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Das Saint-Netzwerk von Patrick Cave

Rezension von Ramona Schroller

 

Klappentext:

Beinahe hätte sie herausgefunden, wer sie war. Und was sie war ...

 

Als sich in ihrer Umgebung verschiedene mysteriöse Vorfälle ereignen, ahnt Mira: Sie ist in Gefahr. Sie flieht und schlägt sich durch bis zur Hauptstadt des Reichs. Dort, in einer Gesellschaft, in der die Medien alles beherrschen, gerät Mira zwischen die Fronten der mächtigsten Familien des Landes ...

 

Inhalt:

Mira ist als Säugling von ihren Eltern adoptiert worden. Doch das hat sie bis jetzt nie gestört. Bis diese fremde Frau urplötzlich in ihrem Leben auftaucht und vor ihren Augen erschossen wird. Mira läuft aus der Siedlung davon und kommt in die Hauptstadt. Dort gerät sie in einen Machtkampf zwischen den beherrschenden Familien. Gemeinsam mit Kay Saint flieht sie wenig später von der Insel aufs Festland. Doch die Häscher sind ihnen dicht auf den Fersen ...

 

Rezension:

Ein Buch mit zwei Anfängen, das war das erste, was mir auffiel. Wobei der erste „Anfang„ nicht gerade zum Weiterlesen annimiert. Miras Welt, nicht näher bestimmt und den Leser ständig im Dunkeln tappen lassend, ist weit weg von Protag und Leser. Es will einfach kein echtes Gefühl aufkommen. So habe ich denn auch allein für den ersten Teil (der nur die ersten 116 Seiten umfaßt) am längsten gebraucht, insgesamt fast fünf Tage. Schon mal kein Kompliment für dieses Buch.

 

Dann aber, im zweiten Teil, nimmt die Handlung Formen an. Endlich kann man als Leser ungefähr erahnen, wo und wann die Geschichte sich ereignet. Es wird spannend, wenn auch nicht übermässig, da viele Dinge vorhersehbar sind. Dennoch, hier scheint Cave endlich selbst in seine eigene Geschichte gefunden zu haben.

 

Was allerdings weiterhin bleibt ist die Frage, wozu diese ersten 116 Seiten gebraucht wurden. Die Handlung, die dort beschrieben ist, wird nach und nach wiederholt, man brauchte sie nicht, es sei denn, man wollte zeigen, daß Mira alles andere als ein braves Mädchen ist (immerhin ein versuchter und ein ausgeführter Mord von Hand des Mädchens!). Auch als Gegenüberstellung der unterschiedlichen Gesellschaften ist der erste Teil nicht geeignet, dazu läuft Mira zu früh davon, bzw. bleibt die Gesellschaft ihrer Heimat zu kalt und leblos.

 

Stellenweise überkam mich immer wieder während der Lektüre der Verdacht, Patrick Cave hätte seinen Charles Dickens ein klein wenig zu oft gelesen. Es gibt viele Wiederholungen von Gesellschaftskritiken, die schon der große englische Romancier angebracht hat. Daß sich in Caves Geschichte an den Mißständen wenig geändert hat, ist zwar bedauerlich, macht die Geschichte aber auch nicht unbedingt glaubhafter.

 

Überrascht war ich denn wirklich, als der Autor im Nachwort erklärt, Miras erste Heimat sei Schottland gewesen. Davon war nun wirklich gar nichts zu entdecken, selbst wenn man einen SF- oder Endzeitroman voraussetzt. Noch dazu führt Cave den Leser selbst an der Nase herum, denn gegen Ende des ersten Teiles erwähnt er selbst Kanada und behauptet, das Schiff, mit dem Mira flieht, würde dort ablegen. Da hat jemand seine Hausaufgaben verschlafen.

 

Als nächstes würde ich mich gern den „Action„-Szenen widmen. Auch hier wieder, zu Anfang sind sie zu weit weg, um Spannung zu erzeugen. Eher eines der seltenen Male, in denen ich von Schlaftabletten sprechen muß. Mit dem zweiten Teil ändert sich auch dieses. Die Szenen sind näher an den Figuren, und damit auch am Leser, man fiebert mit. Einzig die Glaubwürdigkeit möchte ich hier wirklich in Frage stellen. Ich selbst fahre zwar kein Motorrad, doch ich wage zu behaupten, daß kaum jemand das mit einer Maschine zu stande bringen kann, was Kay da macht, ohne daß derjenige Stuntman ist. Auch die Waffen, die Mira immer wieder plötzlich in der Hand hat, irritierten mich gewaltig.

 

Schließlich und endlich bleibt eine Frage: Wie weit darf ein Jugendroman gehen. Nun, die Zeiten, in denen Blümchen und Bienchen einen strahlenden Sonnenaufgang erlebten, dürften vorbei sein. Ein bestimmter Prozentsatz an „Action„ ist erlaubt, der berühmte Zauberlehrling aus Rowlings Feder zeigte den Erwachsenen auch, daß Figuren durchaus sterben dürfen. Dennoch wage ich zu behaupten, daß dieses Buch nicht unbedingt geeignet ist für Jugendliche, zumindest nicht unter 16 Jahren. Wie gesagt, gleich zu Anfang wird Mira Zeuge eines Mordes, kurz darauf begeht sie selbst zwei (später erst stellt sich heraus, daß ein Mord fehlgeschlagen ist).

 

Auch erscheint mir das Thema und die Umsetzung ein wenig zu komplex. Es wird zuviel vorausgesetzt, politisch, sozial und wirtschaftlich. Ich glaube nicht, daß ein 12 Jähriger das so unbedingt verstehen wird, was in diesem Buch beschrieben wird. Man kann das ganze auch einfacher lösen, wie Andreas Eschbach in seiner „Perfect Copy„ beschrieben hat. Leider aber gelingt das nicht immer.

 

Alles in allem ein durchweg durchschnittliches Buch. Die Idee ist hervorragend, wenn auch nicht unbedingt neu, nur die Umsetzung hagelt von Fehlern. Dazu kommt offensichtlich, daß der Autor sich selbst nicht klar war, für welche Zielgruppe er dieses Buch verfaßt hat. Schade.

 

Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 2 von 2.

Miss Blair
Samstag, 29. Mai 2010 11:07 Uhr
Das Buch lässt sich schwer lesen und die Sprache finde ich ein bisschen merkwürdig. Wieso sagen die Personen immer "aye"? Das irritiert total. Außerdem finde ich den Anfang recht langweilig und unüberschaubar!

Miss Blair
Samstag, 29. Mai 2010 11:04 Uhr
Ich habe eine Frage:

Wo ist der Unterschied zwischen "Perfekte Schwestern" und "Das Saint Netzwerk"?

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Buch:

Das Saint-Netzwerk

Autor: Patrick Cave

cbj, München

ISBN: 3-570-12946-2

510 Seiten

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 31.10.2005, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59