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Das Reich der Zwerge von Margaret Weis

Reihe: Die verlorenen Chroniken der Drachenlanze

Rezension von Björn Backes

 

Tanis, Raistlin und ihre Gefährten retten in einer schwierigen Mission eine Gruppe von Sklaven aus den berüchtigten Minen von Pax Tkarkas und retten sich in ein verborgenes Tal, wo sie sich Unterschlupf und Schutz erhoffen. Doch die Drachengöttin Thakisis und ihre bestialischen Horden sind ihnen dicht auf der Spur und zwingen die Gefährten, sich einmal mehr zu trennen, um der Drachenarmee Einhalt zu gebieten und die Sklaven langfristig zu beschützen. Während Tanis und Flint die Tore von Thorbadin zu öffnen ersuchen, macht sich Sturm auf den Weg, den sagenumwobenen Hammer von Kharas zu befreien, jenes Instrument, mit dem die Drachenlanzen geschmiedet werden. Doch die Zeiten haben sich geändert und das Vertrauen der Gefährten untereinander schwindet mit wachsender Verzweiflung. Ausgerechnet der Vertreter der Zwerge, Flint, ist nun in der Pflicht, eine Entscheidung zu treffen, welche die Geschichte einer Freunde und der gesamten Menschheit grundlegend zu verändern vermag…

 

 

Rezension:

Nach längerer Zeit melden sich Margaret Weis und Tracy Hickman auch hierzulande wieder mit einem neuen Vertreter ihrer „Drachenlanze“-Serie zurück und setzen dabei zu einer Zeit an, die sich zwischen den Ereignissen der ersten Chroniken abspielt. Wagemutig stürzt sich das renommierte Autorengespann dabei auf eine ganze Reihe ehrwürdige Relikte aus dem Kosmos der Reihe, allen voran der Hammer von Kharas, der hier für lange Zeit im Mittelpunkt des Interesses steht. Darüber hinaus dürfen sich vertraute Leser auch wieder auf ein Wiedersehen mit vielen Vertretern der alten Serie freuen, die bedingt durch das Setting des Romans bzw. die Chronologie der Dinge zwangsläufig einen Platz in der Story bekommen müssen- und dort natürlich auch mit Kusshand begrüßt werden.

Dennoch sind die Bedingungen für Hickman und Weis erschwert, da man sich inhaltlich stark einschränken musste. Als problematisch erweist sich in erster Linie, dass viele elementare Geschehnisse der Serie schon in Stein gemeißelt sind und somit jedes Abweichen von der bestehenden Realität fatale Folgen wie zum Beispiel schwerwiegende Logikfehler haben könnte. Außerdem darf man mit besagten Relikten natürlich auch nicht beliebig spielen, da sie für die Fans der Drachenlanze einen gewissen Wert haben und somit nicht einfach leichtfertig in einen neuen Plot eingeflochten werden können. Einen konsequenten Mittelweg auf der einen, und dennoch eine unabhängige, spannende Erzählung auf der anderen Seite waren ergo das Optimalziel für „Das Reich der Zwerge“, den ersten Band der verlorenen Chroniken, und tatsächlich schien die Messlatte hierfür keinesfalls zu hoch.

 

Die beiden weiblichen Autoren setzen dabei einmal mehr auf bewährte Qualitäten, und diesbezüglich ganz besonders auf die faszinierende Aura ihrer vielen Hauptfiguren. Nicht zum ersten Mal sind die Charakterzeichnungen im Rahmen einer Fantasy-Handlung erstklassig, wobei sicherlich ein gewisses Nostalgie-Gefühl in dieser Bewertung mitschwingt. All die Personen wieder anzutreffen, die bereits in den ersten Chroniken eine Rolle spielten, kann aber auch nicht spurlos am Leser vorübergehen. Davon abgesehen haben sich Weis und Hickman aber auch wieder genügend Zeit genommen, um die Story mit deren zahlreichen Hintergründen reifen zu lassen. So konzentriert sich das gesamte erste Drittel darauf, sozusagen eine historische Einordnung vorzunehmen und die Verbindung zu den bereits bestehenden Geschichten herzustellen. Zwar wird hier stellenweise kräftig rezitiert, doch gerade mit ein wenig Abstand zu den alten Sagen ist man über jeden noch so kleinen Hinweis dankbar, der einen Zusammenhang ermöglicht, der schließlich weiter ausgebaut und mit der neuen Story verknüpft wird.

 

An Spannung mangelt es „Das Reich der Zwerge“ überdies auch nicht. Der Anfang mag zwar ein wenig zäh sein, doch sobald die Gefährten unabhängig voneinander ihre Missionen starten und der gesamte, frische Komplex sich öffnet, fühlt man sich auf Anhieb wieder heimisch in der großartigen Welt der Drachenlanze und wird Zeuge eines Abenteuers, dessen erster Teil bereits jetzt das Zeug zum Klassiker hat. Und gerade wenn man mal bedenkt, wie schwierig es für die beiden Schriftstellerinnen gewesen sein dürfte, an Bekanntes anzuknüpfen und beeinträchtigt durch das geringe Zeit- und Handlungsfenster innerhalb des Bestehenden neues zu kreieren, muss man selbst solch erprobten Fantasy-Figuren wie Weis und Hickman größten Respekt für ihre bislang neueste Drachenlanze-Arbeit zollen. Der Auftakt der neuen Trilogie ist jedenfalls in einer Art und Weise vielseitig, dass die knappe Inhaltsangabe nur blasse Schemen ob der gewaltigen Ereignisse wiedergibt. Diese werden nämlich von den unterschiedlichen Charakteren wieder einmal leidenschaftlich gefüllt und schlussendlich mit einem Potenzial ausgestattet, welches selbst zu seligen Zeiten der Original-Chroniken kaum hätte besser sein können – und was dies bedeutet, muss sicher nicht näher erläutert werden.

 

 

Fazit:

Zweifelsohne ist „Das Reich der Zwerge“ am Ende trotzdem ein Werk für fortgeschrittene Leser der riesigen Drachenlanze-Welt. Wer also noch nicht mit den Chroniken vertraut ist, wird mitunter wichtige Aspekte nicht adäquat einordnen können und vereinzelte Verständnisprobleme entdecken. Diejenigen allerdings, die bereits um die Qualitäten der ersten Werke wissen und Flint, Tanis, Raistlin zu ihren Lieblingen zählen, dürfen sich mit dem ersten Roman der „Verlorenen Chroniken der Drachenlanze“ auf ein lang ersehntes Highlight und nach langer Zeit auch wieder auf einen Neuling der unendlichen Reihe freuen. „Das Reich der Zwerge“ gehört nämlich unbestrittenen zu den besten Werken des populären Zweigespanns Weis/Hickman.

 

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Buch:

Das Reich der Zwerge

Reihe: Die verlorenen Chroniken der Drachenlanze

Autorin: Margaret Weis

Taschenbuch, 571 Seiten

Blanvalet, Mai 2008

 

ISBN-10: 3442265703

ISBN-13: 978-3442265701

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 06.06.2008, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13