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Das Wachsfigurenkabinett

Reihe: Dorian Hunter - Dämonen-Killer, Folge 4

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Dorian Hunter stößt mit seinem Team bei der Verfolgung der Spur der immer noch flüchtigen Vampirin Lady Hurst auf ein Vampirnest, welches er von seinem geschrumpften Gefolgsmann Donald Chapman infiltrieren lässt. Bevor es zur Auseinandersetzung kommt, erfährt man nur noch, dass die Blutsauger die Ankunft eines mysteriösen Schattens fürchten und ein Blutritual planen. Unterdessen taucht in der Pathologie eine seltsame Leiche auf. Im Nachlass der Toten findet sich die Geschäftskarte des Wachsfigurenkabinetts der Madame Picard – die Besitzerin stammte wie die Verstorbene aus dem Dorf Greyville. Zeit, der Künstlerin, die so gruselige Vampire anfertigen kann, einen Besuch abzustatten.

 

Das Wachsfigurenkabinett ist bereits die vierte Folge der Reihe Dorian Hunter – Dämonen-Killer; da es einen offenen Strang aus Der Puppenmacher, der vorigen Folge, aufgreift, gibt es eine kleine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse, die auch Neueinsteigern die Orientierung erleichtert. Noch viel eindeutiger als bisher ist die vierte Folge ein Horror-Thriller. Dorian erhält eine Reihe von diffusen Hinweisen, denen sein Team nachgehen muss. Was ist mit diesem drohenden Schatten? Was mit der seltsamen Leiche und dem Wachsfigurenkabinett? Auch Phillip macht seltsame Andeutungen. Hier gilt es einige Informationen zusammenzutragen. Diese Tätigkeit wird schon bald – typische für den Thriller – gefährlich. Nicht nur die verfolgten Vampire verhalten sich feindselig. Entsprechend sind die Rätsel, aber auch die generelle Bedrohung durch den Schatten und Actionszenen wichtige Spannungsquellen. Anders als bei anderen Hörspielen wie etwa der Reihe John Sinclair üblich werden hier wirklich verschiedene Spuren parallel verfolgt – es gibt echte Teamarbeit, statt ein mehr oder minder zufälliges Zusammenlaufen verschiedener Handlungsstränge. Bei den vier neuen Teammitgliedern wäre es nahe liegend, die Team-Bildung weiter zu betreiben, doch dieses geschieht im engeren Sinne nicht; was der Hörer von den Neuen erfährt, wird sehr beiläufig in den Thriller-Plot eingebunden.

Das Geschehen wird weiter sexualisiert: So gibt es ein paar anzügliche Witze, was für eine gewisse Authentizität sorgt, aber Coco wird auch wieder einmal mit Vergewaltigung bedroht – ein Standart für weibliche Hauptfiguren in der Reihe; es beginnt zu stören.

Neben dem genannten laufen noch weitere Handlungsstränge, die allerdings nur wenig Raum erhalten: Der Hörer erfährt etwas mehr über Dorians Vorfahren Nicolas de Conde, Helnwein ruft an und damit in Erinnerung, dass die Angelegenheit mit dem Henkersschwert noch nicht abgeschlossen ist, und am Ende meldet sich der Freund, der Dorian in besagter Folge das Flugzeug ausgeliehen hatte, und deutet auf zukünftige Entwicklungen hin.

Es ist schön zu hören, dass das Geschehen in der Reihe Konsequenzen hat, auf die auch wieder eingegangen wird, ohne dass es zu einer endlos komplizierten Verstrickung der Ereignisse wie bei Gabriel Burns kommt.

 

Die Leistungen der Sprecher sind insgesamt gut. Man hört viele bekannte Stimmen wieder: Da sind zunächst die wiederkehrenden Rollen wie Dorian Hunter (Thomas Schmuckert), Coco Zamis (Claudia Urbschat-Mingues), Donald Chapman (Frank Felicetti), Phillip Hayward (Tim Kreuer), Baron Nicolas de Conde (David Nathan) oder Norbert Helnwein (Hasso Zorn), neben einigen weiteren. Alle genannten machen ihre Sache gut, aber besonders Tim Kreuers schwer einzuordnende Stimme hat mich wieder einmal beeindruckt.

Auch die Stimmen der neuen Rollen hat man zumeist schon vorher in der Reihe gehört, allerdings nicht in prägnanten Rollen, so dass alle unverbraucht wirken. Als erstes ist natürlich der Antagonist Elmar Landrop (Till Hager – ein echter Hörspiel-Veteran: Er sprach schon in der E. A. Poe-Reihe von Lübbe Audio, den Faith- sowie den John Sinclair-Hörspielen um nur ein paar zu nennen) zu erwähnen. Auch wenn die Motivation nicht immer plausibel scheint (Motto: "Ich will zwar demnächst selbst die Schwarze Familie verraten, aber weil ich Verräter hasse und du die Schwarze Familie verraten hast, will ich dich zunächst bestrafen!") ist die Mischung aus Charme und Grausamkeit eine überzeugende Interpretation. Die Interpretation der Madame Picard von Diana Pilger – neben der Dorian Hunter-Reihe hat sie meines Wissens nur in Öffne die Tür mitgewirkt – überzeugt mich dagegen nicht zur Gänze, da sie mir zu wechselhaft und teilweise zu verträumt ist. Dafür gefällt mir die Szene, in der sie von Coco Zamis befragt wird sehr gut – gleichwie ob dieses der Sprecherin oder der Regie anzurechnen ist.

Von den neuen Teammitgliedern werden Agent Daniel Shorter (Wolf Frass) und Agent Ronnie Murray (Dirk Döding) hervorgehoben. Ersterer ist im doppelten Sinne ein gestandener Mann, denn während Frass schon in Hörspielen verschiedener Reihen wie DSA, ??? oder Drizzt zu hören war, spricht er hier einen erfahrenen Agenten mit Frau und Kind. Döding bzw. Murray ist sein Gegenstück: Der Sprecher hat hier wohl seinen ersten Hörspielauftritt und der Agent ist ein unerfahrener Neuling. In der Leistung stehen beide den Genannten um Nichts nach.

Zur Musik und Geräusch-Kulisse lässt sich nicht viel Neues sagen – außer, dass die Musikstücke vielleicht noch eine Spur treffender eingesetzt werden. Ich bin beim genauen Hinhören von der Vielfältigkeit der Stücke positiv überrascht – das lässt sich kaum noch steigern. Ähnliches gilt für die Geräusche: Beiläufig unterstreichen sie Stimmung und Handlungen, so dass Vieles ohne Sprecherkommentar verständlich wird.

 

Fazit:

Dorian Hunters Team muss verschiedenen vagen Spuren nachgehen: Was ist mit diesem Schatten und dem Ritual, von dem die Vampire sprachen, was mit der seltsamen Leiche und dem Wachsfigurenkabinett? Sieht man von kleinen Schwächen (erneute Bedrohung durch Vergewaltigung, Motivationsprobleme der Figur) ab, so lässt sich die Leistung nur noch in Maßen steigern: Regisseur Marco Göllner bietet mit seinem Horror-Thriller gute Unterhaltung.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

profi
Samstag, 24. Dezember 2011 23:36 Uhr
"aber Coco wird auch wieder einmal mit Vergewaltigung bedroht – ein Standart für weibliche Hauptfiguren in der Reihe; es beginnt zu stören."

Keineswegs. Endlich haben wir es in einem Hörspiel mit Wahrscheinlichkeiten zu tun, die glaubhaft sind (innerhalb des aufgestellten Kosmos). Dämonen ... blättern Sie doch einmal nach ... sind recht verworfen. Was um Gottes Willen läge näher, als Frauen zu vergewaltigen? Schmeckt nicht jedem, keine Frage. Ist aber authentischer als der ganze entschärfte Kinderkram, dem man kaum die Boshaftigkeit abnimmt.

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Hörspiel:

Das Wachsfigurenkabinett

Reihe: Dorian Hunter – Dämonen-Killer 4

Regie: Marco Göllner

Zaubermond (ALIVE), November 2008

1 CD

Spieldauer: ca. 76 Minuten

 

ASIN: B001ILKB4A

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher:

Thomas Schmuckert

Claudia Urbschat-Mingues

Frank Felicetti

Jürgen Thormann

Tim Kreuer

Gisela Trowe

Udo Schenk

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.12.2008, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03