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Das Wörterbuch des Viktor Vau von Gerd Ruebenstrunk

Rezension von Bine Endruteit

 

Inhalt:

Niemand weiß wo sie herkommt, aber wie aus dem Nichts aufgetaucht ist plötzlich eine Raumkapsel da. Sie landet in den Gewässern von Dagombé und wird von den dortigen Wissenschaftlern geborgen. Dank moderner Überwachungstechnik ist klar, dass dieses Objekt nicht aus unserer Zeit stammt. Es wurde nie abgeschossen oder hergestellt, trotzdem sieht es im Groben aus wie eine übliche Raumkapsel. Allerdings ist diese leer bis auf ein einziges Blatt Papier mit einer Nachricht. Einer Nachricht, die in einer unbekannten Sprache verfasst ist, die niemand lesen kann. Selbst die Experten sehen nach einigen gescheiterten Versuchen nur noch eine Möglichkeit: Viktor Vau soll nach Dagombé geholt werden.

 

Professor Vau hat aus innerer Überzeugung heraus eine Plansprache entwickelt, die er einsetzt, um psychisch Kranke zu behandeln und wieder in die Gesellschaft einzufügen. Allerdings befindet sich die Methode noch im frühen Teststadium. Seine Sprache hat Vau hingegen schon vor vielen Jahren zu entwickeln begonnen. Er trägt die Früchte seiner privaten Forschungen in Form eines Wörterbuches ständig bei sich. Da wundert es ihn doch, dass sein unbekanntes Werk die entscheidenden Hinweise liefern soll, doch er soll eine Überraschung erleben. Eine der unangenehmen Sorte.

 

Während all dieser Geschehnisse geht das Leben auf der Erde seinen Gang und nur wenige Menschen wissen, was im Verborgenen vor sich geht. In Professor Vaus Heimatland wird die große Weltausstellung vorbereitet, was jedoch von einigen rebellischen Aufrührern durch Bombenanschläge empfindlich gestört wird. Und auch in Dagombé geht das politische Spiel um die Herrschaft seinen Gang. Doch wie ist das alles mit dem Geheimnis um die Raumkapsel und Viktor Vaus Sprache verknüpft?

 

Rezension:

"Das Wörterbuch des Viktor Vau" ist zwar ein Zukunftsroman, doch trotzdem mag man ihn nicht so recht in den Bereich "Science Fiction" einordnen. So ganz genau lässt sich gar nicht festmachen, wann er spielt, und obwohl einem alles sehr bekannt vorkommt und so aufgebaut ist, wie wir es kennen, gibt es doch gewisse Unterschiede.

 

Die Erzählweise, der sich der Autor Gerd Ruebenstrunk hier bedient hat, ist ungewöhnlich. Der Roman hat keinen echten Protagonisten, sondern gleich eine ganze Hand voll Personen, die abwechselnd im Mittelpunkt stehen. Dabei erfährt man nie, zu welchem exakten Zeitpunkt das Beschriebene stattfindet. Das Geschehen wird lichtbilzartig an seinen wichtigsten Punkten beleuchtet. Besonders interessant wird es dadurch, dass die Figuren nach und nach miteinander verknüpft werden. Sie arbeiten an gleichen Orten, haben eine ähnliche Vergangenheit, besuchen das gleiche Café oder werden durch die Ereignisse um die geheimnisvolle Nachricht zusammengeführt.

 

Ruebenstrunks Geschichte ist weder besonders rasant zu nennen noch ist es die krimihafte Spannung, die einen an die Seiten fesselt. Vielmehr ist es die eindringliche Art zu schreiben, die einen schnell glauben macht, die Person genau zu kennen, um die es hier geht, aber trotzdem immer wieder Überraschendes an ihr zu entdecken. Jeder Charakter ist detailliert ausgearbeitet und wirkt absolut real. Was einen aber vor allen Dingen dazu bringt, die Kapitel nur so zu verschlingen, ist die Handlung, die immer wieder neue Wendungen hat und bei der man nie ganz sicher sein kann, was als nächstes passiert. Und gerade, wenn man glaubt, nun zu wissen, wie alles zusammenhängt, passiert garantiert noch etwas Unerwartetes. Gerade das Ende ist zwar konsequent und kommt nicht komplett unerwartet, trotzdem löst es noch mal einen unerwarteten AHA-Effekt aus.

 

Fazit:

Ein wenig Zeitreiseroman, viel Spannung, eine gute Portion Gesellschaftskritik und das Hinterfragen dessen, was uns zu dem macht, was wir sind, ist die Mischung, die "Das Wörterbuch des Viktor Vau" zu einem absolut lesenswerten und einzigartigen Roman macht. Jeder, der sich von dem veröffentlichten Einheitsbrei lösen will und auf der Suche nach einer neuen Idee ist, wird hier mit Sicherheit fündig.

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MEDIUM: Roman

Das Wörterbuch des Viktor Vau

Autor: Gerd Ruebenstrunk

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten

Verlag: Piper (März 2011)

ISBN-10: 3492702244

ISBN-13: 978-3492702249

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.03.2011, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13