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Das Vermächtnis der Feen von Brigitte Endres

Rezension von Mareike Meyer

 

Das Reich der Elfen und Feen fasziniert die Menschen schon seit Jahrtausenden und der schier unerschöpfliche Pfuhl an Sagen und ihren übernatürlichen Gestalten dient oftmals als Inspiration moderner Autoren im Bereich Fantasy. So auch bei Brigitte Endres neuem Jugendroman „Das Vermächtnis der Feen“, welcher sich mit der sogenannten Anderwelt und ihren Problemen auseinander setzt. Denn die Welt jenseits unserer eigenen schwebt in großer Gefahr. Die Sagen und Märchen geraten in der Welt der Dinge in Vergessenheit und beginnen somit auch sich in der Anderwelt aufzulösen. Gewalt und Horror dominieren die menschliche Phantasie, auf welche die Welt der Kobolde und Feen sich stützt. Nur ein Mädchen aus der Welt der Menschen ist in der Lage, diesem traurigen Verlauf Einhalt zu gebieten, denn sie trägt, hingegen aller Konventionen, das Erbe der Feen in sich. Mit einem tierischen Begleiter und einem guten Freund macht Josie sich auf in eine fremde Welt und begibt sich auf eine Reise, deren Ausgang mehr als ungewiss ist.

 

Einen Großteil der Handlung lässt Endres in der Anderwelt spielen. Dies ist auch der Ort, an dem der finale Kampf gegen die Dunkelheit stattfindet. Dabei beschreibt sie sehr detailliert die verschiedenen Gestalten der irischen Mythologie. Es fällt somit nicht schwer, einige von ihnen auf Anhieb ins Herz zu schließen.

Die Nachvollziehbarkeit der Figuren und ihrer Gedankengänge hält sich anderenorts leider wiederum etwas in Grenzen. Plötzliche Eingebungen und Wissen, über das die Figuren plötzlich verfügen, welches sie sich selbst jedoch nicht erklären können, vermitteln dem Leser das Gefühl, dass es schlicht an Begründungen mangelt, die daraus resultierenden Wendungen allerdings trotzdem irgendwie herbeigeführt werden müssen. All dies lässt sich natürlich mit dem Erbe der Feen und ihrer magischen Kräfte rechtfertigen, dennoch bleibt der Leser etwas unbefriedigt zurück.

 

Der Kampf gegen das Böse wird zwar thematisiert, findet jedoch niemals wirklich gewalttätig statt. Damit entspricht das Buch seiner Vorgabe als Kinder- und Jugendroman und verfolgt gleichzeitig ein höheres, allgemein bildendes Ziel. Immer wieder lässt die Autorin ihre Figuren die Tatsache beklagen, dass die moderne Fantasy von Gewalt und Horror dominiert wird. Somit wird deutlich, dass Endres mit ihrem Phantastikroman ein höheres Bildungsziel verfolgt. Sie scheint einen Schlag gegen die dunklen Abgründe der heutigen Fantasyliteratur führen zu wollen und ist damit stellenweise auch sehr erfolgreich. Dennoch kommt das Werk nicht vollkommen ohne Waffen und Kampf aus.

 

„Das Vermächtnis der Feen“ ist für überwiegend jüngere Leser geschrieben, die Spaß an fremden Welten und phantastischen Figuren haben. Das Werk entführt in ein märchenhaftes Land, dessen Bewohner fast ausnahmslos in Reimen sprechen, was den Worten eine scheinbar gewichtigere Bedeutung zukommen lässt. Endres hat ihrem Roman eine umfangreiche Recherchearbeit zugrunde gelegt und so kann sie mit einem großen Wissensvorrat der irischen Mythologie auftrumpfen, ebenso wie mit Kenntnissen der gälischen Sprache, welche dem Leser ein ums andere Mal begegnet. Eine kurze Übersetzung dieser Stellen im Anhang wäre wünschenswert gewesen, wird jedoch nicht schmerzlich vermisst. Es schadet dem Lesefluss nicht, wenn man über diese vollkommen fremde Sprache stolpert, denn es verdeutlicht nur erneut, wie sehr Irland noch heute mit seinen sagenumwobenen Wurzeln verbunden ist. So mancher Leser mag nach der Rezeption des Werkes in jedem Erdhügel eine vermeintliche Heimat übernatürlicher Wesen sehen, doch dies ist keinesfalls negativ zu bewerten, denn man kann sich sicher sein, dass der Roman einen noch nachträglich beschäftigt. Und auch wenn es bei diesen Gedanken nur darum geht, das Bild der gewaltvollen und blutigen Fantasyliteratur unserer Tage zu überdenken, so hat sich das Lesen bereits bezahlt gemacht.

 

Das Buch lässt sich fließend lesen und ist für geübte Leser nur zur kurzweiligen Unterhaltung geeignet. Das Werk ist dabei jedoch leider nicht in der Lage den Rezipienten zu fesseln, sodass man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Längere Lesepausen sind dennoch nicht zu empfehlen, da eine Vielfalt an Figuren und Ortsnamen einzuordnen sind.

 

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Buch:

Das Vermächtnis der Feen

Autor: Brigitte Endres

Gebundenen, 448 Seiten

Planet Girl, 1. Oktober 2010

empfohlenes Alter: ab 12

ISBN-10: 3522501403

ISBN-13: 978-3522501408

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.10.2010, zuletzt aktualisiert: 13.12.2019 15:46