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Das Schiff steht auf dem Kopf

Autorin: Iris Bergmann

 

"Sir !" Der Angesprochene drehte sich langsam und leicht herablassend herum. Er erblickte seinen ersten Offizier der noch etwas bleicher als sonst war. "Ja Burton, was gibt's?" fragte Captain Hersige genauso langsam und in einem ebenso herablassenden Tonfall wie er sich herum gedreht hatte.

"Sir, wir haben ein großes Problem."

Der Captain zog fragend eine Augenbraue hoch. "Wieso sollten wir ein Problem haben Burton? Wir sind zur rechten Zeit zur Parade erschienen. Das Schiff glänzt wie neu, alle Besatzungsmitglieder sind ausgeruht. Was sollte noch schief gehen? Wir haben also KEIN Problem, klar?!"

Wieder drehte er seinem ersten Offizier den Rücken zu. Lieber hätte er seine Mannschaft netter behandelt, aber die kaiserlichen Vorschriften für Raumschiff Kapitäne verlangten Herablassung und Arroganz.

Ja er hatte allen Grund Stolz zu sein.

Sein Schiff, die "S`tendit", sah aus wie grade aus der Werft gekommen. Ihr zylindrischer Körper glänzte in der Schwärze des Alls silbern, die blauen, im Lichte der Sterne leuchtenden, vauxianischen Buchstaben an der Seite schienen von innerer Glut zu strahlen. Kurzum das Schiff war prachtvoll anzusehen.

Seine Mannschaft, ein buntes Gemisch aus den verschiedenen Völkern des Imperiums, war unter seinem Drill zu der besten im gesamten Imperium herangereift. Über tausend Männer und Frauen die ihm bedingungslos vertrauten und seine Befehle mit Freude ausführten.

Sein erster Offizier ließ ihm allerdings nicht viel Zeit im Stolz zu baden. Dieses mal wartete er noch nicht einmal bis der Captain sich herumgedreht hatte sondern trat vor ihn und blockierte damit die Sicht auf den großen Schirm der die anderen Schiffe der Formation zeigte.

"Sir, wir haben sehr wohl ein Problem, wir stehen auf dem Kopf!" Es dauerte einen Moment bis der Captain die volle Tragweite des Problems erkannt hatte. Die zwanzig vauxianischen Schiffe bildeten zwei parallele Reihen im All vor der großen Kaiserlichen Raumstation um den vom letzten erfolgreichen Feldzug heimkehrenden Kaiser gebührend zu empfangen. Das eins falsch herum im All hing wäre nicht weiter aufgefallen, da sie Torpedos glichen und daher unten wie oben gleich waren. Allerdings waren die Namen der Schiffe extra für diesen ehrenvollen Anlass auf die Seite gemalt worden und dadurch würde es sofort auffallen wenn eins falsch herum hing.

Entsetzen kroch in Hersige hoch. So viele Tage mühe- , liebe- und hingebungsvolle Vorbereitung auf diesen großen Moment, da der Kaiser an dieser Ehrenwache in seinem Luxusschiff vorbeiflog . Tage die nun nichts mehr bedeuteten ob dieser Beleidigung der Etikette.

"Scheiße" Laut und deutlich. Der Captain fluchte selten, noch seltener auf terranisch.

Totenstille kroch über die Kommandobrücke.

Hersige stand wie zu Stein erstarrt da, die Stirn in tiefe Falten gelegt, äußerlich die Ruhe selbst. Die Mannschaft wusste das dies oft der Moment vor einem Wutausbruch ihres Kommandeurs war. Dann wenn er ruhig und gelassen schien. Viele neue Besatzungsmitglieder hatten dieses gelassene Äußere unterschätzt und sich eine Beschimpfung eingefangen die ihresgleichen suchte.

 

Gedanken rasten durch seinen Kopf, das Schiff umdrehen? Nein die Kaiserliche Yacht war schon zu nah, man würde das Zünden der Triebwerke sehen, die unerlaubte Bewegung des Schiffes wahrnehmen.

Fliehen?

Auch nicht gut, er wollte nicht desertieren, er liebte den Kaiser wie jeder seines Volkes.

Nein er musste abwarten, versuchen sich zu entschuldigen. Hoffen das der Kaiser seine Entschuldigung annahm. Im günstigsten Fall würde er sein Kommando verlieren. Im schlechtesten in den Minen von Beta Minor landen.

Seine Gedanken durchkreuzte eine sich überschlagende menschliche Stimme.

"Sir es tut mir so leid, ich habe 180 mit 360 Grad Drehen verwechselt, dadurch stehen wir auf dem Kopf, es ist meine Schuld Sir, ich werde dafür grade stehen." Genervt blickte der Captain die Quelle der Störung an. Ein Milchgesichtiger junger Erdenmensch. Mühsam seine Wut beherrschend reagierte er auf das plötzlichen Auftauchen des neuen Steuermanns. "Du Wurm hast es also nicht geschafft die gewünschte Ehrenrolle bim Anflug korrekt auszuführen? Und jetzt glaubst Du der Kaiser würde von einem wie Dir Entschuldigungen annehmen?? Nein das ist meine Aufgabe, meine Mannschaft, mein Fehler." Ein plötzliches Raunen lies ihn zum Sichtschirm blicken. Die Kaiserliche Yacht schwebte ein, langsam, majestätisch. Golden glänzte das schnittige Schiff als es langsam, sehr, sehr langsam an der Reihe Kampfschiffen vorbeiflog. Bei dem Tempo war bestimmt jedes Partikelchen Weltraumstaub auf den Hüllen der Schiffe für den Kaiser klar erkennbar. Und natürlich auch das eins der Schiffe wie zum Hohn falsch herum da hing. Wie immer flog der Herrscher alleine in seiner Yacht, den Triumph des Sieges für sich auskostend, nicht teilen wollend, müssend. Die Kriegsflotte die ihm zum Sieg verholfen hatte blieb bei den Randwelten zurück.

Er passierte die S´tendit und verschwand drei Schiffe weiter in dem riesigen Hangartor der Raumstation.

Der Kaiser war bekannt für seine Wutausbrüche, die er jedes Mal verfeinerte und mittlerweile bis zur Perfektion beherrschte. Niemals ließ so etwas auf sich warten. Deshalb starrte der Captain auch verwundert auf das sich schliessende Hangartor.

Die Ehrenwache löste sich auf.

Noch immer saß die Angst vor einer Strafe den Leuten der S`tendit im Nacken. Nervös gingen sie wieder auf ihre Posten zurück.

 

Die kaiserliche Yacht legte an ihrem Dockplatz an, der Kaiser schaltete den Autopiloten ab, der das Schiff durch die Weiten des Alls bis hierher geleitet hatte.

Der Kaiserliche Leibdiener eilte zu dem sich öffnenden Shuttle Schott und half dem Kaiser beim Aussteigen, führte ihn zu seinen Gemächern.

Wie immer war niemand auf den Gängen dort hin zu sehen.

 

Der Kaiser würde keine Rache an den Leuten der S`tendit nehmen, er hatte nicht bemerkt das das Schiff auf dem Kopf stand. Nicht weil er woanders hin geblickt hatte, nein er war wie alle Kaiser vor ihm Blind....

 

 

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Erstellt: 10.06.2005, zuletzt aktualisiert: 28.12.2018 09:08