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Das Paradies der Schwerter von Tobias O. Meißner

Rezension von Carmen Huber

 

Sechzehn Männer reisen aus dem ganzen Land an, um an einem Turnier teilzunehmen.

 

Sechzehn Kämpfer, die aus den unterschiedlichsten Gründen für ein lächerlich geringes Preisgeld ihr Leben riskieren.

 

Sechzehn Schicksale, die in einer hölzernen Arena kollidieren.

 

Aber nur ein Sieger.

 

Da wäre einmal Saul, ein seltsamer, schweigsamer Mann, der mit seinem Pflug durch das ganze Land zieht. Dann die beiden Brüder Andreus und Eljatin, die das Preisgeld brauchen, um für ihre jüngeren Geschwister zu sorgen. Der junge Wandermönch Zhou mit seinem Kampfstab, der sich zu diesem Turnier überreden ließ. Der hünenhafte Krieger Thruac, der es auf seine schon etwas älteren Tage noch einmal wissen will. Der bereits vor dem Turnier dem Tode geweihte Wilderer Alam. Balkwist, ein versoffener Soldat, der hofft, durch einen Sieg wieder Ruhm und Ehre zu erlangen. Der gefeierte Degenmeister DeVlame, der dieses Turnier bereits zweimal gewonnen hat und es auch noch ein drittes Mal für sich entscheiden möchte. Carper, ein brutaler Bandit, der normalerweise als „Schmetterling“ mit zwei Kumpane Dörfer überfällt und Angst und Schrecken verbreitet. Der junge, charismatische Schwertkämpfer Jaynes, der seit einem Kampf stumm ist und sein verstümmeltes Gesicht hinter einer Halstuch versteckt. Wintry, ein Kopfgeldjäger, der hinter Carper her ist und für den das Turnier eigentlich nur Mittel zum Zweck ist. Der brutale, verrückte und kampfbesessene Patrizier Crao. Bucthoy, ein Fremder, der eigentlich nur auf der Durchreise ist und den der Zufall oder das Schicksal zu diesem Turnier geführt hat. Der Menschenfresser Maliw, ein armes und geistig zurückgebliebenes Geschöpf, das von einem skrupellosen Geschäftemacher zum Töten abgerichtet wurde. Der Gladiator Quenzais, der um seine Freiheit kämpft. Nanomai, der sich selbst „Nichts“ nennt und stets waffenlos kämpft.

 

Sechzehn Männer, sechzehn verschiedene Gründe, an dem Turnier teilzunehmen und sein Leben zu riskieren. Sechzehnmal verschiedene Hoffnungen, Wünsche und Sehnsüchte.

 

Aber nur einer kann siegen, während der Tod allgegenwärtig ist ...

 

 

Fast die ganze erste Hälfte widmet der Autor seinen Kämpfern, deren Schicksale er geschickt erzählt. Gleich sechzehn Protagonisten werden am Anfang vorgestellt; die einen schließt man gleich ins Herz, während man gegen andere sofort eine große Abneigung verspürt und man wieder andere einfach bemitleidet. Meist nur auf wenigen Seiten erfährt man etwas über die Kämpfer, nur Bruchteile aus ihrem Leben, bis sie alle sich in der Arena begegnen und von Veranstalter und Massen aufeinander gehetzt werden. Die Geschichte selbst ist schockierend und erschreckend, zugleich aber auch faszinierend und ungewöhnlich. Sie erzählt von der blutigen Sensationslust der Massen; von der Habgier der Veranstalter, für die der maximale Gewinn das Einzige ist, was zählt; von Männern, die völlig unbeeindruckt von Tod, Blut und Schmerzen ihre Wetten abschließen. Zugleich berichtet sie aber auch von vielen traurigen Schicksalen, von zerstörten Hoffnungen und sinnlosem Sterben – und zeigt, dass auch der Gewinner nicht unbedingt gesiegt hat ...

 

Eines ist klar: „Das Paradies der Schwerter“ ist ein absolut einzigartiges Buch. Es fällt aus allen üblichen Rahmen, was schon einmal die erste positive Eigenschaft ist. Zugleich aber auch wirkt die Geschichte aufrüttelnd und durch seine schockierende, teils kaltblütige Berichterstattung erschütternd. Es geht nicht nur um bloße Kämpfe, sondern auch um die Charaktere, deren Blut in der Arena vergossen wird, ohne dabei einen Favoriten oder einen „Bösen“ dem Leser vorzugeben. Aber das wirklich Erschreckende daran ist, dass man mitunter das Gefühl erhält, in einen Spiegel unserer eigenen Gesellschaft zu blicken: Zwar teils ins Extreme verzerrt, aber mit denselben Grundlagen: Sensationslust der Massen, Gleichgültigkeit gegenüber Leid und Tod, Materialismus und Gewinnsucht. Eines ist aber sicher: „Das Paradies der Schwerter“ ist ein wirklich gutes Buch, das einem noch lange im Gedächtnis bleibt.

 

Auch die Gestaltung ist gut gelungen und teils genauso ungewöhnlich wie die Geschichte: Die Seitenzahlen stehen diesmal nicht brav unten in der Ecke, sondern sind in unterschiedlicher Höhe am äußeren Rand verteilt. Mit seinen 360 Seiten ist „Das Paradies der Schwerter“ auch nicht unbedingt ein besonders dickes Taschenbuch, wenngleich es auch trotz seiner geringen Länge sicher lesenswert ist.

 

Fazit:

Ein ungewöhnliches, schockierend-faszinierendes Buch; auf seine Art sicher absolut einzigartig.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Das Paradies der Schwerter

Autor: Tobias O. Meißner

Taschenbuch, 361 Seiten

Piper, Januar 2006

ISBN: 349226588X

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.06.2006, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13