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Das Licht des Orakels von Victoria Hanley

Rezension von Lars Perner

 

Das Licht des Orakels ist nach Das Auge der Seherin und Die Vögel der Finsternis das dritte Buch von Victoria Hanley, welches in der gleichen Fantasywelt spielt. Erstmals im Jahre 2005 in deutscher Übersetzung erschienen, wird es nun als günstiges Taschenbuch erneut aufgelegt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein kurzer aber entscheidender Lebensabschnitt von Bryn; Tochter eines Steinhauers aus ärmsten Verhältnissen. Durch ihre Tagträumereien ist sie niemandem von Nutzen und bringt sich darüber hinaus auch noch in Lebensgefahr. Weil sie einer Distelwolke hinterherjagt, wird sie fast von einer Gruppe Reiter niedergetrampelt. Dabei handelt es sich um den Meisterpriester Renchald und seinem Gefolge. Doch das vermeintliche Unglück entpuppt sich als Segen, denn der Meisterpriester hat Bryns wahres Wesen erkannt und möchte sie zur Ausbildung mit zum Orakel nehmen. Bryn hat nämlich die Gabe zukünftige Dinge vorherzusehen und wäre damit im Orakel besser aufgehoben als im Steinbruch. Begeistert folgt sie also dem Meisterpriester in eine bessere Zukunft. Doch bereits auf der Reise stellt sich heraus, daß das Leben im Dienste des Orakels kein Zuckerschlecken werden wird. Clea, die zickige Tochter Lord Barringtons, macht ihr das Leben zur Hölle und auch von anderen erfährt Bryn eher Verachtung denn Unterstützung. Diese unerfreuliche Situation verschärft sich noch, als sie im Orakel ankommen. Bis dahin hat sich zwischen Clea und Bryn schon eine Erbfeindschaft angebahnt. Doch auch jetzt entpuppt sich Bryns Unglück als Glücksfall, denn sie lernt auf Grund der Ausgrenzung die richtigen Leute kennen. So wächst ihr Können stetig bis zur Vogelweihe. Um Priester des Orakels zu werden, muß man nämlich persönlich von einem Vogel erwählt worden sein, was einem Menschen dann je nach Vogel außergewöhnliche Fähigkeiten verleiht. Natürlich wird Bryn nicht von irgendeinem Vogel erwählt, sondern vom Herrn aller Vögel – vom Wind. Dies ist extrem selten und ihrer Widersacherin Clea ein Dorn im Auge. Kurz darauf verflucht Clea Bryn; und deren Macht, die ihr der Wind verliehen hat, schwindet. Diese oberflächlichen Machtkämpfe unter den angehenden Priesterinnen überschattet aber ein viel größeres Unglück. Dem ganzen Land droht unbekanntes Unheil, welches nur von jemandem aus dem Orakel gestoppt werden kann, da es hier auch seinen Ursprung hat. Ob es Bryn gelingt dies zu erkennen und vor allem rechtzeitig ihre Macht wiederzuerlangen und das Unheil abzuwenden, sollte jeder selbst lesen.

„Das Licht des Orakels“ ist keine herkömmliche Fantasy-Erzählung, sondern eigentlich handelt es sich um ein Märchen. Die bösen Charaktere sind wirklich abgrundtief böswillig und die guten sind schon beinahe alles Heilige. Fast könnte man meinen, die Charaktere sind überzeichnet. Nur zum Schluss schafft es ein Charakter zu zeigen, dass es zwischen schwarz und weiß doch noch jede Menge Schattierungen gibt. Bryns vermeintliche Missgeschicke sind meist nur die Grundlage für eine noch strahlendere Zukunft, die vor ihr liegt. Was sie eigentlich auch wissen müsste, da sie schließlich die begnadetste Seherin des ganzen Reiches ist.

Im Buch befinden sich zur besseren Übersicht zwei Landkarten, welche nicht unbedingt erforderlich sind, es aber einfacher machen, sich auf den Schauplätzen zurechtzufinden. Ein kleines Glossar in dem die Götter und spezielle Bezeichnungen dieser Fantasywelt erläutert werden, ist ebenfalls vorhanden. Auch wenn teilweise Bezüge zu den anderen beiden Büchern der Reihe bestehen, ist deren Kenntnis aber durchaus verzichtbar. „Das Licht des Orakels“ ist auch als eigenständiges Buch gut lesbar und verständlich.

 

Fazit:

„Das Licht des Orakels“ ist unterhaltsame, spannende Jugendliteratur mit interessanten Ansätzen, die herkömmliche Fantasykost etwas abzuwandeln. Die stark überzeichneten Charaktere lassen die Erzählung aber zu unrealistisch und märchenhaft erscheinen.

Eure Meinung:


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Buch:

Das Licht des Orakels

Autorin: Victoria Hanley

Aus dem Englischen von Anna Blankenburg

Beltz, März 2007

Broschiert, 358 Seiten

ISBN-10: 3407740328

ISBN-13: 978-3407740328

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 16.05.2007, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53