Das magische Messer von Philip Pullman

Reihe: His Dark Materials, Band 2

Rezension von Christel Scheja

 

Im Zuge der Verfilmung hat sich der Heyne Verlag dazu entschlossen, den Roman „Der Goldene Kompass“ und seine beiden Nachfolger noch einmal in einer neuen und am Film orientierten Aufmachung heraus zu geben. Zweiter Band der Trilogie ist „Das magische Messer“.

Während „Der goldene Kompass“ noch davon erzählte, wie die junge Lyra mit Hilfe von Gyptern, Hexen und Eisbärsöldnern hinter die Machenschaften zweier skrupelloser Wissenschaftler kam, welche die Schöpfung und Gott selbst herausfordern wollten, wendet sich dieser Band nun unserer Erde und dem fast gleichaltrigen Will zu.

 

Der Sohn eines namhaften allerdings vor Jahren verschwundenen Polarforschers ist auf der Flucht. Er weiß nicht warum, aber es ist ihm wichtiger, die letzten Briefe seines Vaters vor dem Zugriff Unbekannter zu schützen, als bei seiner Mutter zu bleiben, die dem Wahnsinn anheim gefallen ist. Was ist an ihnen so brisant und gefährlich, dass ihr Inhalt nicht an die Öffentlichkeit geraten soll?

Ehe er sich versieht, gerät er mitten auf einer Wiese in Oxford durch ein Tor in eine andere Welt. Dort begegnet er dem Mädchen Lyra, das auf der Suche nach ihrem Vater ist. Gemeinsam müssen die beiden nun vor den Verfolgern fliehen und schmieden schon bald ein Bündnis, weil sie keine andere Wahl haben und erkennen, dass sie etwas Bedeutsames miteinander verbindet.

Lyra berichtet dem Jungen von der magischen Verschwörung, die das Universum zu zerstören droht und Will begreift zwei Dinge: Auch sein Vater scheint bereits damit in Berührung genommen zu sein. Denn sonst würden die Verfolger nicht auch von einer anderen Erde als einer eigenen stammen.

Ohne es wirklich herauszufordern führt sie ihr Weg durch andere Tore und Ebenen schließlich zum „Turm der Engel“. In dem alten und verlassen scheinenden Gemäuer finden sie ein einfach aussehendes Messer, das in Wirklichkeit ein mächtiges Artefakt ist, fähig dazu Fenster zu Millionen von parallelen Welten zu öffnen.

Die Kinder ahnen nicht, dass ihre Verfolger nun um so mehr daran interessiert sind, sie in die Hände zu bekommen. Denn damit sind Lyra und Will im Begriff ein uraltes Vermächtnis zu erfüllen, dass die Hexenstämme des Nordens für sie vorbereitet haben. Und nun greifen die zauberkundigen Frauen ein, um ihre Auserwählten zu beschützen. Selbst um den Preis ihrer eigenen Existenz.

 

Zweite Bände neigen dazu, immer etwas im Raum zu stehen, da sie die Handlung fortführen und zum Abschluss überleiten müssen. Naturgemäß sieht es in diesen Geschichten für die Helden besonders übel aus, und das ist auch in „Das magische Messer“ der Fall. Lyra findet in dem etwa gleichaltrigen Will einen Verbündeten, der das gleiche Schicksal wie sie hat, aber sie werden auch beide ordentlich gebeutelt und geraten in tödliche Gefahren. Nur kurz ist es Lyra möglich Kind zu sein, und bei Fastfood und Kino zu entspannen, dann reißt sie Will mit in ein magisches Abenteuer, in dem die Grundfesten ihres bisherigen Lebens noch mehr erschüttert werden. Will und Lyra begegnen auf ihrer Flucht durch seltsame Landschaften und magische Orte Menschen, die im Leben ihrer Eltern eine wichtige Rolle gespielt haben und erfahren mehr über die magischen Geheimnisse, die diese im Begriff sind aufzudecken und nun unter ihren Willen zu zwingen.

Mehrfach ist ihr Mut und ihre List gefordert, mehr und mehr bekommen die Kinder zu spüren, dass sie viel verlieren werden, wenn sie ihren Weg weiter gehen werden. Aber haben sie eine andere Wahl?

Im Gegensatz zu Lyra ist Will ein nicht ganz so starker und lebendiger Charakter, bietet aber eine gute Ergänzung zu dem eigenwilligen und selbstbewussten Mädchen.

Wie auch schon im ersten Band sind die Abenteuer von Lyra und ihrem Gefährten Will längst nicht so oberflächlich, wie sie auf den ersten Blick erscheinen, denn er spielt mit immer wichtigeren philosophische Grundfesten des Christentums und stellt sie in Frage. Zwar geschieht das auf eine sehr dezente und höfliche Art und weise, dürfte aber gläubigen Menschen durchaus Unbehagen bereiten, denn sein Schöpfer ist nicht ganz fehlerlos und hat etwas hinterlassen, das der Geschichte erst den Antrieb gibt.

Denn „His dark Materials“ bietet zu viele Verlockungen für Menschen wie Lord Asriel und Lady Coulter. Zwar ist letztere im Auftrag der Kirche unterwegs, um weitere Ketzerei zu verhindern, aber auch das hindert sie nicht daran, eigene Wege zu gehen, die ganz und gar nicht im Sinne des Glaubens sind.

 

Auch „Das magische Messer“ ist damit mehr als nur ein spannendes Märchen oder eine exotische Abenteuergeschichte. Wenn man genau hinsieht, kann man in dem Buch weitaus mehr als nur seichte Unterhaltung für Kinder entdecken.

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Buch:

Das magische Messer

His Dark Materials Band 3

Autor: Philip Pullman

broschiert, 335 Seiten

Heyne, erschienen September 2007

ISBN 978-3-453-50321-2

Übersetzung aus dem Englischen von Wolfram Ströle

Titelbild von Cliff Nielsen

ab 12 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49 | Users Online
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