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Das Mond-Orakel von Katja Brandis

Reihe: Feuerblüte, Band 3

Rezension von Christel Scheja

 

„Das Mond-Orakel“ ist bereits der dritte Roman des „Feuerblüte“-Zyklus und der sechste aus der Welt von Daresh. Die Bücher von Katja Brandis haben allerdings den Vorteil in sich geschlossene Abenteuer und keine fortlaufende Geschichte zu erzählen, so dass man die Vorgängerromane nicht unbedingt kennen muss, um diesen Band genießen zu können.

Man merkt zwar, dass vorher schon etwas geschehen ist, die wichtigsten Punkte werden aber innerhalb der Handlung noch einmal erzählt.

Daresh ist ein Land, dass von magischen Grenzen beschützt wird. Vier Gilden, deren magische Gaben den Elementen zugeordnet sind, sorgen für den Erhalt ihrer Welt. Allerdings blicken diejenigen, die die Elemente kontrollieren können, verachtungsvoll auf die Ausgestoßenen herab, die sich entweder keinem oder mehreren Bereichen zugetan fühlen und viele behandeln auch die Tiermenschen wie Wesen zweiter Klasse.

 

Die Geschichte teilen sich in diesem Band wieder einmal die Vermittlerin Rena vom Erdenvolk und Alena, die Tochter ihrer besten aber früh verstorbenen Freundin Alix, die offen und ungestüm das sagt, was sie denkt.

Seit einiger Zeit vertrauen die Menschen nicht mehr länger nur der Regentin und den Gildenoberen, sondern auch drei besonders begabten Anderskindern, die ganz offensichtlich in die Zukunft sehen können, und diese in kryptische Äußerungen fassen.

Auch Rena sieht sich die Kinder genauer an, um heraus zu finden, ob nicht wieder ein Betrüger wie der „Prophet des Phönix“ die Menschen verführen will. Ihr sind die Kleinen von Anfang an unheimlich und so stellt sie verschiedene Nachforschungen an, um deren Geheimnis auf die Spur zu kommen, auch wenn sie dabei in große Gefahr gerät. Doch durch Beharrlichkeit kommt sie tief im Inneren der Welt schließlich dem großen Geheimnis auf die Spur und erlebt eine besondere Überraschung.

Derweil steht Alena ihrem Freund Jorak zur Seite, der als Gildenloser viele Demütigungen ertragen muss, jedoch nicht bereit ist, so leicht klein bei zu geben. Da er über die Fähigkeiten von zwei Gilden - über Feuer und Luft - gebietet, versucht er zunächst von beiden akzeptiert zu werden, doch diese stellen ihm schier unlösbare Aufnahmebedingungen. Und als das nicht klappt, kommen er und Alena auf eine ganz andere Idee, die durch Renas Funde eine solide Basis bekommt. Warum nicht eine fünfte Gilde gründen, die all die vereint, die keine eindeutige Gabe besitzen? Doch werden die bereits existenten Gemeinschaften das nicht als Bedrohung ansehen und dagegen vorgehen?

 

Man merkt zwar, dass auch „Feuerblüte – Das Mond-Orakel“ in erster Linie als Jugendbuch konzipiert ist, die Handlung Zugeständnisse macht, wenn es um Gewalt und Erotik geht, aber gerade in diesem Band spricht die Autorin schon weitaus ernstere Töne an, gerade wenn es um die Zweiklassen-Gesellschaft in Daresh und den Kampf um Anerkennung geht, der am Ende sogar in einer blutigen Auseinandersetzung gipfelt. Sie nennt die Dinge beim Namen, auch wenn sie diese nicht um der Effekthascherei willen auswalzt, sondern auf einem sachlichen Niveau bleibt. Wieder fügt sie dem exotischen Hintergrund neue Facetten hinzu und deutet an, dass es vielleicht auch eine Welt hinter den Grenzen Dareshs gibt. Vor allem wird die Ur-Geschichte des magischen Landes erweitert.

Wie immer konzentriert sich Katja Brandis dabei vor allem auf ihre Hauptpersonen, die zu treibenden Kräften in der Entwicklung des Landes werden, weil sie als Erste bereit sind, Vorurteile und Ängste über Bord zu werfen und auch Veränderungen offen ins Gesicht zu sehen, so schwer es ihnen auch fällt. Denn Rena ist genau so wenig perfekt wie Alena. Die Vermittlerin hat zunächst ihre Probleme mit den Kindern und möchte diese am Anfang am Liebsten übers Knie legen, gewinnt sie aber später, als sie den Hintergrund kennt, besonders lieb. Die Kriegerin ist nicht immer fair und begeht durch ihre Ungeduld mehrere Fehler, die sie fast das Leben kosten.

All das ist in kleine, gut nachvollziehbare Abenteuer verpackt, die am Ende zu einem gemeinsamen Höhepunkt führen. Zwar ist die Handlung dadurch selbst immer noch recht schlicht, die Figuren gewinnen gegenüber den früheren Büchern viel mehr Profil und Lebendigkeit und sind erwachsen geworden.

 

„Das Mond-Orakel“ ist damit der bisher ausgereifteste „Feuerblüte“-Roman, der zwar einerseits der traditionellen Käuferschicht entgegen kommt, andererseits aber auch erstmals interessante Ideen und Wendungen bietet, die auch erfahrene Leser überzeugen werden.

Eure Meinung:


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Buch:

Das Mond-Orakel

Reihe: Feuerblüte, Band 3

Autorin: Katja Brandis

gebunden, 461 Seiten

Ueberreuter, erschienen Januar 2008

ISBN 978-3-8000-5385-8

Titelbildgestaltung von Nele Schütz Design

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 16.03.2008, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53