere Sichtweise auf eines der klassischen Fantasy-Völker. Muriel Barbery erfüllt diese Erwartungshaltung nur zum Teil. Zwar sind ihre Elfen deutlich naturverwandter und damit klassischen französischen Stoffen näher, auf der anderen Seite kleidet sie das Volk in typische Accessoires einer adligen Elite. Schön, die Künste liebend, aber auch von der Macht besessen und überzeugt, den richtigen Plan zu kennen um die Geschicke der Menschen zu lenken.

Die wiederum werden in Das Leben der Elfen für ihre schöpferische Kraft gefeiert, vor allem aber, in Form von bäuerlicher Unschuld, für ein einfaches und dem Land verbundenes Leben.

 

Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Mädchen.

Maria wächst in einem französischen Dorf als Findelkind auf. Ihre Verbindung zur Natur ist stark, sie streift das ganze Jahr über durch Felder und Wälder, versteht die Sprache der Tiere, Pflanzen und Steine. Sie strahlt eine Magie aus, die auch das Leben der Menschen und vor allem das Wetter beeinflusst.

Clara wächst ebenfalls als Waise in einem Dorf auf. Hier ist es der örtliche Priester, in dessen Haushalt das Kind groß wird und durch ein Klavier ihre außergewöhnliche Gabe entdeckt. Sie kann in den Partituren die Geschichten erkennen, die beim Komponieren in sie flossen und spielt die Stücke daher auf eine magische Art. So wird man auf sie aufmerksam und bringt sie nach Rom in den Kreis einer reichen und vor allem mysteriösen Gesellschaft – Elfen.

Die beiden Mädchen verbindet bald nicht nur eine drohende Schlacht miteinander, sondern auch eine dramatische Vergangenheit.

 

Muriel Barbery liebt die epische Naturbeschreibung. Vor den Augen der LeserInnen entfalten sich knackige Winternächte ebenso wie pollenflirrende Sommertage. In ihren Beschreibungen und Metaphern zeigt sich eine tiefe Liebe zur Natur, zu Bäumen, Heilpflanzen und auf eine sehr französische Art zu den Tieren des Waldes. Ihre bäuerlichen Figuren erhalten viele romantische und vor allem heroische Eigenschaften. Durch die Ereignisse und dem Einfluss der beiden Mädchen erblühen ihre einfachen Charaktere zu tiefgründigen Wesen, erkennen Liebe, Mut und Hoffnung. Beständig öffnen sich neue Türen in ihrem Innern, erkennen sie größere Zusammenhänge, schärfen sich die Sinne.

Das kumuliert in einer der seltsamsten Fantasy-Schlachten und erzeugt irgendwann eine Bildersättigung, die sehr dicht am Kitsch vorbeischrammt.

Das spürt man auch in der Oberflächlichkeit, mit der der zentrale Konflikt beschrieben wird. Bis auf eine kurze Szene erhält der Gegenspieler keine charakterisierenden Auftritte und man wird nicht so recht schlau daraus, worum es in diesem aufziehenden Krieg geht und warum er überhaupt nötig ist. Barberys Elfen sind auch hier typische Adlige, die eher aus Launen heraus Kriege führen und dabei keine Rücksicht auf Land und Leute nehmen.

Im Prinzip verweigert sich Muriel Barbery auch einer konkreteren Entwicklung ihrer beiden Mädchenfiguren. Zwar bekommen beide wunderschöne Einführungen und im Laufe der Handlung erfahren wir mehr über ihre Geschichte, aber allzu schnell nehmen sie als Schachfiguren ihre schicksalsbestimmte Position ein und verblassen zusehends.

Irritierend sind auch die vielen Verknüpfungen mit christlichen Mythen.

Teilweise stellt Muriel Barbery den christlichen Glauben als wesentlichen Bestandteil der bäuerlichen Kultur dar. Vor allem die Bäuerinnen verbinden Magie und Glaube zu machtvoller Lebensweisheit. Dann wieder gibt es Momente, in denen Magie und Natur jegliche Religion negieren.

Es sind diese vielen kleinen Inkonsequenzen, die »Das Leben der Elfen« von Muriel Barbery zwar zu einem zuckersüßen Märchen, aber leider nicht zu einem bezaubernden Werk der Phantastik machen.

 

Fazit:

»Das Leben der Elfen« von Muriel Barbery erzählt die Geschichte zweier Waisenkinder inmitten eines Krieges mit malerischen Worten. Während der Bilderrausch über weite Strecken eine traumhafte Atmosphäre erschafft, gewinnt der Hintergrund zu wenig Tiefe um einen dauerhaften Eindruck zu hinterlassen.

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Eure Meinung:

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Buch:

Das Leben der Elfen

Originaltitel: La vie des elfes, 2015

Autorin: Muriel Barbery

Übersetzerin: Gabriela Zehnder

Gebundene Ausgabe, 304 Seiten

dtv, 18. März 2016

 

ISBN-10: 3423280743

ISBN-13: 978-3423280747

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B017RCSW9O

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.05.2016, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13