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Das Reich der Elben von Alfred Bekker

Reihe: Elben Trilogie Band 1

Rezension von Carina Schöning

 

„Das Reich der Elben“ ist der Auftakt zur neuen „Elben-Trilogie“ von Alfred Bekker, der unter diversen Pseudonymen schon fast alles von Krimi, Western, Bergroman bis hin zu Fantasy und Science Fiction geschrieben hat. Besonders die Fans von „Sternenfaust“, „Rhen Dark“ und „Jerry Cotton“ kennen und schätzen seinen klaren und fesselnden Schreibstil.

 

Vor langer Zeit haben die langlebigen Elben das Land Athranor verlassen und sind mit Schiffen aufgebrochen, um den Traum von Bathranor zu erfüllen und endlich die Gestade der Erfüllten Hoffnungen zu erreichen. Ihre Zahl hat sich nach und nach stark vermindert, denn eine merkwürdige Krankheit, die Lebensüberdruss genannt wird, bricht unter dem Volk aus. Selbst die Mitglieder des Königshofes sind nicht davor sicher. Die Elben verlieren einfach nach jahrhundertlangen Segeln den Lebensmut, werden gleichgültig und wählen dann den Freitod in den Fluten des Nebelmeeres.

 

Plötzlich kommt unerwartet Land in Sicht und der Elbenkönig Keandir kann sein Glück kaum fassen. Zusammen mit ein paar Kriegern geht er an Land. Die Insel scheint relativ klein zu sein und bis auf wenige geheimnisvolle Monumente einer untergegangenen Zivilisation gibt es nichts Besonderes. Auf einmal werden sie jedoch von geflügelten Affenwesen angegriffen und Keandir wird zusammen mit Branagorn von einem menschenähnlichen Wesen gerettet.

Dieses augenlose Wesen erzählt ihnen die Geschichte der Insel Naranduin. Einst wurde er nach einem Streit von seinem eigenen Bruder auf die Insel verbannt und verflucht. Hinter Naranduin ist ein großer Kontinent, das Zwischenland, das scheinbar nur auf die Besiedlung der Elben wartet, aber Keandir muss vorher den Seher von seinem Fluch befreien und sein vorgesehenes Schicksal zu seinen Gunsten ändern…

Anfangs ist Keandir noch misstrauisch, aber nach und nach zieht ihn eine dunkle Kraft auf Seite des Sehers und er fühlt sich auserwählt. Sein Untertan und Freund Branagorn dagegen bleibt misstrauisch. Auch nach dem Tod des Sehers fühlt er, dass irgendwie das Böse auf den Elbenkönig übergegangen ist.

 

Zur gleichen Zeit erfährt Keandirs Frau von einer Heilerin, dass sie schwanger ist. Und sogar doppelt gesegnet, da sie Zwillinge erwartet. Nachts kommen jedoch Alpträume und Visionen. Ruwen sieht wie sich ihre erwachsenen Söhne Andir und Magolas gegenseitig mit den zwei unterschiedlichen Zauberstäben des Sehers bekämpfen. Trotz ihrer Angst, lässt sie sich aber von ihrem Mann überzeugen, dass die Schwangerschaft ein gutes Zeichen für den Neubeginn ist und sie selber das Schicksal ändern können.

Selbstbewusst und mutig wie nie überzeugt Keandir auch den Kronrat von dem Neubeginn. Es kommt zur Teilung der Elben, da die älteren Generationen lieber weiter segeln möchten bis sie endlich die Gestade der Erfüllten Hoffnungen erreichen. Die jüngeren Generationen bleiben bei Keandir und wollen ihr neues Reich erkunden. Anfangs läuft alles gut: die Zahl der Lebensüberdruss-Kranke geht zurück und der Aufbau der Städte geht schneller als gedacht voran. Doch das Land ist nicht völlig unbesiedelt. Die Elben treffen auf fremde Völker wie die Zentauren und Menschen und Branagorns Befürchtungen, dass das Böse in den Elbenkönig eingetreten ist, bewahrheiten sich nach und nach.

 

„Das Reich der Elben“ ist ein klassischer High Fantasy Roman mit epischem Hintergrund. Die Handlung bietet einige Überraschungen und ist spannend und mitreißend geschrieben. Man merkt sofort, dass der Autor viel Routine beim Ausarbeiten der Handlung und der Figuren hat. Sie sind allesamt recht realistisch und detailliert gezeichnet und agieren nachvollziehbar. Der Kultur und Lebensweise der Elben werden sogar einige neue Aspekte abseits der gängigen Klischees hinzugefügt. So sind sie zwar ähnlich wie bei Tolkien ätherische und perfektionistische Wesen, werden aber im Laufe der Handlung immer mehr den Menschen ähnlicher. Sie verlieren ihre Geduld und das Mitgefühl für Andere, ihre Arroganz steigert sich ins Unermessliche und einige der Elben halten sich schließlich wirklich für Götter des Lichts.

Besonders Keandir ist eine interessante und fast schon tragische Person. Hin und her gerissen zwischen seiner Selbstüberzeugung und seinen Ängsten, zweifelt er immer mehr an den ursprünglichen Status der Elben und entwickelt selbst „menschliche“ Schwächen. Auch das Verhältnis zu seinen beiden Zwillingssöhnen ist stark gespaltet und angespannt. Während Megalos ihm recht ähnlich ist, auch was die böse Kraft in ihm betrifft, verkörpert Andir eher das elbische Idealbild. Keandir zweifelt so manches Mal an ihren wahren Motiven und weiß nicht genau wer sein Nachfolger sein soll? Beide sind sich zwar sehr ähnlich, aber gleichzeitig auch sehr verschieden.

Positiv ist auch die Darstellung des Aufeinandertreffens der verschiedenen Kulturen und Völker. Einige sind den Elben friedlich gesinnt und entwickeln rege Handelsbeziehungen miteinander. Andere vergöttern sie anfangs regelrecht und buhlen um ihre Gunst, bis sich das in gnadenlosen Neid und Hass umschlägt.

 

Insgesamt ist „Das Reich der Elben“ ein sehr spannender und mitreißender High Fantasy Roman, der mit Leichtigkeit aus der Masse der einfallslosen Romane rund um Tolkiens Geschöpfe hervor sticht und mit frischen Ideen neugierig auf mehr macht.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

Nomi
Montag, 30. Mai 2011 21:35 Uhr
Das Buch ist gut.

Anfangs sind für ein Fantasy Buch zu viele Science Fiction Elemente vorhanden, aber das wird mit der Zeit besser.

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Buch:

Das Reich der Elben

Reihe: Elben Trilogie Band 1

Autor: Alfred Bekker

Taschenbuch, 500 Seiten

Egmont Lyx, September 2007

 

ISBN-10: 380258127X

ISBN-13: 978-3802581274

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.10.2007, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13