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Das Tahiti-Projekt von Dirk C. Fleck

Rezension von Tanja Thome

 

Das Tahiti-Projekt ist auf mehrere Arten ein ganz besonderes Buch. Erschienen ist es Anfang 2008 im Pendo-Verlag in gebundener Hardcoverversion von 244 Seiten mitsamt Schutzumschlag.

 

Maximilian Cording ist im Jahr 2022 angestellter Journalist in einem großen Medienkonzern, der sich vor allem mit ökologischen Themen befasst. Cording bekommt Aufträge zur Berichterstattung von überall aus der Welt, doch längst haben ihn der Umgang mit der Natur und die Diskrepanz zwischen Konzernen und unverbesserlichen Weltenrettern aus der Zivilbevölkerung zermürbt. Dies bleibt auch seinem Vorgesetzten nicht verborgen, der Cording schließlich für den Zeitraum von drei Monaten nach Tahiti schickt.

 

Tahiti hat seine knapp zehnjährige Informationssperre beendet und Journalisten aus aller Welt eingeladen, sich ein Bild des neuen Tahiti, der „Ökologischen Föderation Polynesien“, zu machen. Zu einer solchen hin entwickelte Tahitis Präsident Omai seine Heimat, nachdem diese, unterstützt von EU-Hilfen, unabhängig wurde. Von der Berichterstattung der Journalisten hängt die weitere Zukunft Tahitis ab. Wird man den neu eingeschlagenen Weg weiter verfolgen können? Cordings Vorgesetzter lässt vor dessen Abreise jedoch klar durchblicken, dass von Cording ein äußerst kritischer Bericht erwartet wird.

 

Umso mehr Zeit Cording in Tahiti verbringt, desto mehr begeistert ihn die Umgebung, und desto überzeugter ist er von Tahitis ökologischem Konzept. Immer mehr rückt ein kritischer Bericht für ihn in die Ferne. Doch das ist nicht alles, womit Cording sich auseinandersetzen muss, denn durch neu entdeckte Rohstoffvorräte unter See gerät Tahiti nicht nur erneut in den Blickpunkt der Welt, sondern auch ökologisch in höchste Gefahr – und Cording ist mittendrin …

 

 

Das Schwierigste bei der Lektüre von „Das Tahiti-Projekt“ ist der Anfang, der doch – gerade im Vergleich zum restlichen Roman – sehr verstörend wirkt. Daher hier der Hinweis, trotz der dargestellten Brutalität und den zunächst unklaren Bezug zum Romaninhalt darüber hinweg zu lesen.

 

Nach den ersten Szenen zeigt sich das Buch überraschenderweise als ausgesprochene Utopie mit Thrillerelementen. Überraschend deshalb, weil Dystopien sich im Allgemeinen größerer Beliebtheit erfreuen und Utopien entsprechend rar gesät sind, aber auch, weil der Hamburger Autor Dirk C. Fleck 1994 den Deutschen Science-Fiction-Preis für einen sehr gegenteiligen Roman, nämlich für die Dystopie „Go! Die Ökodiktatur“, erhielt. An diesen Erfolg konnte Fleck ungeachtet dessen jedoch mehr als anknüpfen, denn 2009 verlieh man ihm erneut den Deutschen Science-Fiction-Preis, diesmal für „Das Tahiti-Projekt“.

 

Trotz der Begeisterung für das Buch, die auch auf mich bei der Lektüre überging, die sich im verliehenen Preis ebenso niederschlägt wie in diversen Kritiken und den Wellen, die der Roman zu schlagen vermochte, und über die man sich über www.tahiti-projekt.org oder über tahiti-virus.blogspot.com näher informieren kann, gibt es jedoch auch einiges an „Das Tahiti-Projekt“ zu bemängeln. Gestört hat mich vor allem, dass man kaum umhin kommt, zwischen dem Hamburger Journalisten und dem Autor des Buches deutliche Parallelen zu ziehen, was sich zum einen sehr direkt, aber auch indirekt äußert. So taucht im Roman beispielsweise auch die Meinung von Sir Peter Ustinov auf, der für das dem Roman zu Grunde liegende Sachbuch das Nachwort schrieb.

 

Wichtig zu wissen ist nämlich, dass Flecks Roman auf Basis des Sachbuchs „Equilibrismus. Neue Konzepte statt Reformen für eine Welt im Gleichgewicht“ von Eric Bihl und Volker Freystedt auf Bitten der Autoren entstand. Dieses Experiment darf als sehr gelungen bezeichnet werden, denn „Das Tahiti-Projekt“ lässt sich auch ohne dieses Wissen leicht und flüssig lesen. Dennoch ist der Roman neben allem, was er sonst noch zugleich ist, auch im Bereich Dokufiction anzusiedeln. Das bedeutet, dass dem Leser unwahrscheinlich viele ökologische Ansätze, Vorhaben, fiktive Umsetzungen und derlei mehr im Verlauf des Buches erläutert werden. Fleck hat es zwar vermocht, diese so ansprechend wie möglich zu verpacken und weitere Informationen in ein abschließendes Glossar zu verpacken, innerhalb dessen sich auch zahlreiche Links verbergen, falls man sich näher mit bestimmten angerissenen Themen befassen oder sich generell über sie informieren möchte, doch manches Mal fühlt man sich dennoch belehrt und mit erhobenem Zeigefinger weitschweifig informiert.

 

»Das Tahiti-Projekt«, 2009 mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis ausgezeichnet, ist eine gelungene Mischung aus Utopie, Ökothriller und Docufiction, die sich zu lesen lohnt, weil der Autor die Gratwanderung zwischen den einzelnen Elementen erfolgreich bewältigt hat, die Geschichte sich flüssig lesen lässt und neben allem anderen wie beispielsweise dem Informationsgehalt auch zum Träumen einlädt. Veränderungen sind möglich – wenn auch manchmal zu scheinbar unüberwindlichem Preis.

 

Und für alle, die der Roman zu begeistern vermag, abschließend noch die Information, dass Fleck mittlerweile an einer Fortsetzung arbeitet.

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Eure Meinung:

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Buch:

Das Tahiti-Projekt

Autor: Dirk C. Fleck

Gebundene Ausgabe, 344 Seiten

Pendo Verlag, 6. Februar 2008

 

ISBN-10: 3866121555

ISBN-13: 978-3866121553

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.10.2009, zuletzt aktualisiert: 29.10.2019 10:13