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Das Rätsel von Alison Croggon

Reihe: Pellinor Saga Band 2

Rezension von Christel Scheja

 

Nach dem eher epischen und von Waffengeklirr erfüllten High-Fantasy-Romanen, in denen die Action dominierten, scheint nun wieder die Zeit der stilleren Geschichten zu kommen, in der Magie und Mystik, die Interaktion der Charaktere und komplex ineinander verwobene Geheimnisse eine Rolle spielen.

Die Australierin Alison Croggon entführt mit ihrer vierbändigen „Pellinor-Saga“, deren zweiter Band „Das Rätsel“ nun erschienen ist, in eine längst vergessene Frühzeit der Erde, ein verborgenes Zeitalter voller Magie, in dem Menschen mit besonderen Fähigkeiten die einzige Hoffnung vor den Kräften der Finsternis sind. Allerdings führen die sogenannten Barden ein seltsames Leben zwischen Achtung und Furcht. Auch wenn die meisten Menschen ihnen dankbar für die Hilfe und den Schutz sind, so gibt es auch solche, die sie ob ihrer Gaben fürchten und vernichten.

Maerad hat lange als Sklavin unter solchen Menschen in der Burg Gilmans Feste gelebt gelebt, bis sie von einem Mann namens Cadvan gerettet wird. Dieser nimmt sie mit in eine Welt, die nicht minder gefährlich ist als ihr Leben in Knechtschaft.

Das junge Mädchen erfährt von ihm, dass nicht nur er ein Barde ist, sondern auch sie aus einer besonders begabten Familie stammt und vielleicht sogar deren Gaben geerbt hat. Und die seltsamen Ereignisse auf der Reise bestätigen ihm noch mehr. Sie könnte die Auserwählte sein, von der eine alte Prophezeiung spricht und dazu bestimmt sein, eine Dunkelheit aufzuhalten, die sich langsam aber sicher über das Land senkt.

Aber nicht alle sind seiner Meinung. Vor allem Enkir der erste Barde von Norloch. Anstatt Cadvan zu vertrauen und Maerad zu beschützen, bezeichnet er die beiden als Verräter, so dass diesen gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als zu fliehen. Denn wie er mit seinen Gegner umspringt bekommen enge Freunde am eigenen Leib zu spüren.

Nun kommen neben den üblichen Verfolgern wie Untote, Grabunholde oder Werwesen nun auch Jäger hinzu, die dem verräterischen ersten Barden gehorchen und sich ihren Lohn verdienen wollen.

Doch es gibt auch noch Menschen, die ihnen vertrauen und glauben. Gerade die Verwandten von Maerads verstorbenem Vater geben den beiden Schutz, auch wenn sie dadurch unter Acht und Bann fallen könnten. Sie helfen Maerad mehr über sich und ihre Bestimmung zu erfahren und die Wege der Barden zu erlernen.

Dabei beginnt das junge Mädchen immer mehr von dem zu verstehen, was sie erwartet. Und so ist die Gefangenschaft und der Aufenthalt im Palast des Winterkönigs, in den es sie kurze Zeit später verschlägt, nur eine weitere Prüfung auf dem Weg zu ihrer Bestimmung.

 

Eigentlich sollte man die Pellinor-Saga weniger mit den Werken Tolkiens vergleichen als mit anderen klassischen High Fantasy Geschichten wie Erdzauber von Patricia A. Mc.Killip oder die Erdsee-Saga von Ursula K. LeGuin. Ähnlich wie in diesen Beispielen schlägt das Buch eher leise Töne an und konzentriert sich auf Einzelschicksale. Magie, Musik und die wahren Namen der Dinge spielen eine große Rolle, nicht der Kampf. Maerad muss ihren Gegnern eher mit List und Verstand entgegen treten als mit einer Waffe.

Dazu passen auch die Figuren: Alison Croggons Heldin ist erfrischend nüchtern und pragmatisch, und neigt anders als viele andere „starke“ Frauen nicht zur Gefühlsduselei. Ihre Gefährten und Freunde sind sehr menschlich, machen auch schon einmal Fehler und haben Schwächen, erweisen sich aber in anderen Momenten auch als stärker als man gedacht hat.

Action wird auch in diesem Band sparsam eingesetzt, obwohl die Helden mehr unterwegs sind. Wie auch schon im ersten Band „Die Gabe“ entsteht die Spannung weniger durch Kampfszenen als durch die schrittweise Enthüllung der ganzen Rätsel, die man als Leser gemeinsam mit Maerad entdeckt und wie sie nach und nach in die Welt und ihre Gegebenheiten hinein wächst.

Allerdings sollte man schon etwas Leseerfahrung haben, denn die Autorin arbeitet sehr viel mit subtilen und teilweise komplexen Zusammenhängen, die man durchschauen muss.

 

Auch „Das Rätsel“ ist eher magische als epische High Fantasy, die auf große Gefühle und wilde Action verzichtet, dafür aber auf eine Geschichte mit Atmosphäre und Tiefgang setzt, die noch viele Überraschungen erwarten lässt und vor allem durch ihren komplexen Hintergrund überzeugen kann.

 

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Das Rätsel

Reihe: Die Pellinor-Saga, Bd. 2

Autor: Alison Croggon

Original: The Riddle, AUS 2004

Broschiert, 494 Seiten

Bastei-Lübbe, erschienen April 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Michael Krug

Titelbild von Frank Fiedler, Gedichtübertragung & Kartenzeichnungen von Helmut W. Pesch

ISBN-10: 3404285158

ISBN-13: 978-3404285150

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.06.2008, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13