Die 12-jährige Leni zieht mit den Eltern und ihrem kleinen Bruder um. Jetzt haben sie ein ganzes Haus für sich, doch das erweist sich bei genauerer Untersuchung als gruselig. Vor allem die Spiegel scheinen hier ein Eigenleben zu führen. Als Leni hinter einen Spiegel gerät, entdeckt sie ein unheimliches Reich, das nach ihr greift.
G. J. Hansen macht es seinen Lesern mit seinem Buch nicht leicht. Selbst das ›gefühlte‹ Genre ändert sich mehrmals grundlegend. Am Anfang gewinnt man den Eindruck, es mit einer ›normalen‹ Jugend-Urban-Fantasy zu tun zu haben.
Die 12-jährige Protagonistin Leni sitzt mit ihrem 9-jährigen Bruder Matti und den Eltern, die im Text immer als Mama und Papa bezeichnet werden, auf der Fahrt ins geerbte Haus im Auto. Dass kurz nach der Ankunft ein den Kindern völlig fremder Junge, Noah, als Dauergast einzieht, ist schon eine Unstimmigkeit, für die nie eine Erklärung folgt.
Bald wechselt die Stimmung ganz ins Grusel-Genre. Obwohl für den gesamten Rest des Buches die Kinder im Fokus stehen, geht der Jugendbuch-Charakter hier vollständig verloren.
Im weiteren Verlauf rückt dann allerdings auch die Grusel-Stimmung zunehmend in den Hintergrund. Ab hier dreht sich beinahe alles um eher philosophisch wirkende Fragen. Leser ab 13, für die der Autor sein Buch bewirbt, dürften spätestens hier die Segel streichen. Selbst als längst erwachsener Leser habe ich nicht einmal ansatzweise verstanden, was der Autor ausdrücken will. Hinter den Spiegel liegt »das (Spiegel-)Reich«, das anscheinend selbst denkt und eigene Ziele verfolgt. Was damit gemeint ist, X sei das Reich, oder Y sei ein Knotenpunkt erschließt sich mir leider überhaupt nicht. Auch solche Unstimmigkeiten, wie dass beide Eltern anscheinend mehr wissen, aber gar nicht versuchen, die Kinder vom Betreten des Spiegelreichs abzuhalten oder sie auch nur zu warnen, werden in keiner Form erklärt. Insgesamt ergibt dieses Buch deshalb für mich keinerlei Sinn. Dass die verwendete Sprache an sich gut lesbar ist, kann das Ganze auch nicht retten.