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Das Tal im Nebel von Tanja Bern

Reihe: Die Sidhe des Kristalls, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Elfen und Feen, die Anderswelt und mythische Gefahren, die auch das Diesseits beeinflussen, durchziehen die irische Folklore schon seit den Anfängen. Sie beinhalten den Hauch von Magie, der vielen Erzählungen des Festlandes bereits fehlt. Denn der Wunsch die Nebel des Geheimnisvollen zu durchschreiten und mystischen Wesen zu begegnen, die schon viel gesehen haben, ist wie die Begeisterung für das Volk der Kelten ungebrochen.

Seit den 1980ger Jahren ist so die Zahl der Romane, in denen die Begegnung der Elfen mit den Menschen und die Berührung der Welten thematisiert worden, so nicht abgebrochen. Meistens sind es Autoren aus dem englischen Sprachraum, die die Märchen, Sagen und Legenden aufgreifen. Aber hin und wieder beschreiten auch Deutsche, welche die Luft Irlands bereits in sich aufgesogen haben die mystischen Pfade zwischen den Welten. So auch die junge Autorin Tanja Bern, die mit ihrem Roman „Das Tal im Nebel“ ihren Zyklus um „Die Sidhe des Kristalls“ beginnt.

 

Obwohl ihm nach bestandenen Prüfungen viele Wege offen stehen, hat der junge Jack kein Interesse daran, einen besonderen Beruf zu erlernen oder gar zu studieren. Dafür müsste er seine Heimat im Südwesten Irlands verlassen, und das will er irgendwie nicht. Statt dessen hilft er lieber seinen Eltern Shawn und Ellen in der gut gehenden Pension, in der es immer etwas zu tun gibt, denn es kommen Geste aus aller Welt, um die wildromantische Landschaft zu genießen und die historischen Stätten in der Umgebung zu besuchen.

Doch dann verändern zwei Begegnungen sein Leben. Zunächst rettet ihm ein geheimnisvoller Fremder sein Leben, als er beim Treiben der Schafe auf die Weiden in einen Abgrund zu stürzen droht. Schon kurze Zeit später kann er sich revanchieren, als sein Retter in eine Falle gerät und durch das Fangeisen schwer verletzt wird.

Denn nun erfährt Jack, dass er keinen Menschen, sondern einen Elfen vor sich hat – einen der Sidhe, die er bisher nur aus den Sagen seiner Heimat kannte. Lórian ist der König seines kleinen Volkes. Eigentlich hat er keinen Grund einem Menschen zu vertrauen, denn genau diese haben vor mehr als einem Jahrhundert seine Gefährtin umgebracht. Da er aber die Hilfe des Menschenjungen braucht, bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als Jack mit in das geheimnisvolle „Tal des Nebels“ zu nehmen. Dort schließt der Junge Mann schnell Freundschaft mit einigen anderen des Sidhevolkes. Vor allem die schöne Célia hat es ihm angetan, zu der er schon bald eine enge Verbundenheit verspürt

Doch das ist nur der Anfang einer ganzen Reihe von Abenteuern, die Jack an die Grenzen seiner Kraft führen und überraschende Geheimnisse enthüllen werden. Denn nur kurze Zeit später taucht das Mädchen in der Pension auf und bittet ihn um Hilfe. Lorián ist verschwunden, und es bestehen nur geringe Zweifel daran, dass der König der Elfen von einem Feind entführt wurde, der zwar in den Untergrund verbannt wurde, dort aber genug Zeit fand, seine Kräfte zu sammeln. Zusammen mit dem Sidheprinzen Eryon macht sich Jeck daran Lorián zu retten und die Gefahr, die auch die Menschenwelt erreichen könnte, zu bannen.

 

Die Geschichte ist sehr klassisch gehalten: Der junge Held wird mit in die fantastische Welt und ihre Konflikte gerissen, ehe er sich dagegen wehren kann, aber es erscheint ihm gar nicht einmal so furchterregend. Denn nach und nach stellt sich heraus, dass er enger mit ihr verbunden ist, wie er zunächst dachte. Tanja Bern wildert dabei reichlich in den bekannten Märchenmotiven Irlands, spinnt aber ihre eigene Geschichte um Aberglauben und Liebe, Faszination, Furcht und Grauen ohne ganz die Verbindung zu verlieren.

Im Vordergrund stehen jedoch die Erlebnisse von Jack, der nach und nach zu verstehen beginnt, warum er seiner Heimat so verbunden ist, und wo er sein wahres Glück finden wird.

Insgesamt macht es sich die Autorin jedoch recht einfach. Auch wenn düstere Bedrohungen auf die Helden waren, so geraten diese doch nie wirklich in Gefahr, dramatische Ereignisse dienen in erster Linie dazu, um die Tragik eines zerrissenen Charakters wie Lorián zu erhöhen, ohne dabei jedoch seinen Charakter zu vertiefen. Viele Entwicklungen geschehen einfach unbegründet und wirken damit unmotiviert, wie etwa die Liebe zwischen Jack und Celia.

Stilistisch ist die Autorin zwar sicher, aber durch die hin und wieder durchschimmernde Selbstverliebtheit des Textes will der Funke der Begeisterung einfach nicht überspringen, vor allem wenn man bereits vergleichbare Werke kennt und sich selbst lange mit der irischen Sagenwelt beschäftigt hat. Anders sieht es vermutlich aus, wenn man dem Buch unvorbelastet entgegen tritt.

 

So wendet sich „Das Tal im Nebel“ in erster Linie an junge Leser, die gerne einmal in die irische Mythenwelt hineinschnuppert wollen, aber keine Lust haben, sich mit den komplexen Epen der amerikanischen Autoren oder den komplizierten Originaltexten zu beschäftigen. Für sie erzählt Tanja Bern durchaus eine spannende und stimmungsvolle Geschichte.

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Buch:

Das Tal im Nebel

Reihe: Die Sidhe des Kristalls, Bd. 1

Autorin: Tanja Bern

broschiert - 334 Seiten

Papierfresserchens MTM-Verlag, erschienen Mai 2008

Titelbild und Illustrationen von Daniela Berghold

ISBN-10: 3940367230

ISBN-13: 978-3940367235

ab 12 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 10.08.2008, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06