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Das Versteck von Dean Koontz

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Hatch Harrisson und seine Ehefrau Lindsey verunglücken während eines Autounfalls im tiefsten Winter schwer. Während Lindsey den Sturz von den Klippen und in einen eiskalten Fluss mit starken Erfrierungen und schwer verwundet überlebt, muss Hatch das Unglück mit seinem Leben bezahlen. Dr. Nyebern, ein erfolgreicher Wissenschaftler auf dem Gebiet der Reanimationsforschung, gelingt es jedoch, den Verstorbenen umgehend wieder ins Leben zurück zu holen und das lange gebeutelte Familienglück endlich wieder zu Lindsey und Hatch zurückzubringen. Doch Hatchs neues Leben bereitet ihm nur kurzzeitig Freude. Immer häufiger wird er mit Visionen von grausamen Morden und brutalen Attentaten heimgesucht, kann diese aber noch nicht richtig deuten. Dann erfährt er jedoch, dass seine Visionen der Realität entsprechen und die Figuren seiner Träume tatsächlich Opfer kürzlich verübter Morde sind. Doch die wahre Bedrohung spürt er erst, als er sein telepathisches Alter Ego zum ersten Mal im Spiegelbild sieht und ihm bewusst wird, dass Hatch weder vor ihm, noch vor seinen unglaublichen Gewalttaten sicher sein wird. Doch welche Optionen bleiben ihm in dieser Situation?

 

 

Rezension:

Dean Koontz’ literarische Verbindung zum Bereich des Übersinnlichen hat den amerikanischen Starautor dereinst auf den Thron des geschriebenen Mytsery-Thrillers gebracht und ihm erst jenen ganz besonderen Status verliehen, der ihn mittlerweile zu einem der gefragtesten Autoren und Stammgast in den Bestseller-Listen macht. Genau dieses Stilmittel verwendete Koontz auch in seinem ursprünglich bereits 1992 verfassten Roman „Das Versteck“, einem allzu brutalen Genre-Beitrag, in denen der Autgor einige moralisch bedenkliche Themen anschneidet, gleichermaßen aber auch mit den finstersten Emotionen des menschlichen Seelenlebens spielt – dieses Mal allerdings bei weitem nicht so perfide und dezent wie in seinen aktuellen Meisterwerken.

Die Geschichte des verunglückten Pärchens birgt derweil das Potenzial bzw. die Voraussetzungen für einen komplexen, abwechslungsreichen Thriller. Der schreckliche Unfall, seine detailreiche Darstellung, die anschließende Reanimation und eine Reihe von zwischenzeitlich geschehenden Unglaublichkeiten sind das Zeug, aus dem wahre Meisterwerke geschaffen sind. Dementsprechend überraschend ist daher auch die Abkehr von unkonventionellen Strickmustern in den weiteren Kapiteln des Buches, eigentlich ja eine Stärke von Mr. Koontz. Die Geschichte ist über weite Strecken vorhersehbar und auf kurz oder lang steuert der Plot erwartungsgemäß und überraschend zielstrebig auf das Aufeinandertreffen der beiden telepathisch verbundenen Protagonisten zu. Zwar stehen zwischen der Konfrontation weitere Abscheulichkeiten, Leichen und mentaler Horror, jedoch wirken all diese Dinge schon so glatt aufeinander abgestimmt, dass die wahre Spannung, also das, was zwischen den Zeilen steht, erst gar nicht seine erschreckende Wirkung entfalten kann. Lediglich die Verbindungen, die im Laufe der Geschichte offenbar werden – hier sei Interessenten nicht zu viel verraten – sorgen für einige plötzliche Aha-Effekte, vermögen aber dennoch nicht, das ansonsten unheimlich hohe Spannungsniveau des Autors anzutasten. Dafür ist der Aufbau von „Das Versteck“ schlichtweg zu plausibel.

 

Dennoch sind die abstrakten Darstellungen, die Koontz für seine Figuren und ihr Handeln wählt, einmal mehr überwältigend. Seine Beschreibung des kompromisslosen Serienkillers Vassago, offensichtlich ein Geschöpf der Hölle, ist derart kalt und emotionslos, dass einem so mancher Schauer über den Rücken jagt. Als zum Beispiel seine Kindheit und somit sein erster Mord aufgerollt wird, gehen die Beschreibungen seiner plötzlich aufkeimenden Gefühlskälte unter die Haut, widern einen regelrecht an, faszinieren andererseits aber auch auf eine Art und Weise, wie sie wohl nur Koontz-Anhänger als literarische Kunst entlarven werden – die man seinen Charakterprofilen in „Das Versteck“ aber auch bedingungslos attestieren muss.

 

Aber dennoch: Die Entwicklung des Plots ist für seine Verhältnisse ein wenig zu stringent. Der Autor schlägt einen unumstößlichen Kurs ein, lässt sich auf keine Improvisationen ein und raubt sich mit dieser selbst auferlegten Limitation ein ganzes Stück inhaltliches Potenzial. Die Handlung ist nichtsdestotrotz ordentlich und bemerkenswert, schafft es aber eben nicht, durchweg diese atemberaubende Atmosphäre zu kreieren, die dem Gros der Koontz-Romane anheim wohnt. Und das ist schließlich eine Beeinträchtigung, die man selbst als Liebhaber des Starautors nicht vernachlässigen sollte, um einer eventuellen Enttäuschung vorzubeugen.

 

 

Fazit:

Von einer echten Enttäuschung zu sprechen, wäre im Zusammenhang mit „Das Versteck“ aber dennoch verkehrt, dafür ist die Unterhaltung einerseits einfach schon zu extrem, andererseits überragt einmal mehr der elegante, berauschende Schreibstil. Dennoch hätte dem Roman die eine oder andere Überraschung sichtlich gut getan und hätte die bisweilen etwas müde Dynamik gehörig aufbessern können. Dass man nämlich schon recht bald weiß, auf welches Szenario die Story hinausläuft, ist so gar nicht mal typisch für diesen Autor. Aber auch wenn „Das Versteck“ mitnichten das Highlight seines weit reichenden Katalogs ist, so ist es trotz allem ein anständiger, finsterer Thriller, der an den entsprechenden Stellen seinen Effekt nicht verfehlt. Und alleine dieser Umstand wiegt immer noch schwer genug, um diese Ausgabe über Großteile der etablierten Konkurrenz zu hieven.

 

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Das Versteck

Autor: Dean Koontz

Broschiert: 413 Seiten

Verlag: Heyne (August 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453721217

ISBN-13: 978-3453721210

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.02.2008, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18