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Das Vermächtnis des Raben von Hildegard Burri-Bayer

Rezension von Nadine Dilger

 

Die junge Aila lebt mit ihrer Familie in der Vergangenheit und verbringt ihre Zeit damit, durch die Wälder nahe ihrem Dorf zu laufen. Doch als sie eines Tages wieder im Wald ist und dort mit ihrem Hund Caru spielt, schläft sie ein und als sie wieder erwacht, ist irgendetwas anders. Nachdem sie eine Weile gelaufen ist, bemerkt sie auch, was: sie ist nicht mehr Zuhause, sondern in einer ganz neuen Welt: im heutigen Schottland! Und in dieser für sie vollkommen neuen Welt kommt sie nicht mehr zurecht. Nicht nur, dass sie nur gälisch spricht und sie niemand versteht, überall fahren Autos herum und Aila versteht die Welt nicht mehr. Weil sie so hungrig ist bestellt sie in einem Restaurant etwas zu essen. Da sie aber das Essen nicht bezahlen kann und sie auch nicht versteht, was der Kellner von ihr will, ruft das Restaurant die Polizei, die Aila dann mit aufs Revier nimmt. Dort rätseln die Polizeibeamten über Ailas Herkunft und die seltsame Sprache, die sie spricht und Aila versteht wieder nicht, was vor sich geht, bis der Professor Steven Williams eingeschalten wird, der einer der wenigen Menschen ist, der die gälische Sprache noch fließend beherrscht. Um herauszufinden, wer Aila ist, wird ein Bild von ihr in der Zeitung veröffentlicht, in der Hoffnung, dass sie irgendjemand wieder erkennt. Daraufhin meldet sich die pensionierte Lehrerin Mrs. McLish, die in Aila die Tochter ihrer alten Schülerin Miriam erkennt, die in die Vergangenheit zurückgereist ist…

Damit Aila nicht von Journalisten überfallen wird, die ihrer seltsamen Herkunft auf den Grund gehen wollen, nimmt Mrs. McLish Aila bei sich Zuhause auf. Und als Aila plötzlich höhes Fieber bekommt, macht der junge Arzt Dave Bennet einen Hausbesuch und verliebt sich in Aila auf den ersten Blick.

Obwohl Aila sich ebenfalls in Dave verliebt hat, muss sie zurück in die Vergangenheit reisen, um ihre Bestimmung zu erfüllen. Sie muss den goldenen Reif finden und mit ihm wieder in die Zeit zurückreisen, um ihrem Volk das Heiligtum zurückzubringen. Wieder zurück erfährt Aila, dass ihr Vater ein Versprechen abgegeben hat: er versprach dem brutalen Verico, dass Aila seine Frau wird. Aila ist verzweifelt und sucht einen Weg zurück zu Dave. Außerdem darf niemand in ihrem Dorf erfahren, dass sie von Dave schwanger ist…

 

 

Die Geschichte ist durch und durch kitschig und oberflächlich. Aila wird von dem Druiden Mog Ruith in das heutige Schottland geschickt, damit sie den goldenen Reif, der für ihr Volk ein großes Heiligtum darstellt, zurück zu ihrem Volk bringt. Warum dieser Reif für ihr Volk so wichtig ist und was er für eine Funktion hat, erfährt man aber nicht. Hauptsache der Reif ist zurück bei ihrem Volk, denn auch als Aila zu ihrem Volk zurück kommt, scheint der Reif keinen wirklich wichtigen Part mehr zu spielen. Da schleicht sich schnell der Verdacht ein, dass der Reif lediglich ein Vorwand ist, dass Aila überhaupt in die Zukunft reisen muss.

Auch die Stelle, in der sich Aila und Dave ineinander verlieben, ist ziemlich kitschig und unwahrscheinlich dargestellt. Dave macht bei Mrs. McLish einen Hausbesuch, um Aila zu behandeln und schon als er Aila das erste Mal in die Augen schaut, ist er so verliebt in sie, dass er sich ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorzustellen vermag. Er hat nicht einmal ein einziges Wort mit Aila zuvor gewechselt, geschweige denn wusste er überhaupt, dass Aila gar nicht seine Sprache spricht. Dennoch wird seine Liebe zu ihr gleich als dermaßen intensiv dargestellt, dass man denken könnte, er kennt Aila schon lange und das wirkt einfach lächerlich. Bei Aila läuft es genauso ab. Diese Stelle, die wohl eigentlich romantisch wirken sollte, wirkt dadurch einfach nur kitschig, übertrieben und unwahrscheinlich. An dieser Stelle hätte die Autorin den Charakteren mehr Zeit geben müssen, um sich kennen zu lernen, damit deren Bekanntschaft und Liebe nicht ganz so überrumpelt und unecht wirkt.

Das Buch ist voll von solchen Stellen, die einfach zu kitschig sind, als noch romantisch und realistisch zu wirken. Auch das Ende ist wieder so eine Sache und an Kitsch schlichtweg nicht zu übertrumpfen.

 

Was die Charaktere angeht, sieht die Sache leider nicht viel anders aus. Tiefgang und Sympathie sucht man bei den Charakteren leider vergebens. Vor allem die Hauptperson besitzt weder den Tiefgang, den man sich bei einem Hauptcharakter wünschen würde, noch wirkt sie auf den Leser in irgendeiner Weise sympathisch. Im Gegenteil, ich fand sie als Hauptperson wegen ihrer Naivität eher nervend als sympathisch. Aila ist in dem heutigen Schottland völlig aufgeschmissen, da sie weder mit den Sitten oder den neuen Erfindungen etwas anfangen kann, noch versteht sie irgendjemand, weil die meisten nur Englisch sprechen. Dass sie erst einmal Probleme damit hat, dürfte klar sein, aber dennoch wirkt sie in dieser, für sie sehr schwierigen Situation einfach nur übertrieben naiv und eher wie ein kleines, dummes Mädchen, statt einer erwachsenen, jungen Frau. Das wird auch noch von der Tatsache unterstrichen, dass sie offenbar von keiner Person um sie herum wirklich für voll genommen wird und das scheint sie auch nicht zu stören. Obwohl sie eigentlich schon eine junge Frau ist, wird sie von allen nur „die Kleine“ oder „das Mädchen“ genannt, weil sie einfach nicht passend ihrem Alter dargestellt wird. Eben weil sie so dumm und naiv dargestellt wird, fällt es dem Leser schwer, sich mit dem Charakter zu identifizieren oder Aila auch nur sympathisch zu finden. Gleichzeitig wird sie als so wunderschön beschrieben, dass jeder ihr hinterher schaut. Ist ja schön und gut, aber das wird in dem Buch teilweise so übertrieben, dass es einfach nur nervt. Gleichzeitig wird Aila im Buch immer wieder als so wunderschön beschrieben, dass es beinahe schon überirdisch schön klingt. Alle schauen ihr hinterher und sind einfach nur begeistert von ihr, weil sie optisch so perfekt ist und eine so tolle Ausstrahlung besitzt. Diese Beschreibungen sind einfach nur übertrieben, was Aila dem Leser auch nicht viel sympathischer macht.

Die restlichen Charaktere nerven nicht so sehr wie Aila, sind aber dennoch sehr oberflächlich und man kann sich auch mit denen nicht wirklich anfreunden oder sie sympathisch finden. Die Charaktere sind blass und austauschbar.

 

Spannung kommt in der Geschichte leider auch nie auf. Da man mit Aila nicht gut mitfühlen kann, ist es eigentlich völlig egal, was mit Aila passiert, es berührte mich einfach kein bisschen. Die Geschichte ist langweilig und besitzt einige logische Lücken.

Manche Stellen in dem Buch sind viel zu langatmig und detailreich erzählt, obwohl sie für die Handlung alles andere als wichtig sind. Dafür sind dann wieder andere Stellen, die für die Handlung wichtiger wären, viel zu knapp erzählt.

 

Der Schreibstil ist in allwissender Form und in Vergangenheit geschrieben. Zwar ist der Schreibstil nicht wirklich durch und durch schlecht, vermag es aber leider auch nicht, das Buch noch in irgendeiner Weise zu retten.

 

 

Fazit:

Das Vermächtnis des Raben hat eine langweilige, kitschige Story, die stellenweise viel zu übertrieben und unwahrscheinlich ist. Auch die Charaktere sind blass und oberflächlich und man kann nicht mit den Charakteren mitfühlen. Ich war von diesem Buch durch und durch enttäuscht.

 

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Das Vermächtnis des Raben

Autor: Hildegard Burri-Bayer

Taschenbuch: 352 Seiten

Verlag: MIRA TASCHENBUCH IM CORA VERLAG (1. Oktober 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3899413997

ISBN-13: 978-3899413991

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 06.02.2008, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13