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Das Rätsel der Drachen von Evelyne Okonnek

Rezension von Carsten Kuhr

 

Als der Handelsherr Khandir mitten auf dem Meer von zwei Stürmen gleichzeitig heimgesucht wird, verschlägt es sein Schiff zu den Dracheninseln. Auf einer der sagenumwobenen Inseln findet er ein kleines Mädchen, und nimmt dieses als Tochter an. Zurückgekehrt in seine Heimatstadt Yannah gründet er eine neue Familie, zu Sylat gesellen sich bald weitere Kinder. Mit dem Erstgeborenen Pachiro aber verbindet Sylat in den nächsten 17 Jahren ein besonders enges Band. Die beiden vom Wesen her so unterschiedlichen Kinder fühlen sich zueinander hingezogen, stellen sich gemeinsam der nur zu oft feindseligen Umwelt. Als ein Feuerdämon die Hafenstadt heimsucht, machen sie sich zusammen auf die Jagd nach dem Ungeheuer. Über Jahre büchsen sie nachts aus ihrem behüteten und geschützten Heim im begüterten Viertel der Stadt aus, und durchsuchen die Slums nach dem Unhold, der immer wieder Häuser und deren Bewohner in Flammen aufgehen lässt. Trotz alle ihrer Nachforschungen aber kommen sie dem mysteriösen Täter über all die Jahre nicht auf die Spur. Erst als die Beiden sich auf die Suche nach der verschollenen Herkunft Sylats machen, und mit einem entflohenen Sklaven die Dracheninsel ansteuern, lichtet sich das Mysterium. Doch zunächst gilt es ein wahres Labyrinth von Toren und Prüfungen zu überwinden, bevor die Götter selbst das Geheimnis lüften..

 

Okonnek, die Wolfgang Hohlbein Preisträgerin des Jahres 2006 erzählt diesmal eine auf den ersten Blick anheimelnde Geschichte. Es geht, endlich einmal bin ich versucht zu sagen, nicht um die Rettung der Welt vor dem ultimativen Bösen, es geht um eine Familie, die Bedeutung von Werten wie Freundschaft und Vertrauen, um Liebe und Verlust.

 

Einfühlsam schildert sie uns zunächst vom Schicksal des Handelsherren. Als Flüchtling arbeitet er sich mit Fleiß aus den Slums hoch, verliert seine erste Frau just zu dem Zeitpunkt, als er sein Herz dem Findelkind öffnet. Später findet er eine neue Liebe, sorgt sich rührend um seine Familie. Durch seine Herkunft bedingt, versucht er fast schon krankhaft diese vor Unbill zu schützen, packt seine Kinder in einen schützenden Kokon und nimmt diesen so ihre Freiheit. Gerade diese Gluckenmentalität und das Aufbegehren der heranwachsenden Kinder, die selbst für sich und ihr Leben Verantwortung übernehmen wollen, die Erfahrungen sammeln möchten und von ihrem Übervater daran gehindert werden, wird sehr eindringlich und überzeugend dargestellt. Das natürliche Aufbegehren der Kinder gegen den Patriarchen, der Neid und Missgunst untereinander, der Wettstreit der Geschwister um die Anerkennung des Familienvorstands sind sehr schön herausgearbeitet. Das sind mehr leise Töne, da spielen Actionszenen, blutige Kämpfe keine Rolle.

 

Später dann gilt es die Herkunft Sylats zu erkunden, werden die übernatürlichen Sequenzen mehr betont, und finden in den Drachen und deren Geheimnis ihren Höhepunkt. Allerdings ist eben jenes Finale meines Erachtens der schwächste Teil des Buches. Zwar wird auch an dieser Stelle die schwierige Problematik des Loslassens, des sich Lösens aus alten Bindungen behandelt, doch alles wirkt sehr rührselig und damit fast schon kitschig.

Ich hätte mir hier gewünscht, dass die Autorin den Mut besessen hätte ihren eingeschlagenen Weg weiterzugehen, und nicht die Bösen bestraft und die Guten belohnt hätte.

 

Insgesamt gesehen ein Roman der leisen Töne, was nicht unbedingt heißen muss, dass der Plot seine Leser nicht zu fesseln weiß, dass nicht Spannung und Faszination aufkommen. Der Roman zeigt mir eine Autorin, die ihrem Debüt ein Buch folgen lässt, das ihren Reifeprozess als Autorin dokumentiert, das bewusst versucht, eigene Wege zu gehen und dabei insgesamt gesehen erfolgreich ist.

Eure Meinung:


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Buch:

Das Rätsel der Drachen

Autor: Evelyne Okonnek

Ueberreuter Verlag, März 2007

Hardcover, 351 Seiten

Titelillustration: Stephen Hickman

ISBN-10: 3800053225

ISBN-13: 978-3800053223

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 21.04.2007, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53